Tennis-Duo Bryan & Bryan Doppelt spielt besser

Sie dominieren seit Jahren die Doppel-Konkurrenz bei den Herren: Die Zwillingsbrüder Bob und Mike Bryan sind zurzeit das erfolgreichste, was das US-Männertennis zu bieten hat. Bei den US Open können sie nun Historisches schaffen - trotzdem bleiben sie auf der Straße oft unerkannt.

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Hamburg - Wenn Bob und Mike Bryan auf die Bühne gehen, dann kann sich auch Novak Djokovic nicht drücken. Der Tennis-Superstar muss dann ans Mikrofon, so etwa beim Kids Day der US Open vor zwei Jahren. Er trägt dann etwas schüchtern die Liedzeilen vor, im Hintergrund trommelt Mike am Schlagzeug den Rhythmus, Bob wandert, nicht ganz so cool wie Keith Richards zwar, aber immer noch ziemlich lässig hin und her, in den Händen eine E-Gitarre.

Die Bryan Boys Band hat schon so manchen Auftritt hingelegt, doch man tritt den beiden 35-jährigen Zwillingsbrüdern Bob und Mike wohl nicht zu nahe, wenn man sagt, dass ihre eigentlichen Qualitäten nicht im Musikgeschäft liegen, sondern auf dem Tennisplatz.

Das Duo ist seit einem Jahrzehnt das Beste, was das Doppel-Tennis im Männerbereich zu bieten hat. Mittlerweile haben sie 92 ATP-Turniere zusammen gewonnen, 15 Grand-Slam-Siege eingefahren, davon zuletzt vier in Folge. Hinzu kommt die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in London 2012. Schon jetzt steht fest, dass die Bryans in diesem Jahr nicht mehr von der Spitze der Weltrangliste verdrängt werden können, das gelang ihnen bereits zum neunten Mal.

"Wenn wir verlieren, bekommt es keiner mit"

Doch der größte Coup des Teams Bryan/Bryan soll erst noch kommen: der Grand Slam, der Gewinn aller Major-Turniere innerhalb eines Jahres. Die Australian Open haben sie bereits gewonnen, die French Open auch und auch in Wimbledon triumphierte das Doppel-Duo. Bei den seit Montag laufenden US Open treten sie als Titelverteidiger an, viermal haben sie hier bereits gewonnen. Alle vier Saisonhöhepunkte zu gewinnen, das gelang im Doppel zuletzt Ken McGregor und Frank Sedgman - im Jahr 1951!

Und doch: Wenn die Bryans durch US-Metropolen schlendern, dann bleiben sie oft unerkannt. "Wir sind nicht verbittert deswegen", sagt Bob Bryan dem "Sun Sentinel": "Wir schätzen die Unterstützung und die Anerkennung, die wir bekommen." Das Fehlen eines Superstar-Status habe auch etwas Positives: "Wir haben auch niemanden da draußen, der uns hasst, wie es vielen Top-Tennisspielern passiert. Wir werden erkannt, wenn wir gewinnen. Dann sagen die Leute: 'Wir lieben die Bryans'", sagt Bob, "aber wenn wir verlieren, bekommt es irgendwie keiner mit."

Das US-amerikanische Tennis hat derzeit keine großen Stars. Die Zeiten, in denen André Agassi und Pete Sampras die Weltspitze dominierten, sind lange vorbei. Unter den Top Ten der Einzelspieler befindet sich kein einziger US-Profi. John Isner ist auf Position 17 noch der beste. Eigentlich müssten die Bryan-Brüder viel mehr Aufmerksamkeit bekommen, gerade bei den US Open, doch die Doppel-Wettkämpfe rufen das deutlich geringere Interesse als die Einzel hervor.

