Testosteron-Doping Astana entlässt positiv getesten Kessler

Das Team Astana kommt nicht zur Ruhe: Nach den Sorgen um die Verletzten Tour-Favoriten Winokurow und Klöden erreicht den Schweizer Rennstall die Nachricht, auch die B-Probe Matthias Kesslers sei positiv. Der Rennstall entließ daraufhin den deutschen Radprofi.


Bourg-en-Bresse - "Die B-Probe hat die A-Probe bestätigt", sagte Lorenz Schläfli, Geschäftsführer des Schweizer Radsport-Verbands Swiss Cycling. Kessler, der in der Schweiz lebt, wird nun in den nächsten zwei bis drei Wochen zur Anhörung geladen. Sollte der 28-Jährige nicht nachweisen können, dass die Dopingmittel ohne sein Zutun in seinen Körper gelangt sind, wird er für zwei Jahre gesperrt.

Astana-Profi Kessler: Lange Sperre droht
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Astana-Profi Kessler: Lange Sperre droht

Kessler hatte nach Bekanntwerden der A-Probe versichert, er sei unschuldig.Der Rennstall reagierte mit der Entlassung des Edelhelfers. Das teilte das Team in einer offiziellen Erklärung heute Mittag mit. Der 28-Jährige war bei einer unangemeldeten Trainingskontrolle vor dem Klassiker Flèche Wallonne Ende April mit einem extrem hohen Testosteron-Wert aufgefallen. Die A-Probe hatte einen enormen Wert von rund 85:1 ergeben - der zulässige Grenzwert liegt bei 4:1. "Die Werte der B-Probe kenne ich aber noch nicht", sagte Schläfli.

Der Profi hatte im vergangenen Jahr in Valkenburg in den Niederlanden für T-Mobile seine erste Tour-Etappe gewonnen und sollte in diesem Jahr bei Astana als Edelhelfer für Andreas Klöden und Alexander Winokurow fungieren. Der Franke war vor Beginn dieser Saison mit Klöden von T-Mobile zu Astana gewechselt. Bei der letztjährigen Tour hatte er noch im Magenta-Trikot die Etappe im niederländischen Valkenburg gewonnen und damit seinen größten Erfolg gefeiert.

Dopingkontroll-Skandal weitet sich aus

Der Skandal um die fahrlässigen Dopingkontrollen bei der Tour de France nimmt unterdessen immer größere Ausmaße an. Der Radsport-Weltverband UCI erteilte seinen vor Ort weilenden Doping-Inspekteuren ein Redeverbot.

"Wir sind angewiesen, uns nicht zu dem Thema zu äußern", sagte der niederländische UCI-Inspekteur Jan van Gestel nach Ende der fünften Etappe in Autun.

Die Regeln der Antidoping-Weltagentur Wada sollen ab morgen auch bei der Tour de France eingehalten werden. Das hat der Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI, Pat McQuaid, gegenüber der ARD-Dopingredaktion erklärt. Danach soll das Chaperon(Begleiter)-System auf der 7. Etappe erstmals praktiziert werden.

Es schreibt vor, dass zum Dopingtest bestimmte oder ausgeloste Fahrer ab Zieldurchfahrt nicht mehr ohne Aufsicht bleiben dürfen, um Manipulationen wie Urinaustausch zu verhindern. McQuaid begründete das bisherige Nichteinhalten der Bestimmung mit "logistischen Problemen" beim Tour-Veranstalter ASO, führte dies aber nicht näher aus.

Das ZDF versuchte vergeblich, Tour-Direktor Christian Prudhomme auf die Missstände anzusprechen. Der Sender hatte dokumentiert, dass sich die täglich sechs zum Dopingtest ausgelosten Radprofis nach Zieldurchfahrt über längere Zeit unbeaufsichtigt bewegen können, ehe sie zur Urinprobe erscheinen. Damit sind Manipulationen möglich.

fpf/sid/dpa



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