Tennisprofi Benoît Paire Die Wundertüte ist erwachsen geworden

Frankreichs Supertalent Benoît Paire fiel jahrelang vor allem durch Ausraster und wechselnde Bartmoden auf. Bei den French Open macht er endlich auch sportlich von sich reden - in gleich drei Wettbewerben.
Benoît Paire nach seinem Einzel-Sieg gegen Pierre-Hugues Herbert in der zweiten Runde der French Open

Benoît Paire nach seinem Einzel-Sieg gegen Pierre-Hugues Herbert in der zweiten Runde der French Open

Foto: Philippe Lopez / AFP

Am Stade Roland Garros, Austragungsort der French Open im Westen von Paris, sind die Großen des französischen Tennis allgegenwärtig, die "vier Musketiere" Jean Borotra, Jacques Brugnon, Henri Cochet und René Lacoste. Gemeinsam gewannen sie in den Zwanzigerjahren den Davis Cup in Serie, später wurden die vier Haupttribünen des Center Courts nach ihnen benannt.

Rund hundert Jahre später sorgt an der geschichtsträchtigen Stätte nun wieder ein Franzose für Furore: Benoît Paire. Mit seinem Backenbart und dem zackig hochgestellten Kragen seines Poloshirts wirkt er wie die Karikatur eines Hipsters. Paire gilt als Exzentriker, der für großes Aufsehen sorgt, sportlich bislang aber meist enttäuschte. Nur dass er es diesmal nicht bei Showeinlagen belässt und sich mit beachtlichen Leistungen bis ins Achtelfinale vorgekämpft hat.

Frankreich hat einige Erfahrungen mit verhaltensauffälligen Tennisprofis: Der "geniale Clown" Henri Leconte, der schillernde Yannick Noah, der dem Land den letzten French-Open-Triumph schenkte und Richard Gasquet, der 2009 positiv auf Kokain getestet wurde.

"Regeln mit Füßen getreten"

Doch einen wie Paire gab es noch nie. Als Riesentalent gehandelt, fiel der Franzose vor allem durch Ausraster und private Ausschweifungen auf. Sein Image als herausgeputzter Strandbar-Gockel pflegte er penibel. Die Haarfarbe wechselte er so häufig wie seine Affären mit französischen Popsternchen, alles sorgsam dokumentiert auf seinem Instagram-Account.

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Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio wurde Paire aus dem Olympiadorf verbannt - er habe die "Regeln mit Füßen getreten", hieß es aus dem französischen Lager. Demnach soll sich Paire schlecht benommen haben, außerdem habe er keinen Teamgeist gezeigt.

In einem Interview mit "L'Équipe" stellte Paire seine Karriere infrage, er fühle sich auf der Tour oft allein: "Es gibt andere Dinge im Leben neben dem Tennis." Der 1,96-Meter-Mann war ein Spieler, dem man gern zuschaute, seinen Kunstschlägen, seiner Bilderbuch-Rückhand - und doch sah man ihn viel zu oft verlieren. Bis heute.

Vor einem Monat feierte Paire seinen 30. Geburtstag - und plötzlich zwei Turniersiege in kurzer Folge, in Marrakesch und Lyon. Bei den French Open lieferte er sich in der zweiten Runde eine epische Schlacht mit Landsmann Pierre-Hugues Herbert, gewann 11:9 im fünften Satz, nach viereinhalb Stunden, der Court Suzanne Lenglen stand Kopf. Und auch in der dritten Runde lag Paire mit 2:1-Sätzen vorn, ehe sein Gegner Pablo Carreño Busta aufgab und Paire ins Achtelfinale einzog. Die "Wundertüte" scheint erwachsen geworden zu sein.

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Dort geht es am Sonntag gegen die Nummer sieben der Setzliste, den Japaner Kei Nishikori. Alles scheint möglich: "Ich fühle mich gut, ich fühle mich fit, ich will auf der Welle reiten", sagte Paire. Übrigens nicht nur in der Einzelkonkurrenz. Statt sich an den spielfreien Tagen zu schonen, trat der 30-Jährige auch noch im Mixed und Doppel an, letzteres an der Seite der indischen Tennislegende Leander Paes, 46 Jahre alt.

Paire sieht die Dreifachbelastung gelassen: "Stan (Wawrinka, d. Red.) kam zu mir und sagte: 'Du bist körperlich ein Monster'. Aber die Sache ist, je mehr Matches ich spiele, desto besser fühle ich mich." Ganz ohne Wahnsinn geht es eben nicht bei Benoît.

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