Tour de France Armstrong lässt Ullrich alt aussehen

Selbst ein Sturz konnte ihn nicht lange stoppen. Bei der dritten Pyrenäen-Etappe, auf der der schwere Col du Tourmalet bezwungen werden musste, zeigte Lance Armstrong seine ganze Klasse. Der Texaner im Gelben Trikot zog am letzten Anstieg davon und konnte mit einem Sieg seinen Vorsprung auf Jan Ullrich ausbauen.


Lance Armstrong: "Meine Form wurde von Tag zu Tag besser"
AP

Lance Armstrong: "Meine Form wurde von Tag zu Tag besser"

Luz-Ardiden - Lance Armstrong hat auf der dritten Etappe in den Pyrenäen seinen ärgsten Verfolger Jan Ullrich in die Schranken verwiesen. Der Amerikaner siegte am Montag in einer dramatischen 15. Etappe von Bagneres-De-Bigorre nach Luz Ardiden über 159,5 Kilometer trotz eines Sturzes und baute seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf 1:07 Minuten vor Ullrich aus.

Telekom-Fahrer Alexander Winokurow konnte ebenfalls Armstrongs unglaubliches Tempo nicht mithalten und liegt nun 2:45 Minuten zurück. Beim letzten Anstieg überschlugen sich die Ereignisse. Armstrong ("Ein bisschen hatte ich wohl auch selbst Schuld") kam nach einer Berührung mit der Tasche eines Zuschauers zu Fall. Ullrich nutzte dieses Missgeschick des viermaligen Tour-Gewinners nicht zu einer Attacke - ein fairer Zug des Deutschen - gleich dem vor zwei Jahren, als Armstrong nach einem Sturz seines Kontrahenten auf Ullrich wartete.

Armstrong kämpfte sich wieder heran, trat plötzlich an und ließ in einer grandiosen Alleinfahrt auf den letzten Kilometern Ullrich keine Chance. Der US-Postal-Profi siegte in 4:29:26 Stunden. Ullrich musste den zweiten Platz noch an den Spanier Iban Mayo abgeben, was den Deutschen weitere vier Sekunden Zeitgutschrift kostete. Mayo erhielt eine Bonifikation von zwölf Sekunden, Ullrich musste sich mit acht begnügen.

Mit seinem Rückstand von insgesamt 1:07 Minuten auf Armstrong hat Ullrich seine Chance auf seinen zweiten Toursieg nach 1997 noch nicht eingebüßt. Nach einem Ruhetag folgt am Mittwoch die letzte Pyrenäen-Etappe und am Samstag einen Tag vor dem Finale in Paris das wohl entscheidende Einzelzeitfahren.

Dramatik am letzten Berg: Lance Armstrong (links am Boden) und Iban Mayo stürzen nach einer Kollision mit einem Zuschauer, Jan Ullrich kann gerade noch ausweichen
AP

Dramatik am letzten Berg: Lance Armstrong (links am Boden) und Iban Mayo stürzen nach einer Kollision mit einem Zuschauer, Jan Ullrich kann gerade noch ausweichen

Ullrich gab die Tour nach der Zielankunft noch nicht verloren. "Lance war heute der Stärkste. Ich habe gekämpft und alle Register gezogen. Aber es ist noch nichts entschieden", so der frühere Telekom-Fahrer.

Auch Armstrong, der nach seinem Sturz sogar noch einmal mit dem rechten Schuh aus der Pedale rutschte, behält Ullrich weiter auf der Rechnung. "Mein Job ist es, zu gewinnen. Meine Form wurde von Tag zu Tag besser. Aber Ullrich ist ein großer Gegner und nicht zu unterschätzen", sagte der überaus glückliche Sieger nach seinem imponierenden Triumph.

Auf den letzten zehn Kilometern konnte Bianchi-Kapitän Ullrich dem US-Amerikaner nicht mehr Paroli bieten. "Das war ein großer Kampf. Dass Jan gewartet hat, war seine Entscheidung. Aber die Tour ist noch nicht entschieden", sagte Ullrichs Bianchi-Chef Rudy Pevenage.

Jan Ullrich: "Es ist noch nichts entschieden"
DPA

Jan Ullrich: "Es ist noch nichts entschieden"

Auf dem letzten Anstieg der 15. Etappe zeigte Armstrong alte Stärke und ließ sämtliche Verfolger einfach stehen. Der US-Profi überholte auch mühelos den französischen Ausreißer Sylvain Chavanel und holte sich seinen insgesamt 16. Tour-Etappensieg, den ersten in diesem Jahr. Von angeblicher Schwäche des Titelverteidigers war nichts zu spüren.

Nach dem dramatischen Finale führt Armstrong nun mit 1:07 Minuten Vorsprung das Gesamtklassement vor Ullrich an. Dritter blieb Telekom-Profi Alexander Winokurow, der nun 2:45 Minuten Rückstand auf Armstrong hat. "Ich hatte heute nicht die besten Beine. Das war ein schwerer Tag", sagte der Kasache.

Im Kampf um das Trikot des besten Kletterers ist dem Franzosen Richard Virenque schon vor den letzten fünf Etappen rein rechnerisch der Titel des "Bergkönigs" nicht mehr zu nehmen. Der Quick-Step-Fahrer muss allerdings in Paris ankommen, um sich zum sechsten Mal die Bergwertung sichern zu können. Bei einem weiteren Triumph würde der 32-jährige Virenque mit den Rekordgewinnern Federico Bahamontes (Spanien) und Lucien van Impe (Belgien) gleichziehen.



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