Tour de France Drei Fahrer wegen Blutdoping ausgeschlossen

Bevor die 87. Tour de France auf die Reise geht, mussten die ersten Fahrer bereits ihre Koffer packen. Nach der ärztlichen Untersuchung haben drei Radprofis wegen überhöhter Hämatokritwerte eine zweiwöchige "Schutzsperre" aufgebrummt bekommen.


Marco Pantani bei ärztlichen Untersuchung vor dem Tourstart: Der Italiener bestand den Test
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Marco Pantani bei ärztlichen Untersuchung vor dem Tourstart: Der Italiener bestand den Test

Poitiers - "Das ist ein Schreck in der Morgenstunde. Hoffentlich zieht unser Sponsor nicht die ganze Mannschaft zurück", fürchtete der Münchner Andreas Klier, als er am Mittag um 13.30 Uhr die Nachricht erhielt. Drei Stunden vor dem Auftakt der 87. Tour de France waren am Samstag in Futuroscope drei der 180 gemeldeten Fahrer wegen zu hoher Blutwerte ausgeschlossen worden, darunter als bekanntester der russische Meister Sergej Iwanow, 25, Kapitän der holländischen Klier-Mannschaft Farm Frites, 1998 Dritter der Friedensfahrt und 1999 Vierter am Henninger Turm. Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc: "Die Ausschlüsse sprechen für die Qualität unserer Kontrollen."

Aus dem Rennen genommen wurden auch der Italiener Rossano Brasi (24/Polti) und der Slowene Andrej Hauptman (25/Vini Calderola). Bei allen lag der Hämatokritwert über der erlaubten Höchstgrenze von 50, was laut Regeln des Radsport-Weltverbandes (UCI) automatisch mit einer 14-tägigen "Schutzsperre" zu ahnden ist. Dabei wird offiziell nicht von Doping gesprochen, doch besteht der Verdacht der künstlichen Epo-Zufuhr. Er kann allerdings noch nicht medizinisch bewiesen werden. Ein neues französisches Verfahren über Urintests wurde neun Tage vor Tour-Beginn von der UCI nicht genehmigt, weil es als noch nicht ausgereift gilt.

Der letzte spektakuläre Fall einer Epo-Schutzsperre hatte Anfang Juni 1999 den Italiener Marco Pantani betroffen, der zwei Tage vor dem Giro-Finale als Spitzenreiter abreisen musste und danach auf die Frankreich-Rundfahrt verzichtete. Der Toursieger von 1998 ist diesmal wieder am Start und überstand die Kontrolle am Samstag ohne Problem. Sämtliche Starter aus den 20 Mannschaften hatten sich am Samstagmorgen um 7.15 Uhr zur Blutuntersuchung einfinden müssen. Alle neun deutschen Teilnehmern sowie das gesamte Team Telekom erhielten grünes Licht. Auch Andreas Klier, der aber nicht ohne Grund fürchtete, dass sein Tour-Debüt durch den Iwanow-Ausschluss noch platzen könnte: "Der Image-Schaden ist sicher besonders groß, weil der Kapitän betroffen ist." Farm Frites hatte erst 1999 den Rennstall von TVM übernommen, das sich nach dem Dopingskandal bei der Rundfahrt 1998 nicht länger im Radsport engagieren wollte. Damals hatte das TVM-Team während einer Etappe durch die Schweiz "in Nacht und Nebel" die Flucht ergriffen, weil man Angst vor der französischen Doping-Polizei hatte. TVM-Star 1998 war Sprinter Jeroen Blijlevens, der in diesem Jahr wie auch der Franzose Richard Virenque für Polti am Start ist. Nach Brasis Ausschluss muss die Truppe mit nur acht Aktiven auf die 3.662,5 Kilometer gehen. Telekom-Teamchef Walter Godefroot meinte in einer ersten Reaktion: "Ich kann keine Verantwortung für andere Mannschaften übernehmen. Es handelt sich ja auch nicht um bewiesenes Doping. Derartige Blutwerte sind bei vielen Menschen normal, nur für Hochleistungs-Radsportler gefährlich. Deshalb ist die Schutzsperre auch korrekt."



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