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Stürze, Einbrüche und Husarenritte: Die Tour 2011 in Bildern

Foto: Laurent Cipriani/ AP

Tour-Bilanz Lauter Saubermänner unter sich

Nach der Tour ist vor der Tour. Ob der Australier Cadel Evans wirklich ein sauberer Sieger war, welche Teams vor dem Aus stehen und wie es mit der Frankreich-Rundfahrt weitergeht: Tom Mustroph beantwortet die wichtigsten Fragen zur Zukunft des Radklassikers.

Ist Cadel Evans ein sauberer Sieger?

Bis zum Beweis des Gegenteils: Ja. Es liegt nichts gegen ihn vor, keine positive Probe, keine verweigerte oder ausgelassene Kontrolle. Als sein mittlerweile verstorbener Trainer Aldo Sassi noch lebte, wurden ab und an sogar Leistungskurven des Australiers veröffentlicht, was man als Bemühen um Transparenz werten kann.

Wäre Andy Schleck der unbelastetere Sieger gewesen?

Auf der öffentlich gewordenen Verdachtsliste des Radweltverbands UCI aus dem Vorjahr, in der die Fahrer von unbelastet (null Punkte) bis hoch verdächtig (zehn Punkte) klassifiziert wurden, hatte Schleck drei Verdachtspunkte und Evans vier. Auf den ersten Blick war Schleck im vergangenen Jahr also sauberer als der Toursieger. Mit Schlussfolgerungen muss man aber äußerst vorsichtig sein, weil die Kriterien für die Liste nicht klar sind - wie etwa der Einfluss von Erkrankungen auf die Blutwerte und Ausnahmegenehmigungen für einzelne Medikamente, die die Werte ebenfalls beeinflussen.

Hat die Tour eine Zukunft?

Ungeachtet der Dopingdiskussion generiert die Tour de France immer noch großes Interesse. Mit dem Image, eines der härtesten und traditionsreichsten Rennen der Welt zu sein, ist es zudem eine gigantische Werbeplattform. Mit der Mischung aus lokaler Verbundenheit, körperlicher Extremleistung, großer Internationalität und großer Werbereichweite hat die Tour trotz allem gute Chancen, ihre Faszination beizubehalten. Vor allem auch deswegen, weil in Frankreich die Dopingdebatte weit weniger heftig geführt wird als in Deutschland.

Wird sich in Deutschland die überwiegend negative Meinung zur Tour ändern?

Das muss man abwarten. In der öffentlichen Meinung ist die Haltung sicherlich eher negativ. Wer sich in Internetforen umsieht, wird jedoch feststellen, dass das Echo immer positiver wird, je näher die Foren am Radsport selbst angebunden sind. Der spannende Verlauf der Tour hat das sportliche Element zudem wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt. Weiterhin gilt: Einen Wandel der Wertigkeit der Tour wird es in Deutschland erst mit dem Auftauchen eines neuen Klassementfahrers geben. So lange der nicht kommt, herrscht Skepsis. Ist jedoch ein zweiter Jan Ullrich da, könnte patriotische Begeisterung viele Zweifel schnell wegfegen.

Ist die deutsche Haltung typisch für die Radsportwelt?

Nein. Mit ihrer Haltung stehen die Deutschen inzwischen ziemlich einsam da. In anderen Ländern wie etwa Dänemark, die in den vergangenen Jahren ebenfalls kritisch waren, hat der sportliche Erfolg die Skepsis an den Rand gedrängt. Mit Saxo Bank und Leopard-Trek gibt es inzwischen zwei Teams mit Dänemark-Anbindung. Länder mit längerer Radsporttradition räumen entweder auf - wie Frankreich nach der Festina-Affäre - und genießen dann wieder den Sport. Oder sie beharren in der schrägen Ambivalenz des Wissens um Doping und des gleichzeitigen Vergnügens an dem sportlichen Wettkampf wie etwa in Italien. Oder sie ignorieren den Doping-Aspekt komplett und erfreuen sich an den sportlichen Erfolgen - wie in Spanien.

Welchen Fahrern kann man 2012 den Tour-Sieg zutrauen?

Den gleichen wie in diesem Jahr, also Evans, Andy Schleck, Contador (wenn er vom Internationalen Sportgerichtshof Cas freigesprochen wird) und der gestürzte Jurgen Van Den Broeck. Hinzu kommt der dieses Jahr überraschend starke Thomas Voeckler. Und wer weiß, wozu der Gewinner der Nachwuchswertung, Pierre Rolland, bei weiteren Leistungssprüngen fähig ist.

Welche deutschen Fahrer sind zu beachten?

Im Gesamtklassement nur Tony Martin und Andreas Klöden. Darüber hinaus ist nichts in Sicht.

Welche Rennställe stehen vor dem Aus?

Die Lage ist wohl weniger dramatisch als in den vergangenen Jahren. Die Zukunft der italienischen, spanischen und französischen Teams scheint gesichert. In eine ungewisse Zukunft blicken HTC Highroad, Omega Pharma-Lotto, Quick Step und Vacansoleil. HTC-Eigner Bob Stapleton sucht noch nach einem Sponsor - und verliert mit Sprintkönig Mark Cavendish seinen Top-Fahrer. Falls dem Briten Supportfahrer und Betreuer folgen, macht HTC vielleicht mit kleinerem Budget und jüngeren, preiswerteren und hungrigen Fahrern weiter. Der belgische Rennstall Omega steht vor einem Auseinanderbrechen, weil die Sponsoren getrennte Wege suchen. Jetzt steht ein Zusammenschluss mit den ebenfalls in Schwierigkeiten steckenden Niederländern von Vacansoleil an.

Lesen Sie im ersten Teil,was die Szene der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt war, warum Alberto Contador seinen Titel nicht verteidigen konnte und welcher Fahrer am meisten überraschte.

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