Toter Bundestrainer Schmezer "Ein schrecklicher Schlag"

"Er war der Fels in der Brandung": Reiter und Offizielle haben ihre Trauer über den Tod des deutschen Dressur-Bundestrainers Holger Schmezer ausgedrückt. Als Todesursache wird mittlerweile ein Herzinfarkt vermutet, ein Verbrechen hat die Polizei ausgeschlossen.

Verstorbener Bundestrainer Schmezer: "Ich bin geschockt"
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Verstorbener Bundestrainer Schmezer: "Ich bin geschockt"


Hamburg - Der plötzliche Tod des Dressur-Bundestrainers Holger Schmezer hat die Reit-Welt schockiert: "Der Verlust ist ein schrecklicher Schlag. Solch einen begeisternden Coach im Olympia-Jahr zu verlieren, ist tragisch", sagte Prinzessin Haya, Präsidentin der Internationalen Reiterlichen Vereinigung Fei.

Schmezer war am Donnerstagabend tot in seinem Hotelzimmer in 's-Hertogenbosch aufgefunden worden. In der niederländischen Stadt findet derzeit das Weltcup-Finale statt. Schmezer hinterlässt seine Frau Martha und eine sechs Jahre alte Tochter.

Beim Abendessen am Donnerstag hatten die deutschen Reiter die Nachricht erhalten. Sie waren mit ihrem Coach verabredet. Als der 65-Jährige nicht auf Handyanrufe reagierte, wurde sein Zimmer vom Hotelpersonal geöffnet. Dort fand man den Coach leblos vor. "Ich bin geschockt", sagte Heike Kemmer, die unter Schmezer 2004 und 2008 Mannschafts-Olympiasiegerin geworden war: "Er war für mich immer der Fels in der Brandung."

Schmezer wollte nach Olympia zurücktreten

Die Todesursache ist bislang noch nicht geklärt, allerdings hat die Polizei ein Verbrechen ausgeschlossen: "Wir gehen von einem natürlichen Tod aus. Die Untersuchungen des Hotelzimmers haben keine Hinweise auf ein Verbrechen ergeben" sagte ein niederländischer Polizei-Pressesprecher. Ein Arzt solle nun die genaue Todesursache feststellen. Vermutet wird ein Herzinfarkt Schmezers.

Nach langer Diskussion hatten sich die deutschen Reiter entschlossen, an dem Weltcup-Finale teilzunehmen. "Er hätte es bestimmt so gewollt", sagte Isabell Werth, die unter Tränen ritt. Besser war auch den anderen deutschen Starterinnen, Helen Langehanenberg und Nadine Capellmann, nicht zumute. "Das ist alles so schlimm. Mir fehlen die Worte", sagte Capellmann.

Die Olympischen Spiele in London sollten der Schlusspunkt von Schmezers Karriere sein. Er wollte mehr Zeit für Frau und Tochter haben. In den vergangenen Monaten hatte er die deutsche Reiter-Equipe akribisch auf das Großereignis vorbereitet. Schmezer wollte die historische Goldserie verteidigen: Seit 1972 in München stand die Mannschaft bei Olympia mit Ausnahme der Boykott-Spiele 1980 in Moskau stets ganz oben auf dem Treppchen.

Zu Schmezers größten Erfolgen zählten die Goldmedaillen mit der Mannschaft bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen und 2008 in Hongkong. Bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 holte er zweimal Teamgold und zweimal Einzelgold. Auch drei Europameisterschaftstitel holte er.

bka/sid



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