Testosteron-Doping Polizei führt Moreni ab - Cofidis steigt aus

Der nächste Doping-Fall: Cristian Moreni ist positiv auf Testosteron getestet worden. Die Polizei führte den Italiener gleich nach der Etappe ab, fuhr mit ihm zum Hotel - sein Team Cofidis steigt ab sofort aus der Tour de France aus.


Hamburg - Nach Ende der heutigen 16. Etappe wurde bekannt, dass der Cofidis-Fahrer bereits nach der 11. Etappe am 19. Juli zwischen Marseille und Montpellier positiv auf Testosteron getestet worden war. Moreni verzichtete inzwischen auf die Öffnung der B-Probe. "Er hat sein Fehlverhalten eingestanden", sagte Cofidis-Teammanager Eric Boyer. Gleich nach der Zielankunft wurde der 34-Jährige von französischen Polizisten abgeführt. Das Cofidis-Team zog danach die Konsequenzen und stieg mit sofortiger Wirkung aus der Tour aus.

Außerdem durchsuchten die Beamten das Cofidis-Teamhotel in Lescar. Im Vergleich zu Deutschland gibt es in Frankreich ein Anti-Doping-Gesetz, das es Behörden erlaubt, strafrechtlich gegen Doping-Sünder vorzugehen.

Zuvor hatte Moreni das heutige Teilstück zwischen Orthez und der Bergankunft am Col d'Aubisque mit 21:06 Minuten Rückstand auf den (inzwischen von seinem Team gefeurten) Tagessieger Michael Rasmussen beendet. Im Gesamtklassement belegt er nach der 16. Etappe den 54. Rang. Aller Voraussicht nach wird Moreni, der seit 1998 Profi ist und seit einem Jahr für Cofidis fährt, von seinem Team suspendiert.

"Cristian hat sich für das Übel entschuldigt, was er uns angetan hat", sagte Manager Boyer, zu "L'Equipe TV". "Außerdem hat er sich bei seiner Familie, seinen Mitfahrern und der Organisatoren der Tour de France entschuldigt. Ich betrachte das Ganze als einen Einzelfall. Ich betone aber, dass ich für den gesamten Fall die Verantwortung übernehme und bedauere es, nicht anwesend gewesen zu sein, als er der Versuchung erlag."

Der französische Rennstall gehört neben T-Mobile und Gerolsteiner ausgerechnet zu den acht Teams, die vor der 94. Frankreich-Rundfahrt eine Interessengemeinschaft gegründet hatten, um sich ernsthafter mit dem Thema Doping auseinandersetzen als die 13 anderen Tour-Mannschaften. Auch diese "Gruppe der Acht" kommt durch den Fall nun wieder unter Druck - wie zuletzt beim Fall Patrik Sinkewitz vom Team T-Mobile.

Die Polizei startete am Abend eine Durchsuchung im Teamhotel von Cofidis; Moreni wurde dorthin eskortiert. Für ihn ist es die dritte Teilnahme bei der Tour de France. 2002 war er als 66. in Paris angekommen, vergangenes Jahr hatte er die Tour nicht beendet. Seinen größten Erfolg als Radprofi feierte er 2003, als er italienischer Straßenmeister wurde und bei der Venetien-Rundfahrt triumphierte. 1999 konnte er eine Etappe bei der Spanien-Rundfahrt gewinnen, ein Jahr später feierte er einen Etappensieg beim Giro d'Italia und fuhr daraufhin drei Tage im Rosa Trikot des Gesamtführenden.

Nach der 11. Tour-Etappe, die am vergangenen Donnerstag stattfand, wurde ein Urintest durchgeführt - dabei wurde der erhöhte Testosteronwert festgestellt. Auch beim Sinkewitz war ein erhöhter Wert des Hormons Testosteron festgestellt worden, allerdings bei einer Trainingskontrolle vier Wochen vor Tourbeginn. Testosteron dient dazu, kurzfristig die Leistungsfähigkeit zu steigern und die Schmerzgrenzen hinauszuschieben.

