Tour de France Armstrongs Triumphfahrt durch die Pyrenäen

Einen Tag nach dem Debakel am Tourmalet hat Jan Ullrich eine weitere Niederlage erlitten. Auch bei der 13. Etappe fuhr ihm Lance Armstrong am letzten Berg auf und davon. Am Thron des Texaners rüttelt dieses Jahr keiner der Herausforderer, auch wenn Ivan Basso erneut eine starke Leistung bot.


Lance Armstrong: Triumph beim Pyrenäen-Finale
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Lance Armstrong: Triumph beim Pyrenäen-Finale

Plateau de Beille - In souveräner Manier hat Armstrong das Pyrenäen-Finale der 91. Tour de France für sich entscheiden können. Der US-Radstar setzte sich auf der 13. Etappe nach 205,5 Kilometer und sieben Bergwertungen zwischen Lannemezan und Plateau de Veille bei der Bergankunft vor dem Italiener Ivan Basso durch, der am Vortag auf dem 12. Teilstück vor Armstrong triumphiert hatte.

Jan Ullrich konnte beim letzten schweren Anstieg wiederum nicht mithalten und büßte als Sechster auf Armstrong rund 2:40 Minuten Zeit ein. Vierter wurde sein Teamkamerad Andreas Klöden mit 1:27 Minuten Rückstand.

Das Gelbe Trikot verteidigte der Franzose Thomas Voeckler nach großartigem Kampf erfolgreich, 22 Sekunden beträgt der Vorsprung Voecklers auf Armstrong. Seine Führung in der Bergwertung behauptete der Franzose Richard Virenque. Das Grüne Trikot behielt der Australier Robbie McEwen.

"Basso ist der Konkurrent der Stunde"

"Eine kolossale Zusammenarbeit der Mannschaft. Ich habe ein Dream Team. Deshalb war es im Grunde eine recht einfache Sache", sagte Armstrong und zeigte sich überrascht, dass Ullrich und andere Rivalen nicht mithalten konnten. Sein Lob galt dem Zweitplatzierten Ivan Basso. "Der Konkurrent der Stunde ist Basso", so Armstrong.

Anders als am Vortag schenkte Armstrong Basso vom Team CSC nicht den Tagessieg. Auf dem Weg zum möglichen historischen sechsten Gesamtsieg sprintete der Texaner in auf der Zielgerade in 1780 Meter Höhe am Italiener vorbei. Dritter wurde Georg Totschnig vom Team Gerolsteiner. Entgegen der Prognosen von einem Zweikampf zwischen Armstrong und Ullrich wird es nun beim Showdown in den Alpen zu einem Tour-Duell zwischen dem Titelverteidiger und Basso kommen. Er liegt in der Gesamtwertung nur 1:17 Minuten hinter dem Topfavoriten.

Vergeblicher Kampfgeist: Jan Ullrich kann derzeit nicht mit Armstrong mithalten
DPA

Vergeblicher Kampfgeist: Jan Ullrich kann derzeit nicht mit Armstrong mithalten

Ullrich hatte erneut das Nachsehen: Elf Kilometer vor dem Zielstrich musste der Tour-Sieger von 1997 dem Höllentempo Tribut zollen und abreißen lassen. Immerhin zeigte der T-Mobile-Kapitän großen Kampfgeist und machte auf den letzten fünf Kilometern noch einige Sekunden gut. "Jan hat Kampfgeist gezeigt. Er war besser als gestern. Aber so schnell kann man sich nicht erholen. Andreas Klöden hat großartig gekämpft", sagte T-Mobile-Teamleiter Mario Kummer. Sein Gerolsteiner Kollege Christian Henn war überglücklich: "Platz drei für Totschnig ist super. Das war sein Berg."

Vom im Vorfeld hoch gelobten T-Mobile-Express war im Hochgebirge mit sieben Bergwertungen allerdings keine Unterstützung für sie zu erwarten. "Ich habe keine Erklärung, warum meine Mannschaft in den Bergen nicht mithält. Was Ullrich angeht - das ist eben Sport," sagte T-Mobile-Chef Walter Godefroot.

Hamilton gibt auf

Noch ernüchternder als für Ullrich ging der Samstag für Tyler Hamilton zu Ende: Der Tour-Mitfavorit aus den USA stieg an einer Verpflegungsstation nach 79 Kilometer entkräftet vom Rad und gab auf. Der Teamgefährte des Wittenbergers Bert Grabsch war auf der fünften Etappe gestürzt und hatte dabei starke Prellungen im Lendenwirbelbereich erlitten. Auch Tour-Debütant Fabian Wegmann wird nicht wie erhofft die Champs-Elysees in Paris erreichen. Der Freiburger gab durch eine Erkältung geschwächt auf, womit vom Team Gerolsteiner nur noch sechs Fahrer übrig sind.

Auf der bislang schwersten Etappe reduzierte sich das Teilnehmerfeld auf 160 Fahrer, beim Prolog vor zwei Wochen in Lüttich waren 188 am Start gewesen. Aufgeben mussten neben Hamilton und Wegmann auch der als Kandidat auf das Gelbe Trikot angetretene Russe Denis Mentschow von Illes Balears sowie der letztjährige Gesamtfünfte Haimar Zubeldia (Spanien) von Euskatel. Auch Gerrit Glomser (Österreich/Saeco) stieg aus. Sergio Marinangeli (Italien) von Domina Vacanze war am Samstag nicht mehr angetreten.

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