Olympia-Test in Tokio Triathletinnen laufen Hand in Hand ins Ziel - und werden disqualifiziert

Zu früh gefreut: Die britischen Triathletinnen Georgia Taylor-Brown und Jessica Learmonth waren die Schnellsten bei einem Lauf in Tokio. Ihr eigenwilliger Zieleinlauf war jedoch regelwidrig.

Georgia Taylor-Brown (links) und Jessica Learmonth beim Überqueren der Ziellinie in Tokio
Kenjiro Matsuo/ imago images /Aflosport

Georgia Taylor-Brown (links) und Jessica Learmonth beim Überqueren der Ziellinie in Tokio


Weil sie händchenhaltend das Zielband durchtrennten, wurden die Triathletinnen Georgia Taylor-Brown und Jessica Learmonth disqualifiziert. Die Britinnen liefen zwar die beiden schnellsten Zeiten bei einem vorolympischen Test in Tokio, handelten mit ihrer Aktion aber regelwidrig.

Taylor-Brown und Learmonth verstießen gegen Regel 2.11.f. des internationalen Triathlon-Dachverbands (ITU): Athletinnen, die keine Bemühungen unternähmen, ihre Zielzeiten voneinander abzugrenzen, werden disqualifiziert. Ein künstlich herbeigeführtes Unentschieden sei demnach untersagt, schrieb der Verband auf seiner Webseite.

Nutznießerin war die Drittschnellste, Flora Duffy aus Bermuda, die nachrückte und zur Siegerin des Triathlons erklärt wurde. Sportdirektor Mike Cavendish bezeichnete die Disqualifikation auf der Webseite des britischen Triathlon-Verbandes als "enttäuschend", war mit den Resultaten seiner Athletinnen dennoch zufrieden.

Der Wettkampf über die olympische Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, zehn Kilometer Laufen) fand unter schwierigen klimatischen Bedingungen statt. Wegen hoher Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit wurde die Distanz des Laufens auf fünf Kilometer reduziert. Die Olympischen Spiele in Tokio finden vom 24. Juli bis 9. August 2020 statt.

ngo/dpa/sid/Reuters



insgesamt 16 Beiträge
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browserhead 15.08.2019
1. Ja, wo soll das denn noch hinführen?
Zwei Athletinnen, denen womöglich der Teamgeist durchgegangen ist, die sich einfach einem gemeinsamen Glücksgefühl hingegeben haben, die nicht nur "IchIchIch" gedacht haben und nicht nur Leistungsmaschinen sein wollten? Das ist wirklich schlimmer als jedes Doping oder Korruption. Spaß am Sport, das ist die schlimmste Todsünde in den Augen des Funktionärs
elisenstein 15.08.2019
2. Sport
ist Wettkampf. Händchenhalten kann man hinterher.
kai-ser210 15.08.2019
3. Regelbuch lesen
Wie man sieht, ist es sinnvoll, das Regelbuch derjenigen Sportart zu lesen und auch zu verinnerlichen, die man professionell betreiben möchte. Des Weiteren hat so eine Regel auch durchaus ihre Berechtigung. Es soll ja schließlich ein Wettkampf sein und kein Kindergeburtstag. Wenn es diese spezielle Regel nicht gebe, würde es ja auch theoretisch vorkommen können, dass Athleten aus Solidarität (mit wem und was auch immer) ständig bei Wettkämpfen alle zeitgleich durch Ziel laufen. Will ja dann auch niemand sehen.
im_ernst_56 15.08.2019
4. Kleiner Hinweis:
Zitat von browserheadZwei Athletinnen, denen womöglich der Teamgeist durchgegangen ist, die sich einfach einem gemeinsamen Glücksgefühl hingegeben haben, die nicht nur "IchIchIch" gedacht haben und nicht nur Leistungsmaschinen sein wollten? Das ist wirklich schlimmer als jedes Doping oder Korruption. Spaß am Sport, das ist die schlimmste Todsünde in den Augen des Funktionärs
Es ging hier nicht um Breitensport, wo man sich gemeinsamen Glücksgefühlen hingeben darf, sondern um einen offiziellen individuellen Wettkampf (nicht um einen Teamwettkampf). Und da gelten nun mal Regeln. Der Sinn und Zweck eines Wettkampfs besteht nun mal darin, den/die Sieger(in), den/die Schnellste(n), Weiteste(n), Höchste(n) etc. zu ermitteln. Regeln sind einzuhalten und wem der Gedanke des sportlichen Wettkampfs zuwider ist, kann gerne was anderes machen.
Stäffelesrutscher 15.08.2019
5.
Zitat von kai-ser210Wie man sieht, ist es sinnvoll, das Regelbuch derjenigen Sportart zu lesen und auch zu verinnerlichen, die man professionell betreiben möchte. Des Weiteren hat so eine Regel auch durchaus ihre Berechtigung. Es soll ja schließlich ein Wettkampf sein und kein Kindergeburtstag. Wenn es diese spezielle Regel nicht gebe, würde es ja auch theoretisch vorkommen können, dass Athleten aus Solidarität (mit wem und was auch immer) ständig bei Wettkämpfen alle zeitgleich durch Ziel laufen. Will ja dann auch niemand sehen.
Steht in dem Regelbuch, dass zwei Sportler(innen) bei Körperberührung im Moment des Zieleinlaufs automatisch zeitgleich gewertet werden? Was ist, wenn die Führende kurz vor dem Ziel 100 Meter Vorsprung hat und austrudeln lässt, aber immer noch 0,5 Meter vor der Zweiten ins Ziel kommt? Fällt das auch unter »keine Bemühungen unternommen«? Wie war das neulich beim Marathon, als jemand zusammenklappte und ein anderer Sportler (der Bruder?) ihn stützte und sie die letzten paar Dutzend Meter gemeinsam zurücklegte? Sport ist kein Kindergeburtstag, richtig. Aber auch kein Gladiatorenkampf oder »Rollerball«.
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