Tour de France Ausreißer ließen Armstrong kalt

Die 15. Etappe, die für das Peloton lange wie ein Ruhetag auf zwei Rädern wirkte, gewann der Belgier Rik Verbrugghe vor dem Italiener Marco Pinotti. Jan Ullrich kam mit Lance Armstrong zusammen im Hauptfeld an.


Lavaur - Rik Verbrugghe hat den Tagessieg auf der 15. und mit 232,5 Kilometer längsten Etappe der 88. Tour de France von Pau nach Lavaur feiern können. Der Belgier hatte sich 27 Kilometer vor dem Ziel von einer ursprünglich 25-köpfigen Spitzengruppe abgesetzt und gewann den Spurt vor dem Italiener Marco Pinotti einige Sekunden vor den übrigen Verfolgern aus der Ausreißergruppe. Das Hauptfeld mit Jan Ullrich (Merdingen), Lance Armstrong (USA) und Erik Zabel (Unna) hatte rund 14 Minuten Rückstand. Verbrugghe gilt als die belgische Entdeckung des Jahres, gewann den Fleche Wallonne, den Prolog des Giro d'Italia und fuhr anschließend mehrere Tage im Rosa Trikot.

Armstrong und Ullrich einträchtig


Der Träger des Gelben Trikots, Lance Armstrong, und der zweitplatzierte Ullrich haben längst Frieden geschlossen. Der Abstand der beiden zueinander - 5:05 Minuten zu Gunsten des zweifachen Toursiegers aus Texas - veränderte sich am Dienstag nicht. Das 61 Kilometer lange Einzelzeitfahren am Freitag von Montlucon nach Saint-Amand-Montrond, das Ullrich unbedingt gewinnen will, könnte noch einmal geringe Zeitverschiebungen der beiden Tour-Giganten zueinander bringen.

"Gestern hatte ich Geburtstag, heute habe ich mich selbst beschenkt. Das war die Krönung eines Super-Jahres", sagte der 27 Jahre alte Sieger überglücklich im Ziel. Vom Team Telekom war mit Jens Heppner (22. Platz) wenigstens ein Mann in vorderster Front vertreten. "Es war relativ schwer, weil an den ersten Bergwertungen noch viele Gruppen wegfuhren. Dann habe ich mich einer angeschlossen und bin vorne geblieben", sagte der Wahl-Belgier.

Zufrieden war auch Telekom-Chef Walter Godefroot: "Das war heute so zu erwarten. Wir mussten nicht viel tun, aber trotzdem ist es ein wenig dumm gelaufen. Wenn es keine Wenns oder Aber gäbe, wäre statt Heppner heute Winokurow vorne gewesen, und dann hätten wir einen zweiten Mann unter den Top-Ten."

Zabels Prophezeiung


Wie Erik Zabel prophezeit hatte, war die längste Tour-Etappe am Dienstag wie zugeschnitten für Ausreißer. Nach 66 Kilometern hatte sich eine 25-köpfige Spitzengruppe gebildet, in der auch die beiden Deutschen Jens Heppner vom Team Telekom und Jörg Jaksche von Once fuhren. Die großen Fahrer im Feld konnten einen relativ ruhigen Tag verleben, weil keiner der "Flüchtlinge" im Gesamtklassement ihre Positionen gefährden konnte. Gefahr, wie in Pontarlier plötzlich über 35 Minuten zu verlieren, bestand kaum. Die Chance für den zweifachen Etappensieger Zabel, in der Punktwertung um das Grüne Trikot weiter hinter dem Australier Stuart O'Grady, wird erst in den letzten Tour-Tagen kommen.

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