Morenis Dopingprobe war im Labor von Châtenay-Malabry untersucht worden. Neben dem Italiener waren nach der 11. Etappe der Däne Rasmussen, der Luxemburger Kim Kirchen, Erik Zabel, Tagessieger Robert Hunter aus Südafrika, Patxi Vila Errandonea aus Spanien, Lilian Jegou aus Frankreich und der Kasache Maxim Iglinskiy zur Probe gebeten worden.

Kurz vor dem positiven Test Morenis hatte "L'Equipe" gemeldet, Alexander Winokurow sei zweimal des Fremdblut-Dopings überführt worden. Der Kapitän des inzwischen abgereisten Astana-Teams habe beim Gewinn des Zeitfahrens am Samstag und bei seinem Etappensieg am Montag manipuliert. Dabei hatte der 33-Jährige in der französischen Zeitung in einem Interview seine Unschuld beteuert und von "Verschwörung" gesprochen.

Schon gestern war Winokurow eine positive Dopingprobe vom Zeitfahren der laufenden Tour de France am 21. Juli nachgewiesen worden. Die Astana-Mannschaft erklärte daraufhin mit sofortiger Wirkung den Rückzug von der 94. Frankreichrundfahrt. Winokurow reiste ab, bevor die Polizei das Teamhotel filzte. Wo sich der Kasache jetzt aufhält, ist nicht bekannt. Durch den Ausstieg des Teams ist die Tour auch für den Deutschen Andreas Klöden beendet.

Erneute Kontrollen wurden auch heute vor der letzten Pyrenäen-Etappe durchgeführt. Bei keinem der 14 getesteten Fahrer wurde ein erhöhter Hämatokritwert festgestellt.

Insgesamt wurden seit dem Tour-Start am 7. Juli in London 225 Proben entnommen. Auch beim Ruhetag gestern waren die Kontrolleure des Radsport-Weltverbandes UCI bei 40 Fahrern vorstellig geworden, darunter auch bei Rasmussen und dem im Gesamtklassement zweitplatzierten Spanier Alberto Contador.

goe/pav/sid

insgesamt 615 Beiträge
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Seite 1
DJ Doena 24.07.2007
1.
Und Rasmussen kommt wegen Verfahrensfehlern "frei". Aber war das nicht von vornherein klar?
Kummibaer, 24.07.2007
2.
Was soll man dazu noch sagen? Für wie dumm will man die Radbegeisterten noch verkaufen? Es sollte endlich reiner Tisch gemacht werden, denn so gut wie jeder Radprofi wird auch Dreck am Stecken haben. Aus Protest interessiere ich mich auch gar nicht mehr für die Tour, sondern warte nur wieder auf "neue Enthüllungen".
maxxboersi, 24.07.2007
3.
JA JA JA scheinbar ist der reiz des geldes doch so stark, daß die sanktionen nicht ausreichen. es gibt wohl noch genug dumme radprofis, die ihre gesundheit für geld ruinieren. schade.
TommIT, 24.07.2007
4.
Zitat von DJ DoenaUnd Rasmussen kommt wegen Verfahrensfehlern "frei". Aber war das nicht von vornherein klar?
UIrgendwer muss ja gewinnen Für mich ist damit die Tour für die nächsten drei Jahre - mediale Dunkelheit Sch....laden
dbraaker 24.07.2007
5.
Wieso geworden? Wann gab es denn den letzten Sieger, den man guten Gewissens als unbelastet bezeichnen könnte? Doping ist doch nichts neues im Radsport! Genausowenig ist es etwas neues, dass die Veranstalter bei der Doping-Bekämpfung nicht über Lippenbekenntnisse hinauskommen, das Fremdblutdoping von Wino war eine reine Verzweiflungstat (genau wie Landis im letzten Jahr), man kann sich nur an den Kopf packen wie dumm das war, denn seit 2004 ist Fremdblut-Doping bekanntermaßen nachweisbar. Das systematische Doping wird doch garnicht erfasst, Leute wie Rasmussen und der Rest der Top Fahrer werden fast jeden Tag getestet und nichts ist auffällig, abgesehen von der präsentierten Leistung natürlich..
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