Tennis-Profis Kyrgios und Zverev Duell um die Zukunft

Sie gelten als die Top-Stars von morgen: Nick Kyrgios und Alexander Zverev treffen im Viertelfinale des ATP-Masters von Miami aufeinander. Gemeinsam könnten sie eine neue Ära einläuten.

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Es ist nur ein Ballwechsel gewesen, aber er sagt so viel aus über das Potenzial von Nick Kyrgios. In seiner Drittrunden-Partie von Indian Wells gegen den Deutschen Alexander Zverev vor zwei Wochen demonstrierte der Australier eindrucksvoll, was er kann.

Beim Stand von 4:3 im zweiten Satz gelang es dem 21-Jährigen, seinen zwei Jahre jüngeren Gegner per Tweener (Schlag durch die Beine) in die Defensive zu drängen. Anschließend stürmte er nach einem präzisen Vorhandhandslice ans Netz, um den Ballwechsel dann mit einem äußerst gefühlvollen Volley-Stopp abzuschließen. Die Zuschauer gerieten ins Staunen. Auch sein Gegenüber dürfte in diesem Moment wohl realisiert haben, dass Kyrgios an diesem Tag nicht zu schlagen ist.

Nicht nur Zverev hat in dieser bislang so spektakulären Tennis-Saison schon schlechte Erfahrungen mit Kyrgios gemacht. Auch Superstar Novak Djokovic kassierte kürzlich zwei deutliche Niederlagen gegen den Weltranglisten-16., dem es nach etlichen Skandalen auf und abseits des Platzes endlich zu gelingen scheint, sein Können in wichtigen Momenten abzurufen. Kyrgios schied in Indian Wells letztlich gegen Roger Federer im Halbfinale aus. Nicht etwa, weil der spätere Sieger aus der Schweiz erneut brillierte, sondern weil Kyrgios verletzungsbedingt absagen musste.

Viele hatten dem exzentrischen Tennis-Star eine solche Entwicklung nicht mehr zugetraut. Zu groß waren die Aussetzer, die sich der Australier schon in jungen Jahren erlaubt hatte. Zum Beispiel, als er in der Partie gegen Stan Wawrinka dessen Lebensgefährtin unflätig beleidigte. Oder jener lustlose Auftritt gegen Mischa Zverev, als er ein Spiel demonstrativ abschenkte.

Die ATP hatte genug vom rüpelhaften Benehmen und sperrte Kyrgios für sechs Wochen. Da er anschließend einwilligte, sich in sportpsychologische Behandlung zu begeben, wurde die Sperre verkürzt. Die Therapie scheint gewirkt zu haben. Kyrgios greift binnen weniger Wochen zum zweiten Mal nach einem großen Titel, der ihm in seiner Karriere bislang noch fehlt.

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Kyrgios vs. Zverev: Stars von morgen

Im Viertelfinale des Masters-Turniers von Miami trifft er nun erneut auf Zverev (1 Uhr nachts). Es ist erst das zweite offizielle Aufeinandertreffen der beiden nach Kyrgios' Sieg vor zwei Wochen. Doch es könnte eines dieser Duelle werden, das künftig eine Tennis-Ära prägt. Eines wie Federer gegen Nadal, Sampras gegen Agassi in den Neunzigerjahren oder Becker gegen Edberg ein Jahrzehnt zuvor.

Beide Spieler feierten im vergangenen Jahr ihren ersten Turniersieg, beide rücken allmählich in Richtung Top 10 der Weltrangliste vor. Man kann ihnen im Grunde dabei zusehen, wie sie von Woche zu Woche besser werden.

Große Spieler feiern schon früh große Siege - das scheint im Tennis ein ungeschriebenes Gesetz zu sein: So gewann Boris Becker im Alter von 17 Jahren 1985 Wimbledon, Rafael Nadal war erst 19, als er sich erstmals zum Sandplatz-König von Paris krönte. Und Roger Federer entzauberte 2001 als 19-Jähriger sensationell Pete Sampras auf dem heiligen Rasen von Wimbledon.

Viel spricht für eine große Zukunft

Überträgt man diese einfache Regel auf Kyrgios und Zverev, dürften sich zwei große Karrieren anbahnen. Zverev bezwang Federer 2016 in Halle und zum Auftakt der Saison beim Hopman-Cup in Perth, seine 2:0-Bilanz gegen Stan Wawrinka ist für einen erst 19-Jährigen ebenfalls bemerkenswert. Auch Kyrgios gilt als Angstgegner vieler Stars. Der Australier mit griechischen und malaysischen Wurzeln hat sowohl gegen Djokovic als auch gegen Federer eine positive Bilanz - das kann auf der Tour sonst niemand von sich behaupten.

Zudem spricht die aktuelle Situation im Tennis für eine baldige Dominanz der beiden. Im vorderen Bereich der Weltrangliste wimmelt es von Spielern, die ihre besten Tage hinter sich gebracht haben. Federer, zwar derzeit in bestechender Form, wird im August 36. Wawrinka feierte bei seiner Niederlage gegen Zverev vor zwei Tagen seinen 32. Geburtstag. Djokovic und der Weltranglistenerste Andy Murray stecken nach großen Erfolgen im Jahr zuvor in einem Formtief. Die einstigen Hoffnungsträger Milos Raonic und Kei Nishikori sind zudem extrem verletzungsanfällig.

Das Turnier in Miami scheint besonders Kyrgios zu liegen. 2016 war er in Florida in sein erstes Masters-Halbfinale eingezogen, verlor dort aber glatt gegen Nishikori. In diesem Jahr würde vermutlich Federer im Halbfinale warten. Vor dem Rekord-Grand-Slam-Sieger muss Kyrgios keine Angst mehr haben.



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anselmi 30.03.2017
1.
Die beiden erinnern an die Neunziger, als Agassi und Courier oben mitmischten. Der eine (Kyrgios) ist ein exzentrischer Vogel, der gerne übers Ziel hinaus schießt und der andere (Zverev) ein dermaßen langweiliger Heini, dass man es nicht mal bis zum Ende des Satzes ... schnarch!
ulisses 31.03.2017
2. Jugend
Es ist richtig, dass sich großes Talent meistens schon früh zeigt, nicht nur im Tennis. Jedoch muss man doch feststellen, dass es wohl so schnell keinen Major-Gewinner im Teenageralter geben wird. Na ja, vielleicht schafft es Zverev noch so gaaaanz knapp mit 19 in diesem Jahr. Bei der Athletik und den Superspielern an der Spitze, die seit 2004 die Grand Slam Turniere unter sich ausspielen, ist es kaum möglich schon mit 18 reif für einen großen Titel zu sein. Kann sich etwa jemand vorstellen, dass so Bubis, kaum austrainiert, wie damals die blutjungen Sampras, Wilander, McEnroe, Becker, Edberg und vor allem Chang heute ein Major gegen Nadal, Wawrinka, Federer, Murray oder Djokovic gewinnen würden??? Zverev und Kyrgios werden sicher zu den nächsten Großen gehören, vielleicht schon dieses Jahr, aber ich tippe auf nächstes Jahr, wenn Sie sich endgültig stabilisiert haben und die alten Cracks mehr und mehr nachlassen.
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