Golf-Star Woods "Das ist wieder der alte Tiger"

Schlechte Nachricht für die Konkurrenz: Tiger Woods ist zurück. Der ehemalige Golf-Superstar zeigt sich vor dem ersten Majorturnier des Jahres in Top-Form, seine Gegner erklären ihn zum Favoriten des US Masters in Augusta. Sein größter Rivale allerdings hat auf dem Platz noch eine Rechnung offen.

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Hamburg - "Das ist wieder der alte Tiger", sagt Colin Montgomery, die schottische Golflegende. Der US-Superstar habe seine Krisen überwunden, sportlich wie privat. Tiger Woods nähert sich seiner Bestform, da ist sich die Konkurrenz einig. Beim am Donnerstag beginnenden US Masters in Augusta (ab 14.45 Uhr im Liveticker bei SPIEGEL ONLINE) gilt er bereits als Top-Favorit.

Bis zum November 2009 war Woods das Golf-Aushängeschild. Dann folgte die als "Tigergate" bekannt gewordene Sexaffäre, privat und sportlich ging es bergab, Woods begab sich in Therapie wegen angeblicher Sexsucht und verlor einige Sponsorenverträge. Der 36-Jährige ordnete in den vergangenen rund zweieinhalb Jahren sein Leben neu. In dieser Zeit rutschte Woods aus den Top 50 der Weltrangliste, an deren Spitze er insgesamt 623 Wochen gestanden hatte. Mittlerweile ist er auf Platz sieben. Der Weg dorthin war mühselig.

Statt souverän zu siegen musste der Superstar oft darum kämpfen, überhaupt den Cut zu schaffen. "Er ist nicht mehr der Golfer, der er einmal war - und er wird nie wieder der Alte sein", schreibt Woods' ehemaliger Coach Hank Haney in seinem gerade erschienenen Buch "The Big Miss" über Woods' Comeback, das er ebenfalls in Augusta im April 2010 gestartet hatte. Sein Körper streikte in dieser Zeit oft, es wurde über das Karriereende spekuliert, noch vor vier Wochen musste Woods bei der WGC Championship in Florida wegen Beinproblemen aufgegeben.

"Wenn er seine Bestform abruft, ist keiner besser"

Rechtzeitig zum ersten Majorturnier des Jahres scheint der 36-Jährige wieder so gut in Form, dass er den Titel gewinnen kann. "Ich bin sehr glücklich mit meinem Spiel und kann es kaum erwarten, auf den Platz zu gehen", sagte Woods während des Trainings in Augusta im US-Bundesstaat Georgia.

Allerdings kennt man von ihm auch kaum andere Aussagen, selbst mitten in der Krise gab sich Woods stets floskelhaft optimistisch. Aussagekräftiger sind da schon die Einschätzungen seiner Konkurrenten. Und nicht nur Montgomery sieht in ihm einen Favoriten.

"Er ist der Mann, den es beim Masters zu schlagen gilt. Selbst als er schlecht spielte, hatte er in Augusta eine Siegchance. Um die Wahrheit zu sagen: Wenn er weiter so spielt, wird er Golf wieder dominieren", so der Engländer Justin Rose. Und die 76-Jährige Golf-Legende Gary Player sagt: "Es ist hart, gegen Tiger zu spielen. Wenn er seine Bestform abruft, ist keiner besser."

Vor zwei Wochen kam Woods seiner Bestform schon einmal sehr nahe, in Orlando feierte er erstmals seit 30 Monaten wieder einen Sieg auf der US-Tour. "Ich hatte den Ball unter Kontrolle und gut geputtet", sagte Woods. Auch in den vergangenen zwei Jahren hatte er immer mal wieder Weltklasse-Golf gezeigt. Doch die Konstanz - früher seine große Stärke - war weg. "Es war ein langer Prozess. Zuerst habe ich mal zwei gute Runden zusammengebracht, dann mal drei. Jetzt sind es wieder vier. Das fühlt sich gut an", so Woods.

Sollten ihm auch über die Ostertage vier Runden auf höchstem Niveau gelingen, könnte Sieg Nummer fünf in Augusta folgen, es wäre sein 15. Major-Erfolg insgesamt. Damit würden ihm nur noch drei zur Rekordler Jack Nicklaus fehlen. Er selbst sagt: "Ich will das grüne Jackett (die Siegertrophäe des Turniers - d. Red.) gewinnen."

McIlroy will seinen Einbruch aus dem Vorjahr vergessen machen

Helfen dürfte ihm dabei seine Erfahrung. Bereits zum 18. Mal schlägt er in Augusta ab. "Ich weiß, wie ich diesen Platz zu spielen habe. Und genau das sowie das Wissen um die Geschichte dieses Turniers machen es so speziell", sagt Woods. Unter seinem neuen Schwungtrainer John Foley ist sein Vertrauen in die eigenen Abschläge gewachsen. "Es fühlt sich so an, als hätten meine Drives mehr Feuer", so Woods. Doch die Bälle lang zu schlagen ist auf dem schwierigen Kurs in Augusta bei weitem nicht alles: "Sie kommen auch sehr gerade."

Es klingt fast wie ein Seitenhieb in Richtung seines wohl größten Konkurrenten. Im vergangenen Jahr führte Rory McIlroy nach drei Tagen und sah bereits wie der sichere Sieger aus. Doch dann feuerte der heute 22-Jährige einen Abschlag am zehnten Loch in die Bäume, es war der Anfang vom Ende seines Masters-Traums.

Der junge Nordire steckte die bittere Niederlage gut weg, gewann zwei Monate später die U.S. Open und stand zwischenzeitlich an der Spitze der Weltrangliste. McIlroy spielt in diesem Jahr konstant gut. "So etwas wie in der letztjährigen Finalrunde wird ihm nicht noch mal passieren", sagt Martin Kaymer.

Der Deutsche müsste als Sechster der Rangliste eigentlich auch zu den Favoriten zählen. Doch in der Vergangenheit scheiterte Kaymer stets an dem sehr anspruchsvollen Par-72-Kurs - und am Cut. Viermal in Folge war das Turnier für den 27-Jährigen bisher bereits nach zwei von vier Wettkampftagen beendet. "Zum Glück reißt im Sport jede Serie irgendwann", so Kaymer. Sein Ziel sei "zumindest eine gute Golfrunde beim Masters". Damit wird sich Tiger Woods nicht zufrieden geben.



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chico 76 05.04.2012
1. Eine
Schwalbe macht noch keinen Sommer. Langer antwortete mal auf die Frage :"Warum können sie mit den jüngeren nicht mehr mithalten, trotz ihrer grösseren Erfahrung "? "Weil ich nicht mehr 6h täglich hart trainieren kann". Trotzdem scheint Tiger die offizielle Trennung "neuen Schwung" zu verleihen. Einlochen war schon immer seine Stärke:))
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