Bob ist Linkshänder, Mike Rechtshänder

Nur noch wenige Stars spielen neben ihren Einzelpartien auch noch mit einem Partner. Ein Grund hierfür ist, dass die Matches körperlich immer anstrengender geworden sind, Marathon-Spiele sind nichts ungewöhnliches. Die Pausen zwischen den Einzelpartien nutzen die Top-Spieler lieber zur Regeneration. Die Veranstalter tun ihr Übriges: Sie lassen die Doppel-Wettbewerbe auf den kleineren Courts austragen, oft spät abends. Auch der Publikumszuspruch ist eher gering - obwohl das Doppel im US-Breitensport äußerst beliebt ist.

"Solange die Doppel nicht im TV übertragen werden, werden die Spieler keine großen Stars in den USA werden", sagt Bob, der Jüngere. Wirklich traurig scheint er darüber nicht. Ausreichend Geld haben beide Bryans trotzdem verdient. Vor allem dank ihrer großen Stärke: Der Geschwindigkeit und der Präzision, mit der sie die Bälle zurückbringen, hat die Konkurrenz selten etwas entgegenzusetzen.

Zudem hat eine glückliche Fügung Bob zum Linkshänder werden lassen, Mike hingegen ist Rechtshänder - perfekt für ihr Doppelspiel. Gefördert wurden sie von ihren Eltern, der Vater nebenberuflich Tennistrainer, die Mutter selbst Spielerin. Aus Angst vor Streit verbaten diese ihren Kindern, gegeneinander zu spielen - und förderten so eine gemeinsame Karriere.

Längst gehören sie zu den erfolgreichsten Doppel-Teams der Tennisgeschichte. Jahrelang waren australische Spieler dominant, John Newcombe und Tony Roche etwa, oder Todd Woodbridge und Mark Woodforde (die "Woodies" genannt) bildeten die herausragenden Doppel ihrer Zeit. Die Williams-Schwestern waren bei den Damen bis zur Erkrankung von Venus am Sjögren-Syndrom das Nonplusultra.

Das bislang letzte Team, dass die Bryans in einem Grand-Slam-Finale schlagen konnte, waren Max Mirniyi aus Weißrussland und Daniel Nestor aus Kanada bei den French Open 2012. Beim Wimbledon-Turnier im selben Jahr war bereits im Halbfinale gegen das britisch-norwegische Doppel Jonathan Marray/Frederik Nielsen Schluss. Dann begann die Siegesserie der Bryans.

Für die Brüder, die nach Siegen immer mit ihren Brustkörben gegeneinander springen, geht es aber schon lange nicht mehr um Rekorde, mit Niederlagen gehen sie lässig um. Ihr Motto nach Finalpleiten: "Was soll's, haben wir ohnehin schon gewonnen." Doch auch ohne Druck haben die Bryans noch den nötigen Siegeswillen.

Schließlich gibt es ja auch nach einem möglichen Kalender-Grand-Slam genügend Ziele: 100 ATP-Siege etwa, oder das zehnte Jahr an der Spitze der Weltrangliste. "Die Bryan-Brüder haben diesen Sport schon so lange dominiert, dass ich Sorge habe, was passiert, wenn sie einmal aufhören", sagt die frühere US-amerikanische Weltklassespielerin Chris Evert: "Das Doppel wird dann nicht mehr dasselbe sein."



insgesamt 2 Beiträge
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atemlos9 27.08.2013
1. Falls
es irgendjemanden interessiert: Das Syndrom, woran Venus Williams erkrankt ist, heißt Sjögren-Syndrom (nicht Sjörgen).
kopi4 27.08.2013
2. Mittlerweile eine andere Sportart
Sicher,auch die Belastung ist ein Grund das die Topspieler nicht mehr im Doppel antreten.Ein anderer: im Doppel werden die Punkte am Netz gemacht.Und im Einzel kommen die Spieler,übertrieben gesagt, nur noch zum Handshake ans Netz.Selbst in Wimbledon ist der Rasen am Ende des Turniers lediglich an der Grundlinie abgelaufen.Ist also eine andere Sportart die die Bryans da meisterhaft beherrschen.
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