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Stürze, Einbrüche und Husarenritte: Die Tour 2011 in Bildern

Foto: Laurent Cipriani/ AP

Tour-Bilanz 2011 Pechvögel, Zauderer und ein würdiger Sieger

Die 98. Tour de France ist vorbei, Cadel Evans triumphierte in Paris. Aber ist der Australier auch ein würdiger Sieger? Warum scheiterte Titelverteidiger Alberto Contador? Und wird weniger gedopt? Tom Mustroph beantwortet die wichtigsten Fragen zur Frankreich-Rundfahrt 2011.

Was wird von der Tour in Erinnerung bleiben?

Die Stürze in der ersten Tour-Woche, die zu einem Rückschlag für Titelverteidiger Alberto Contador und dem Ausscheiden der Podiumskandidaten Andreas Klöden, Bradley Wiggins, Janez Brajkovic, Jurgen Van Den Broeck und Alexander Winokurow führten. Unrühmlicher Höhepunkt dabei war das Konvoifahrzeug von France Télévision, das in eine Ausreißergruppe fuhr und die Profis Juan Antonio Flecha und Johnny Hoogerland umfuhr. Thomas Voeckler übernahm anschließend das Gelbe Trikot. In Erinnerung bleiben auch die heroische - und erfolgreiche - Attacke von Andy Schleck auf der Galibier-Etappe und der von weniger Erfolg gekrönte Verzweiflungsakt von Contador in Alpe d'Huez. Es war die ereignisreichste Tour de France seit langem.

Was war die Szene der Tour 2011?

Ein Moment am Fuße des Galibier. Der den gesamten Tag über schwache Contador attackiert plötzlich. Cadel Evans wehrt diesen Angriff lässig ab. Contador fällt zurück. Evans stockt, schaut fragend Ivan Basso, Thomas Voeckler und Fränk Schleck an. Keiner weiß, was zu tun ist. Vorn vergrößert Andy Schleck seinen Vorsprung. Als Evans begreift, dass weiteres Zaudern ihn den Tour-Sieg kosten könnte, spannt er sich vor die Gruppe und macht auf Andy Schleck noch mehr als eine Minute Zeit gut - ungefähr der Vorsprung, mit dem er schließlich die Tour gewinnen wird.

Ist Cadel Evans ein würdiger Sieger?

Er war arithmetisch der Schnellste, die drei Tour-Wochen über der Beständigste und er hat die wenigsten Fehler gemacht. Also ist er ein verdienter Sieger. Der Tour würdig ist er in dem Sinne, dass er sich bei der Sieger-Pressekonferenz am Samstag in Grenoble in die Reihe seiner Vorgänger einreihte. Keiner von diesen war in diesem Jahrtausend zu einem klaren Anti-Doping-Statement in der Lage.

Hätte Andy Schleck den Sieg mehr verdient gehabt als Evans?

Nein. Er hat ihn in den Pyrenäen verspielt, als er zögerte, sich am Plateau de Beille abzusetzen. Unklar bleibt, ob seine Kraft nicht ausreichte oder er zögerte, weil er nicht seinen in Schwierigkeiten steckenden Bruder Fränk aus dem Klassement fahren wollte. Er hat dieses Versäumnis beeindruckend am Galibier zu kompensieren versucht. Aber ein Kraftakt allein reicht in drei Wochen nicht.

Warum konnte Alberto Contador seinen Titel nicht verteidigen?

Sein Bruder Fran sagt: "Es war eine Summe von vielen Dingen. Der anstrengende Giro d'Italia steckte ihm zu sehr in den Knochen. Er verlor Zeit in der ersten Woche durch die Stürze. Sein Knie war so sehr geschädigt, dass er an einem Abend sogar ans Aufhören dachte. Die ständige Konzentration darauf, weitere Stürze zu vermeiden, hat ebenfalls belastet." Dem ist nur hinzuzufügen, dass auch Contadors Mannschaft Saxo Bank keinen sonderlich starken Eindruck machte.

Was passiert nun mit Contador?

"Jetzt geht es ab nach Haus zum Erholen", sagte sein Bruder. Rennen sind erst einmal nicht geplant. Ab 1. August läuft dann vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) das Verfahren gegen Contador wegen der positiven Clenbuterolprobe aus dem Sommer 2010. Wird er dort gesperrt, verliert er den Tour-Sieg 2010 sowie alle anderen Siege und Platzierungen danach. Dann werden auch die Karrierekarten neu gemischt. Wenn Contador freigesprochen wird, dann könnte man ihn bei der Vuelta wiedersehen.

Welcher Fahrer war der größte Pechvogel der Tour 2011?

Der Titel wird kollektiv vergeben an Jurgen Van Den Broeck, Andreas Klöden, Janez Brajkovic, Bradley Wiggins und Alexander Winokurow. Alle schieden nach Verletzungen durch Stürze aus.

Welcher Fahrer war die größte positive Überraschung der Tour 2011?

Die stärkste unerwartete sportliche Leistung bot neben Thomas Voeckler, der zehn Tage in Gelb fuhr, dessen Mannschaftskollege Pierre Rolland. Der junge Kletterer begleitete seinen Kapitän nicht nur bei fast allen Anstiegen. Er erhielt in Alpe d'Huez sogar die Carte blanche für den Etappensieg und die Eroberung des Weißen Trikots des besten Nachwuchsfahrers. Ein taktisches wie physisches Husarenstück.

Welcher Fahrer ist die größte Enttäuschung der Tour 2011?

Richie Porte. Der Australier galt vor der Frankreich-Rundfahrt als der wohl wichtigste Helfer für Contador. Man sah ihn in den Bergen aber kaum an dessen Seite. Lediglich beim Zeitfahren, das der Deutsche Tony Martin gewann, rechtfertigte der 26-Jährige als Fünfter die Erwartungen.

Bei der Tour 2011 gab es nur einen Dopingfall. Wird weniger gedopt?

Es gibt Hinweise darauf. Wir sehen keine Prätorianergarde mehr, die Tag für Tag bis in den letzten Gipfel hinein für ihren Kapitän das Feld zermürbt. Im Ziel wirken die Athleten erschöpfter als vor Jahren. Eine Zehn-Jahresstatistik des Weltverbands UCI zu einem auf Epo-Doping und Transfusionen hindeutenden Parameter belegt, dass nach Einführung des Blutpasses im Jahr 2008 nur noch drei bis vier Prozent der Blutproben verdächtig sind. Vorher waren es zwölf bis vierzehn Prozent. Zumindest das Ausmaß des Blutdopings ist also zurückgegangen.

Lesen Sie im zweiten Teil, ob Cadel Evans ein sauberer Sieger ist und ob sich die Meinung zur Tour in Deutschland ändern wird.

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