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Tennisprofi Federer: Das Jahr der Wachablösung

Foto: David Crosling/ dpa

Tennisprofi Federer King Roger klammert sich an die Macht

Seine Fans verehren ihn für sein elegantes Spiel, über Jahre beherrschte Roger Federer den Tennissport. Doch jetzt ist der Schweizer 30 - und damit zu alt. Große Turniere gewinnt er nur noch, wenn seine Konkurrenten nicht antreten.
Von Nils Lehnebach

Es gab Zeiten, da rätselten Tennisfans vor großen Turnieren nicht darüber, wer gewinnen wird. Sie tippten nur, wer sich im Finale gegen Roger Federer versuchen darf. Zwischen 2006 und 2009 verpasste er bei den 16 Grand Slams nur einmal das Endspiel, neunmal siegte er. Mit 16 Grand-Slam-Titeln insgesamt ist er Rekordhalter.

Aber Federer, der Tennis-König, ist mittlerweile 30 Jahre alt. Privat erlebte er seit der Geburt seiner Zwillingstöchter 2009 vermutlich eine Reihe schöner Momente. Auf dem Platz hat er seine besten Zeiten aber hinter sich, in der Weltrangliste liegt er nur noch auf Rang drei. Für einen, der 285 Wochen lang die Nummer eins war, ist das ein Rückschritt. In diesem Jahr konnte er zudem zum ersten Mal seit 2002 keines der vier großen Turniere gewinnen.

Der Schweizer begeisterte die Tennisfans über Jahre mit seinem eleganten Spiel. Seine Vorhand ist einmalig; eine königliche Waffe, mit der immer wieder Zuschauer in Erstaunen versetzt. Das "Tennis Magazine" kürte sie einst zur besten in der Geschichte des Sports. Der verstorbene US-Schriftsteller David Foster Wallace schrieb, es sei eine religiöse Erfahrung, Federer beim Tennisspielen zuzusehen.

Doch mittlerweile ist das Tempo über eine gesamte Saison gesehen zu hoch für den Schweizer. Der 24-jährige Novak Djokovic, der dominierende Mann des Jahres, und der ein Jahr ältere Rafael Nadal waren 2011 für Federer meist zu gut. Von acht Partien gegen die beiden verlor Federer sechs. Lediglich im Halbfinale der French Open gelang ihm gegen Djokovic ein großer Sieg.

Djokovic und Nadal 2011 zu stark

So spielten in diesem Jahr der Serbe und der Spanier auch ihr bestes Tennis, wenn es darauf ankam. Djokovic gewann die Australian Open, Wimbledon und die US Open. Den vierten Grand Slam, die French Open, sicherte sich Nadal, der zudem den Davis Cup gewann.

Federer scheint nicht wahrhaben zu wollen, dass seine Zeit vorbei ist. "Ich fühle, dass für mich etwas möglich ist und ein Grand-Slam-Sieg immer noch in Griffweite sein könnte", sagt er. Aktuell beträgt sein Rückstand auf den Weltranglisten-Ersten Djokovic 5460 Punkte, für einen Grand-Slam-Titel gibt es 2000. Dennoch ist Federer optimistisch: "Ich bin auch in diesem Alter noch hungrig. Es ist zwar ein langer Weg, aber ich kann wieder die Nummer eins werden." Für ihn spricht nur, dass Djokovic zu Saisonbeginn deutlich mehr Punkte zu verteidigen hat.

Eine Aufholjagd ist unwahrscheinlich, weil 2011 Federers schwächstes Jahr seit langem war. Besonders in den großen Spielen versagte er. Im Halbfinale der US-Open führte er gegen Djokovic mit 2:0 Sätzen und vergab später noch zwei Matchbälle. Schon zuvor in Wimbledon, ausgerechnet bei dem Turnier, das Federer über Jahre dominiert hatte, verlor Federer im Viertelfinale gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga, ebenfalls nach 2:0-Satzführung. Es war das erste Mal bei einem Grand Slam, dass Federer nach solch einem Vorsprung noch verloren hatte. Zuvor hatte er so eine Führung 178-mal genutzt.

Federer geht den Top-Leuten aus dem Weg

Erst im November, als die Saison eigentlich vorbei war, gewann Federer die Turniere in Basel und Paris-Bercy sowie das ATP-Saisonfinale in London. Doch gerade der Titel bei der inoffiziellen ATP-Weltmeisterschaft klingt besser, als er ist. Das Turnier der besten Acht der Saison hat seit Jahren keinen hohen Stellenwert mehr. Federer selbst war 2007 der Letzte, der das Turnier als Nummer eins gewinnen konnte. Djokovic und Nadal legten in dieser Saison ihre Schwerpunkte anders und spielten beim Saisonfinale deutlich unter ihrem Niveau.

Der Serbe war nach seiner Fabelsaison mit insgesamt 76 Spielen ausgelaugt und sagte in London nach seiner Pleite gegen David Ferrer: "Mir fehlte der Wille zum Sieg, ich kann keine 100 Prozent mehr geben, denn ich habe kaum noch Energie." Nadal litt zum Turnierzeitpunkt unter Schulterproblemen und wollte deshalb eine Woche vor dem prestigeträchtigen Davis-Cup-Finale kein großes Risiko eingehen.

Federer aber wertete den Erfolg deutlich höher. "Es ist ein unglaublicher, ein wunderschöner Moment. Das gibt mir richtig Rückenwind", sagte er, der vor seinen drei Turniersiegen zum Jahresende eine sechswöchige Pause genommen und die Asientour komplett ausgelassen hatte. Er redete sich seinen Erfolg schön: "Ich habe noch keine Saison so stark beendet."

Der 30-Jährige scheint verstanden zu haben, dass er nur noch gewinnen kann, wenn die Konkurrenz nicht in Bestform oder gar nicht mit dabei ist. Kurz nachdem sein großer Konkurrent Nadal mit Spanien den Davis Cup gewonnen hatte, erklärte dieser, 2012 wegen der besonders hohen Belastungen mit den Olympischen Spielen nicht am Team-Wettbewerb teilnehmen zu wollen. Drei Tage später entschied sich Federer, im kommenden Jahr die Erstrunden-Partie seiner Schweizer gegen die USA spielen zu wollen. Es ist das erste Mal seit 2004, dass er sich bereit erklärt hat, eine Davis-Cup-Auftaktrunde zu spielen.

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