Erste Bergankunft der Tour de France 20 Prozent Steigung, mon Dieu!

Der heutige Aufstieg zur Planche des Belles Filles ist der erste schwere Berg dieser Tour de France. Hier zeigt sich, wer die Rundfahrt 2017 gewinnen kann. Die Steigung stellt selbst legendäre Alpenpässe in den Schatten.

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Aus Frankreich berichtet


7. Juli 2012, ein Mann, den bis dahin nur Radsportexperten kannten, führt das Peloton der Tour de France in die unregelmäßigen Serpentinen der Vogesen hinauf zur Planche des Belles Filles. Er legt ein Tempo vor, das viele Cracks der damaligen Zeit erschüttert: Vorjahresdritter Frank Schleck, Andreas Klöden, zweifacher Tourzweiter, Dennis Mentschow, Sieger von Giro d'Italia und Vuelta - sie können nicht mehr folgen.

Der Mann da vorn heißt Froome, Chris Froome. Er macht die Tempoarbeit für seinen Leader Bradley Wiggins. Er macht sie so gut, dass außer seinem Kapitän nur noch drei Mann folgen können, drei Fahrer von knapp 200. Und das auf der 7. Etappe, als alle noch verhältnismäßig frisch sind. Froome erschüttert sie alle. Der Anstieg ist zwar nicht lang, 5,9 Kilometer nur, durchschnittliche Steigung 8,5 Prozent. Aber er hat es in sich.

Der Berg der Skifahrer

Thibaut Pinot, Tourdritter 2014, lebt um die Ecke. Er kennt den Berg gut. "Für uns Leute aus der Gegend ist die Planche des Belles Filles vor allem der Berg, auf dem wir Skifahren gelernt haben", erzählt er. Sommersportler kennen ihn erst seit dem Jahr 2012, als der letzte Kilometer Straße den Berg heraufgelegt wurde für die Tour. "Ich mag den Aufstieg eigentlich nicht. Er ist so extrem unregelmäßig. Es geht steil los, dann wird es sanfter, und dann wieder extrem steil, bevor es auf die Kuppe geht. Das tut allen richtig weh", sagt Pinot über den Berg, den er auch bei dieser Tour erklimmen will.

Genau dort, wo es am meisten weh tut, beschleunigt 2012 auch Froome. Die Männer in seinem Rücken wirken schockiert. Mühsam halten sie Kontakt. Einen Kilometer vor dem Ziel lanciert Titelverteidiger Cadel Evans einen Verzweiflungsangriff. Er schiebt sich an Froome vorbei. In seinem Rücken kommt auch Wiggins auf Position zwei vor. Vincenzo Nibali, der zwei Jahre später hier gewinnen wird, ringt um Anschluss. Und dann tritt Froome an, mit einer Urgewalt, wie sie nur selten im Radsport zu sehen war. 20 Prozent beträgt die Steigung an dieser Stelle - der Maximalwert von Alpe d'Huez liegt bei 14 Prozent. Froome schwingt sein Rad hin und her, der Rahmen scheint bersten zu wollen.

Krönungsberg der Toursieger

Das Material hält der Belastung aber stand, und Froome lässt die Kontrahenten stehen: Wiggins, der damals die Tour de France gewinnen sollte, Evans, der sie im Jahr zuvor gewann, Nibali, der 2014 an gleicher Stelle Tagessieger und später Gesamtsieger in Paris werden sollte. Weil Nibali sich 2014 Gelb auf der Planche holte und auch Wiggins im Windschatten Froomes an die Klassementspitze preschte und den ersten Platz bis Paris nicht wieder hergab, gilt der Berg als Siegermacher bei der Tour de France.

In diesem Jahr will Froome nachlegen. "Ich habe gute Erinnerungen an den Anstieg. Er ist kurz, aber sehr gut geeignet für aggressive und explosive Rennfahrer", sagte er zum Tourauftakt in Düsseldorf. An der Planche werde sich zumindest entscheiden, wer die Tour nicht mehr gewinnen könne.

Die dunkle Seite des Bergs

In der Region bezeichnen sie den Berg gern als "unser Alpe d'Huez". Das Branding geht auf Yves Krattinger zurück, Präsident der Region, seit 16 Jahren im Amt. Er war dabei, als Tourdirektor Christian Prudhomme 2010 durch die Vogesen fuhr und sich genau diesen Anstieg für die Tour auswählte. Seitdem wird vor Ort eine Doppelgeschichte erzählt: Eine des Erfolgs auf der einen Seite, von Investitionen in den Sommersport, die für die Hoteliers der Gegend zu zwei Einkommenssaisons im Jahr führen.

Und die der Verschwendung. Eine halbe Million Euro hat lokalen Umweltschützern zufolge der Ausbau der Infrastruktur für die Tour gekostet, Baugenehmigungen seien zu Unrecht erteilt, Umweltschäden in Kauf genommen worden. Die Grünenpolitkerin Eva Pedrocchi reichte Klage gegen den Ausbau ein.

Und auch jetzt noch kollidieren Angaben von Regionalpräsident Krattinger, der von 200 bis 300 Amateurradsportlern spricht, die Wochenende für Wochenende den Anstieg bewältigen, mit den Äußerungen des Radprofis Pinot, der die Stille beim Training auf dem Berg genießt.

Froome ficht das alles nicht an. Er hat exzellente Erinnerungen an den Berg. 2012 wunderte er sich noch, dass niemand an ihm vorbeikam. "Ich war damals gar nicht auf den Tagessieg aus. Ich wollte nur Brad vorn halten. Aber dann dachte ich: Ich bin hier, die Beine sind gut, warum soll ich nicht einfach mal antreten? Das tat ich dann. Und ich konnte kaum glauben, dass Cadel mir nicht folgen konnte."

Fünf Jahre später plant Froome eine Wiederholung. Im Mai nahm er eine Ortsbesichtigung vor, entwickelte einen Schlachtplan. Die Kontrahenten haben gewechselt. Das Maß der Dinge ist aber weiter er. Er hält auch die Bestzeit für den Aufstieg: 16 Minuten, 23 Sekunden. Ein Richtwert.



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troka 05.07.2017
1. wenig Interesse...
...oder nur schlecht berichtet? Mit diesem meinem Beitrag habt ihr wenigstens EINE Reaktion auf diesen lieblosen und irgendwie motivationslosen Beitrag zur Tour de France. Vielleicht auch die Reaktion auf eure eher halbherzige Berichterstattung von einem der größten Sportereignisse weltweit. Ich nehme an, eure Sportjournalisten sind noch immer ein wenig erschöpft von der langjährigen Hetzjagd gegen Jan Ullrich... Und wenn man einen Artikel wie diesen schon mit einem Bild von 2012 eröffnet, mit Louis Leon Sanchez dann noch einen Fahrer zeigt, der mit der Etappenankunft auf der Planche des Belles Filles weder 2012 noch 2014 etwas zu tun hatte, dann fragt man sich, was soll das Ganze? Auch hier gilt. berichtet richtig und gut recherchiert, oder lasst es sein.
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