Teenager-Erfolge in Miami Kanada, die neue Tennis-Großmacht

Kanada kann nur Eishockey? Von wegen! 18-jährige Teenager wie Bianca Andreescu und Félix Auger-Aliassime sorgen für einen echten Tennis-Boom.

RHONA WISE/EPA-EFE/REX

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Kanada, dieses riesige Land im Norden Amerikas, steht für so Vieles. Für eine atemberaubende Natur, eine beispielhafte Willkommenskultur und natürlich auch für seine Eishockey-Stars. Wer über Kanada redet, kommt vor allem an Wayne Gretzky nicht vorbei. Der ehemalige NHL-Profi - Spitzname "The Great One" - gilt als einer der größten Sportler des 20. Jahrhunderts, in seinem Heimatland wird der 58-Jährige nach wie vor wie ein Heiliger verehrt.

Doch Kanada hat sich mittlerweile auch zur Tennisnation aufgeschwungen. Beim Masters in Miami, einem ATP-Event der zweithöchsten Kategorie, steht der Kanadier Félix Auger-Aliassime als jüngster Spieler der Turnier-Geschichte im Halbfinale. Dort trifft er auf Titelverteidiger John Isner (USA).

Auger-Aliassime ist 18 Jahre alt. Als Teenager waren in Miami zuvor nur die späteren Grand-Slam-Sieger Stefan Edberg (1985), Pete Sampras (1990), Andy Roddick (2001) und Rafael Nadal (2005) in die Runde der besten Vier vorgerückt. An diesen Namen dürfte sich Auger-Aliassime in Zukunft orientieren. Denn sein unglaubliches Talent ist schon jetzt offensichtlich.

Auger-Aliassime und Shapovalov - Kanadas Tennis-Zukunft

Der Sohn eines Togolesen und einer Kanadierin begann das Tennisspielen bereits im Alter von vier Jahren. Trotz einer Körpergröße von 1,91 Metern bewegt er sich leichtfüßig. Auger-Aliassimes Aufschlag ist druckvoll, ebenso wie seine aggressiven und sehr präzisen Grundschläge. Diese ermöglichen es ihm, häufig ans Netz vorzurücken und sein enormes Ballgefühl auszuspielen.

Dass sich Auger-Aliassime am Netz wohlfühlt, ist kein Zufall. In der Jugend gewann er an der Seite seines Landsmannes Denis Shapovalov die Doppelkonkurrenz der US Open. Womit wir schon beim zweiten kanadischen Hoffnungsträger wären.

Shapovalov, der spätestens seit seinem Sensationserfolg in Montreal gegen Rafael Nadal vor eineinhalb Jahren auf den Notizzetteln der Tennis-Experten steht, hat in Miami ebenfalls das Halbfinale erreicht. Dort kommt es zum Duell mit Altmeister Roger Federer. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte könnte es ein rein kanadisches Finale geben - 2015 waren sich Vasek Pospisil und Milos Raonic im Endspiel von Washington begegnet.

Während Raonic, mittlerweile 28 Jahre alt, trotz seines Potenzials bislang keinen Grand-Slam-Titel gewinnen konnte, gelten Auger-Aliassime und Shapovalov in naher Zukunft als aussichtsreiche Kandidaten auf einen Erfolg bei einem der vier großen Turniere. Schon in der kommenden Woche könnten die drei Kanadier laut Rangliste zu den 30 besten Spielern der Welt gehören. Nur die Franzosen sind momentan häufiger vertreten.

Der Boom in Kanada erinnert stark an den in der Schweiz vor 20 Jahren. Beinahe parallel entwickelten sich Martina Hingis und Roger Federer in den Neunzigerjahren zu Stars in einer Sportart, die in dem Acht-Millionen-Einwohner-Land zuvor nur wenig mediale Aufmerksamkeit erregt hatte.

18-jährige Kanadierin wird zu Kerbers Albtraum

Dass die US-amerikanische Zeitung "Desert Sun" kürzlich von einer "nördlichen Explosion" in Bezug auf die plötzlichen Tennis-Erfolge sprach, hat - wie damals in der Schweiz - auch mit einer Frau zu tun: Bianca Andreescu, Tochter rumänischer Einwanderer, ist wie Auger-Aliassime erst 18 Jahre alt. Mitte März hatte sie Angelique Kerber im Finale des prestigeträchtigen Turniers von Indian Wells bezwungen. Nur wenige Tage später trafen die beiden erneut aufeinander - auch in Miami konnte sich die zwölf Jahre jüngere Kanadierin gegen die ehemalige Weltranglistenerste durchsetzen.

Andreescu, die in ihrem Achtelfinale verletzungsbedingt aufgeben musste, ist aktuell die jüngste Spielerin der Top 50. In Indian Wells begeisterte sie mit Power-Tennis, nicht nur gegen Kerber, auch beim 6:0, 6:1-Sieg gegen die zweifache Grand-Slam-Siegerin Garbiñe Muguruza.

Noch können Andreescu, Auger-Aliassime und Shapovalov im Schatten der großen Stars befreit aufspielen. Große Titel werden von anderen erwartet. Doch schon bald dürfte der Druck zunehmen. Das Land wartet seit den ersten Erfolgen von Raonic vor acht Jahren sehnsüchtig auf seinen ersten Grand-Slam-Sieger im Einzel. Dem Trio soll das gelingen, was die Japanerin Naomi Osaka kürzlich mit ihren Erfolgen in New York und Melbourne vorgemacht hat.

Vor allem Auger-Aliassime bringt dafür die besten Voraussetzungen mit. Der Kanadier wurde am 8. August geboren - am selben Tag wie der erfolgreichste Spieler der Tennis-Geschichte: Roger Federer.



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RalfHenrichs 29.03.2019
1. Eugenie Bouchard
Natürlich kann es wie in der Schweiz oder Deutschland, als Steffi und Boris Teenager waren, ausgehen. Aber gerade Kanada hat in Genie das Gegenbeispiel. Sie galt als DER kommende Star im Frauentennis und ist aktuell ist sie auf 76 - und das ist schon hoch im Vergleich zu den letzten Monaten. Sie ist mehr ein großer Name in der Yellow Press als auf dem Court. Wie sich die beiden Jungstars entwickeln werden, kann daher noch niemand wirklich sagen.
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