Ex-Kerber-Coach Torben Beltz "Davon zehre ich noch heute"

Torben Beltz führte Angelique Kerber an die Spitze der Tenniswelt - vor anderthalb Jahren trennten sich die Wege. Mit der Kroatin Donna Vekic schreibt der Deutsche nun an einer neuen Erfolgsgeschichte.

Torben Beltz mit Angelique Kerber im September 2016
Jürgen Hasenkopf / imago

Torben Beltz mit Angelique Kerber im September 2016

Aus Paris berichtet


Am Abend des vierten Turniertags der French Open spielen sich auf einem Nebenplatz von Roland Garros rührende Szenen ab. Die Kroatin Donna Vekic hat gerade ihren ersten Matchball verwandelt zum 1:6, 6:1, 6:2-Zweitrundensieg gegen die Schwedin Rebecca Peterson. Ein Freudenschrei auf dem Platz, Jubel auf den Rängen, Vekics Verwandtschaft fällt sich erleichtert in die Arme. Und mittendrin: ihr deutscher Trainer Torben Beltz.

Fast konnte man den Eindruck gewinnen, Beltz sei soeben in die Familie aufgenommen worden, so fest wurde er von Papa Vekic geherzt. Es war ja auch eine nervenaufreibende Partie. Und ein schöner Teilerfolg in der Arbeit mit Vekic, die Beltz seit anderthalb Jahren betreut. "Äußerlich musste ich cool bleiben, Ruhe ausstrahlen", sagt Beltz im Anschluss. Dann reckt er seinen Zwei-Meter-Körper, er sieht ein wenig müde aus. "Innerlich bin ich gerade wieder um fünf Jahre gealtert."

Emotionale Momente erlebte Beltz, 43, zuvor über viele Jahre mit der besten deutschen Spielerin, Angelique Kerber. Er kennt die gebürtige Bremerin, die in Kiel aufwuchs, seit ihrer Jugend - und führte sie zu ihren ersten beiden Grand-Slam-Titeln und an die Spitze der Weltrangliste. Nach ihrem Sieg bei den Australian Open 2016 sprangen sie gemeinsam in den Yarra River, die Bilder gingen um die Welt. "Wir haben viel zusammen durchgemacht, viele Erfolge zusammen gefeiert, das war sehr prägend", sagt Beltz.

Donna Vekic während ihrer Partie gegen Rebecca Peterson
Clive Mason / Getty Images

Donna Vekic während ihrer Partie gegen Rebecca Peterson

Und verhehlt dabei auch nicht, dass es durchaus schwierige Phasen gab. Eine zwischenzeitliche Pause, ein bisschen On-Off-Beziehung. 2016 das Traumjahr, als Kerber in Australien und New York triumphierte. 2017 dann der Absturz von Rang eins auf 21 und die endgültige Trennung.

Kerber verpflichtete den Belgier Wim Fissette, siegte in Wimbledon - umso überraschter war die Tenniswelt, als die Zusammenarbeit im Herbst beendete wurde. Offiziell aufgrund sportlicher Differenzen, aber auch finanziell sei man nicht zusammengekommen, setzte Fissette später nach. Inzwischen wird Kerber von Ex-Profi Rainer Schüttler trainiert, nach einer Serie von Verletzungen steckt sie in der Krise. Mal wieder. In Paris verlor sie bereits in der ersten Runde, glatt in zwei Sätzen.

Kerber gilt als kompliziert, wenigstens als eigen. Und Beltz galt immer als Kerber-Versteher. Der weiß, was man einer sensiblen Spitzensportlerseele zumuten kann. Und der uneitel genug war, auch mal zurückzustecken. "Jede Spielerin braucht etwas anderes von ihrem Trainer", sagt Beltz. "Es gibt Spielerinnen, die möchten mehr Betreuung, mit der geht man dann jeden Abend essen oder ins Kino. Und es gibt Spielerinnen, die wollen ihren Trainer nur auf dem Tennisplatz sehen und sonst nicht viel miteinander zu tun haben. Mit Donna ist es eine gute Mischung."

Trainer als Kummerkasten

Die Kunst als Coach sei es auch, die richtigen Ansagen im richtigen Moment zu machen - "das ist nicht anders als in einer richtigen Beziehung", sagt Beltz und bellt sein lautes Lachen. Man verbringt im Touralltag eben eine Menge Zeit zusammen, Spieler-Trainer-Paare sind keine Seltenheit. Schwierig, findet Beltz, das sollte man besser trennen. Aber natürlich spricht man auch über Privates. Vekic hat sich gerade von ihrem Freund Stan Wawrinka, French-Open-Sieger 2015, getrennt. Da müsse man als Trainer auch mal Kummerkasten spielen.

