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Tennisspielerin Petkovic: Frau im Aufwärtstrend

Foto: Mike Ehrmann/ AFP

Tennis-Star Petkovic "Acht Steaks, dann bin ich wieder fit"

Andrea Petkovic tritt an, um das deutsche Tennis zu retten. Bisher glänzte die 23-Jährige vor allem außerhalb des Platzes durch professionelle Selbstinszenierung und schlaue Sprüche - jetzt aber kommt endlich der sportliche Erfolg hinzu.

Wer bislang über Andrea Petkovic berichtete, erwähnte irgendwo in seinem Beitrag meistens auch Jean-Paul Sartre und Roland Koch. Denn die 23-jährige deutsche Tennisspielerin ist allzu gerne als der etwas andere deutsche Sportprofi verkauft worden. Kein Petkovic-Text ohne den Hinweis darauf, dass sie Bücher liest (Sartre oder Jonathan Frantzen), dass sie an der Fern-Uni Hagen studiert (Politik) und in der hessischen Staatskanzlei des damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch ein Praktikum gemacht hat.

In diesen Tagen aber liegen die Dinge anders: Kein Sartre, kein Koch. Petkovic liefert rein sportliche Schlagzeilen. Nach dem Erreichen des Halbfinals im US-amerikanischen Key Biscayne steht die Deutsche vor dem Sprung in die Tennis-Weltelite.

Am Montag hat Petkovic die aktuelle Weltranglistenerste Caroline Wozniacki aus Dänemark bezwungen. Am Dienstag folgte die frühere Nummer eins Jelena Jankovic aus Serbien. Und jetzt steht ihrem ersten ganz großen Turnierfinale nur noch Maria Sharapowa (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im Wege. Bei den Australian Open vor zwei Monaten hat Petkovic die Russin im Achtelfinale geschlagen. Wenn am kommenden Montag die neue Weltrangliste erscheint, wird die Deutsche erstmals einen Rang in der Top 20 erreichen.

Endlich, will man fast sagen. Endlich mal ein anderes Thema, ein sportliches Thema. Nicht mehr nur die üblichen Charakterzeichnungen. Wie zum Beispiel: Petkovic hat ein Einser-Abitur, sie interessiert sich für Politik und sie reist mit Goethes "Werther" im Gepäck durch die Welt. Im Profisport sind solche Attribute immer noch ein guter Grund, um Aufsehen zu erregen. Wobei die Deutsche selbst genug dazu beigetragen hat, den Ruf von der Tennisspielerin mit Verstand zu festigen.

Sie liefert immer einen verwertbaren Spruch

Denn Petkovic versteht Sport stets auch als Inszenierung. Sie pflegt ihren Videoblog "Petkorazzi", nutzt Twitter ausgiebig als Kommunikationsplattform. Die Medien bedient sie mit schlagfertigen Antworten auf den Pressekonferenzen, fast immer hat sie einen druckbaren Spruch auf Lager. Als sie nach ihrem kräftezehrenden Viertelfinale gegen Jankovic gefragt wurde, wie sie sich körperlich fürs Scharapowa-Match wieder in Form bringt, sagte sie: "Ich werde in ein Steakhaus gehen, acht Steaks essen, und dann bin ich wieder fit."

Für den deutschen Tennissport ist Petkovic auch deshalb Gold wert. Dass das Interesse am Tennis hierzulande seit Jahren nachlässt, lag nicht nur an den ausbleibenden sportlichen Erfolgen. Auch daran, dass es in Deutschland keine Typen mehr gab. Petkovic vereint jetzt beides. "Ich sehe mich auch als Entertainerin", hat sie mal gesagt: "Die Menschen wollen unterhalten werden." Ihr kleiner Tanz , den sie seit den US Open 2010 nach Siegen auf dem Court aufführt, wird bei Youtube tausendfach aufgerufen. Petkovic hat es geschafft, sich selbst als eine Art Marke zu kreieren.

So etwas war zuletzt eher Spielerinnen der Gattung Anna Kournikova gelungen. Die Russin, die das Image des Tennis-Luders kultivierte und deren Outfit von Turnier zu Turnier knapper ausfiel, übertünchte damit aber eher mangelnde sportliche Erfolge.

Petkovic - und das ist entscheidend - agiert anders. Sie ist eine Art Anti-Kournikova, in Bosnien und Herzegowina geboren und von ihrem Vater trainiert und gemanagt. Petkovic ist äußerst ehrgeizig und hat noch viel vor im Spitzentennis. Gleichzeitig erweckt sie äußerst elegant den Eindruck, dass ihr der gesamte Rummel um ihre Person relativ wenig bedeute und es im Leben viel wichtigere Dinge gebe als Tennisspielen. Petkovic hat jetzt schon über eine Million Dollar Preisgeld in ihrer Karriere eingestrichen, fährt daheim in Darmstadt aber nach wie vor mit ihrem alten Opel Corsa durch die Gegend.

Vergleich mit Steffi Graf abgelehnt

Dieser Petkovic-Charme zeigt Wirkung. Die Tenniswelt sei dabei, sich ein wenig in Andrea Petkovic zu verlieben, schrieb die "Süddeutsche Zeitung" jüngst. Auch im Welttennis sind Personen wie die Deutsche schwer begehrt. Zahlreiche Turniere kämpfen zunehmend mit Akzeptanzproblemen durch das Publikum - die am besten dadurch zu beheben sind, indem die Profis auf dem Platz ein echtes Spektakel abliefern.

Spielerinnen wie Wozniacki, die derzeitige Dritte Vera Zvonareva aus Russland oder die Chinesin Na Li beherrschen zwar ein fast fehlerloses Power-Play, aber besitzen über ihre Sportart hinaus kaum Strahlkraft. Nicht umsonst wurden die Comebacks der schon einmal zurückgetretenen Topspielerinnen Justine Henin und Kim Clijsters aus Belgien geradezu messianisch gefeiert. Petkovic kommt da wie gerufen.

Vergleiche mit Steffi Graf, dem Idol des deutschen Frauen-Tennis, lehnt sie ab. Was nicht nur daran liegt, dass sie auf dem Platz völlig unterschiedliche Charaktere verkörpern. "Steffi Graf war ein Jahrtausendtalent", sagt die 23-Jährige über die vielfache Grand-Slam-Siegerin.

Bis vor zwei Monaten hatte Petkovic noch nicht einmal gewagt, Graf bei gemeinsamen Terminen anzusprechen. Im März haben sie zusammen trainiert.

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