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Schleck gegen Contador: Showdown im Nebel

Foto: Bas Czerwinski/ AP

Tour de France Contador greift nach dem Sieg

Das war's wohl für Andy Schleck. Der Luxemburger hat seine wahrscheinlich letzte Chance auf den Tour-Sieg verpasst. Zwar gewann er die Königsetappe hoch zum Col de Tourmalet, aber Spitzenreiter Alberto Contador ließ sich einfach nicht abschütteln - und fährt jetzt als großer Favorit nach Paris.

Hamburg - Andy Schleck aus Luxemburg hat am Donnerstag die "Königsetappe" der 97. Tour de France gewonnen - und ist trotzdem der Verlierer des Tages. Sein großer Rivale Alberto Contador, der die Etappe zeitgleich mit Schleck als Zweiter beendete, hält jetzt alle Trümpfe für seinen dritten Gesamtsieg in der Hand und behält seinen Vorsprung von acht Sekunden auf Schleck. Der Spanier gab sich am Col du Tourmalet auf der 17. Etappe von Pau über 174 Kilometer auf den Pyrenäen-Gipfel keine Blöße. Bereits am Samstag kann Contador beim 52-Kilometer-Zeitfahren in Bordeaux die Entscheidung erzwingen.

"Ich hatte Gelb im Kopf, aber es ging einfach nicht. Ich wollte so lange attackieren, bis Contador abreißen lässt - aber er ließ sich einfach nicht abhängen", sagte Schleck anschließend. So müsse er mit dem Etappensieg zufrieden sein: "Am Tourmalet zu gewinnen, ist ja auch so etwas wie ein Traum." Kurz nach dem Ziel zeigten die beiden Rivalen ihren Respekt voreinander. Ein paar Meter hinter dem Zielstrich umarmten sie sich kurz.

Nachdem Contador und Schleck einen Großteil des Tages einträchtig nebeneinander im Schutz des Feldes fuhren, bewiesen die beiden besten Kletterer im Finale ihre Extraklasse. Gut zehn Kilometer vor dem Ziel attackierte Schleck, sprengte die Spitzengruppe und fand sich allein mit Contador im Nebel des Col de Tourmalet wieder. Contador hing am Hinterrad seines Rivalen, Schlecks hohes Tempo hinterließ aber bereits deutlich Spuren der Erschöpfung im Gesicht des Favoriten. Erst 3,7 km vor dem Ziel übernahm Contador selbst die Initiative, doch Schleck folgte dessen Antritt. In den letzten Kehren des 18,6 km langen und im Schnitt 7,5 Prozent steilen Anstiegs verzichteten die Kontrahenten dann auf Angriffe.

Auch Sarkozy fuhr auf den Tourmalet - per Auto

In der Gesamtwertung dürfte es lediglich beim Zeitfahren am Samstag von Bordeaux nach Pauillac noch Änderungen geben. Allerdings wird Schleck auch auf den 52 Kilometern wohl kaum an Contador vorbeiziehen, da er im Kampf gegen die Uhr als deutlich schlechter als der Vorjahressieger gilt.

Nach den Hitzeschlachten der vergangenen Wochen hatten herbstliche Temperaturen auch den prominentesten Gast nicht von einem Besuch des Tourmalet abgehalten, der erst zum zweiten Mal in der 107-jährigen Geschichte Zielort war. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sakorzy begleitete die 17. Etappe über 174 Kilometer und lobte besonders den auch am Donnerstag abgeschlagenden Lance Armstrong für dessen Kampfgeist auf dem 16. Teilstück nach Pau.

Sastre sorgt für Ärger

Kampfgeist, den am Donnerstag vor allem der Spanier Carlos Sastre auf besondere Weise bewies, nachdem sein Landsmann Samuel Sanchez gestürzt war. Contador versuchte, Sastre zu bremsen und redete auf ihn ein. Aber der Toursieger von 2008 wollte von Solidarität nichts wissen und ließ sich nicht in die Parade fahren. Er löste sich aus dem Peloton, um sich auf die Verfolgung einer siebenköpfigen Spitzengruppe um Marcus Burghardt zu machen.

Die Position zwischen Hauptfeld und Spitzengruppe wurde dem Spanier, der nur kurz von seinem Teamkollegen Ignatas Konovalovas unterstützt wurde, nach langer Solofahrt aber zum Verhängnis. Beim langsam beginnenden Aufstieg zum Tourmalet wurde er 24 Kilometer vor dem Gipfel vom Feld gestellt. Schleck und Contador konzentrierten sich nur auf den 18,6 Kilometer langen Schlussanstieg auf den legendären Pyrenäen-Riesen.

aha/dpa/sid
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