Angelique Kerber nach ihrem Triumph bei den Australian Open 2016
Getty Images

Angelique Kerber nach ihrem Triumph bei den Australian Open 2016

Auch für Kerber hatte Beltz immer ein offenes Ohr. Sein Anteil an ihrem Erfolg ist unbestritten. Und doch wurde Beltz nie die Aufmerksamkeit zuteil wie etwa dem Trainer von Serena Williams, Patrick Mouratoglou. Dem Franzosen wird als Tennisguru gehuldigt. Beim Gang über die Anlage sieht man ihn Autogramme schreiben und Fan-Selfies machen.

Nicht, dass Beltz das stören würde. Die turnierfreie Zeit verbringt der zweifache Vater in seiner Heimat Itzehoe, einer mit beschaulich noch wohlwollend beschriebenen Kreisstadt in Schleswig-Holstein. An Vekics spielfreiem Tag kommt er zum Interview in Trainingsklamotten auf die Anlage, am Nachmittag geht er "eine Runde Golf spielen". Er ist auf die sympathischste Weise hemdsärmelig - doch wenn er über Tennis spricht, funkelt es in seinen tiefen Augenhöhlen.

Nach der Trennung von Kerber musste Beltz nicht lange auf neue Angebote warten. "Ich wollte eine junge Spielerin trainieren, talentiert, aufstrebend, die gut arbeitet auf dem Platz. Die etwas lernen und sich weiterentwickeln möchte." Bei Vekic habe er sofort ein gutes Gefühl gehabt - "und das hat sich nun ja auch bewahrheitet".

"Irgendwann wird der große Shot kommen"

Die Kroatin klettert seither in der Weltrangliste stetig nach oben, von Rang 55 auf jetzt 23. Der Durchbruch in die Top-20 steht kurz bevor. "Das Potenzial dazu hat Donna auf jeden Fall." Die Erfolge mit Kerber haben Beltz' Karriere als Coach befeuert, "davon zehre ich noch heute", sagt er. Aber man merkt ihm auch an, dass es ihm wichtig war, eine neue Erfolgsgeschichte zu schreiben. "Irgendwann wird der große Shot kommen", so Beltz.

Und wie ist heute das Verhältnis zu Kerber? Beim ersten Turnier nach der Trennung vor anderthalb Jahren traf sein neuer Schützling ausgerechnet auf die "Ex". "Das war natürlich ein komisches Gefühl", erinnert sich Beltz, "gegen die Spielerin anzutreten, mit der man so lange gearbeitet hat." Kerber gewann das Duell mit Vekic glatt in zwei Sätzen. Groll habe Beltz nie verspürt. "Wir reden freundschaftlich miteinander, tauschen uns ein bisschen aus", sagt er. "Ich freue mich immer, Angie zu treffen."



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Sibylle1969 30.05.2019
1.
Dass Beltz Angie Kerber zu ihrem ersten Grand-Slam-Titel gecoacht hat, dürfte seinen Marktwert deutlich gesteigert habe. Ich hatte mir schon gedacht, dass er nach der Trennung von Angie Kerber nicht lange auf neue Angebote warten musste.
jean-baptiste-perrier 30.05.2019
2. Leichte Fehler!
Kerber ist keine gebürtige Kielerin! Sie wurde in Bremen geboren. Kerber ist jedoch in Kiel aufgewachsen. Man liest und hört (insbesondere in Livetickern) häufig die falsche Behauptung sie wäre Bremerin. Nee, sie ist Kielerin, weil sie dort die prägenden Jahre der Kindheit und Jugend verbracht hat, die in Bremen geboren wurde. Naja, auf Sky haben die "Experten" ja immer noch nicht kapiert wie ihr Vorname ausgesprochen wird. Bei neuen Mitarbeitern auf Eurosport hört man das teilweise auch immer wieder bis man ihnen das ausgetrieben hat. Das ist aber schon eine seltsame Ignoranz bei vielen Journalisten, die zwanghaft beweisen wollen, dass sie mal Französich in der Schule hatten. Wieviele GS-Titel muss Kerber noch gewinnen bevor diese Ignoranz aufhört?
jean-baptiste-perrier 31.05.2019
3. Keine Verwirrung stiften!
Angela Merkel ist in Hamburg geboren. Macht es Sinn sie deshalb als Hamburgerin zu bezeichnen? Kerber ist also jetzt (gebürtige) Bremerin, weil sie die ersten acht (8!) Monate ihres Lebens in Bremen verbrachte. Dann ist John McEnroe Wiesbadener (knapp ein Jahr alt beim Wegzug) und Ulrich Wickert ist Tokioter (dreijährig beim Wegzug). Also eigentlich ist John McEnroe der erste (gebürtige) deutsche Wimbledon-Sieger (sorry, Boris). Und Ulrich Wickert - geboren in Tokio und drei Jahre dort lebend - ist (gebürtiger) Japaner. Hossa!
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