Einstige Tennis-Hoffnung Gasquet Abgerauscht

Richard Gasquet galt bereits im Alter von neun Jahren als nächster Tennis-Superstar. Der Franzose erlebte einen rasanten Aufstieg in die Weltspitze - und stolperte anschließend über Verletzungen und eine Kokain-Affäre.

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Es hat sie gegeben. Die Tage, an denen bei Richard Gasquet alles zu funktionieren schien. Im Juni 2012 traf der damals 25-Jährige bei den French Open auf Tommy Haas. Nach einem verlorenen ersten Satz gab Gasquet im weiteren Matchverlauf nur noch drei Spiele ab - 6:7, 6:3, 6:0, 6:0 hieß es am Ende.

Sein Gegner konnte einem leidtun. Was auch immer Haas versuchte - Gasquet hatte die passende Antwort parat. Mit eleganten, schier unmöglichen Passierschlägen brachte er selbst das für seine Skepsis bekannte Pariser Publikum zum Staunen.

Doch diese Zeiten liegen lange zurück. Die Gegenwart sieht anders aus: Gasquet, mittlerweile 31 Jahre alt, liegt in der Weltrangliste nur noch auf Rang 30, die aktuelle Saison wird er wohl ohne Titel auf der ATP-Tour abschließen. Nach einer Verletzungspause im Sommer nahm Gasquet zuletzt sogar an einem sogenannten Challenger im polnischen Stettin teil, einem Turnier der unteren Kategorie.

In Paris kämpft er am Mittwoch beim letzten Masters-Turnier des Jahres um den Einzug ins Achtelfinale. Ins Duell mit dem Bulgaren Grigor Dimitrov (nicht vor 19 Uhr) geht der Lokalmatador nur als Außenseiter.

Für Gasquet, den einstigen Wunderjungen aus Frankreich, dürfte sich der Traum von einem Grand-Slam-Titel nicht mehr erfüllen. Dabei hatte er in seinem Heimatland schon früh große Hoffnungen geweckt.

Gasquet entwickelte sich schnell - vielleicht zu schnell

Bereits mit neun Jahren zierte der kleine Richard das Titelblatt eines großen französischen Tennismagazins. "Der Champion, auf den Frankreich gewartet hat", stand in Versalien neben dem Bild des Ausnahmetalents.

Gasquet entwickelte sich schnell. Vielleicht zu schnell. In Jugendzeiten dominierte er, sicherte sich unter anderem die Nachwuchstitel bei den French Open und US Open. Bereits mit 15 Jahren debütierte er bei seinem Heimturnier in Paris, lange Zeit war er der jüngste Profi unter den Top 200 der Weltrangliste. Frankreich, so schien es, sollten goldene Zeiten bevorstehen.

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Gescheiterte Tennis-Talente: Gasquet, Ancic, Elsner

Denn neben Gasquet spielten sich weitere Talente in den Vordergrund. Jo-Wilfried Tsonga (32), Gael Monfils (31), Gilles Simon (33) - sie alle entstammen derselben Generation und weckten Hoffnungen, den ersten französischen Grand-Slam-Sieger seit Yannick Noah (1983) hervorzubringen. Frankreich, die stolze Tennis-Nation, die insgesamt neun Mal den Davis Cup gewinnen konnte, sehnte sich nach Erfolgen.

Gasquet sorgte erstmals 2005 für Aufsehen, als er den damaligen Weltranglistenersten, Roger Federer, in Monte Carlo schlug. Zwar scheiterte er später an Rafael Nadal. Doch nur wenige Wochen später sollte er als 18-Jähriger seinen ersten Titel auf Rasen gewinnen. Schnell etablierte sich Gasquet im Kreis der besten Spieler der Welt.

Verletzungen, medialer Druck, Kokain-Affäre

Nachdem er bereits 2007 ins Halbfinale von Wimbledon vorrückte, um da gegen den späteren Sieger Federer zu verlieren, feierte die heimische Presse: "Früher oder später wird sich dem Franzosen die Chance bieten, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen". Doch es kam alles anders.

Verletzungen an Schulter und Ellbogen, der mediale Druck in seinem Heimatland und eine positive Kokain-Probe im Jahr 2009 warfen Gasquet zurück. Zweieinhalb Monate wurde der Franzose vom Spielbetrieb suspendiert. Gasquet beteuerte seine Unschuld: Er habe die Droge beim Knutschen aufgenommen. Die Richter glaubten ihm - den Anschluss an die Stars der Szene hatte er da längst verloren.

Spielertypen wie Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray sollten die kommenden Jahre bestimmen. Profis, die auf allen Belägen dominieren konnten und auch weit hinter der Grundlinie nur schwer zu bezwingen waren. Hinzu kam Federer, ein Allrounder, der es schon immer verstand, im richtigen Moment von Defensive auf Offensive umzuschalten. Gasquet war trotz seiner extrem sicheren und ästhetischen Rückhand nicht in der Lage, diesen Spielern über fünf Sätze Paroli zu bieten. In insgesamt 57 Partien gegen die "Big Four" konnte Gasquet lediglich vier gewinnen. Eine vernichtende Bilanz.

Ihm erging es wie seinen Landsmännern. Auch Monfils und Tsonga verpassten es, ihr Spiel nach einer erfolgreichen Jugendzeit entscheidend zu verbessern. Während Tsonga und Monfils, die über kräftige Grundschläge verfügen, vor allem taktisch keine Mittel fanden, liegt es bei Gasquet vor allem an der Physis. Hinzu kommt ein zu langsamer Aufschlag und eine harmlose Vorhand.

Experten bezeichnen seine einhändig gespielte Rückhand immer wieder als schönste der Welt. Nur hat ihm diese nie den erhofften Erfolg gebracht. Gasquet hätte sie wohl gegen einen Titel bei einem Grand-Slam-Turnier eingetauscht.



insgesamt 2 Beiträge
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doktordoktormueller 01.11.2017
1. Gasquet hat 15 Mio+ erspielt
er ist wohl nicht gescheitert, sondern wurde mit Tennis reich. Wenn er nicht blöde ist, bleibt er es auch. Soll aber auch Fälle geben, da ist jemand so dämlich und verprasst all das Geld.
Franz64 01.11.2017
2. jemanden..
, der sein halbes Leben top 10 war, als "abgerauscht" zu bezeichnen, halte ich für ziemlich übertrieben.
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