Tour de France Favorit Valverde gewinnt Auftaktetappe

Der erste Träger des Gelben Trikots steht fest: Alejandro Valverde hat den ersten Tagesabschnitt der 95. Tour de France gewonnen. Der auch für den Gesamtsieg hochgehandelte Spanier setzte sich im Schlusssprint durch - die Dopingfahnder hat er noch nicht abgeschüttelt.


Hamburg - Der Kapitän des Teams Caisse d'Epargne, Alejandro Valverde, hat die erste Etappe der Tour de France über 197,5 Kilometer von Brest nach Plumelec gewonnen. Damit wird er am Sonntag als erster Fahrer bei der 95. Ausgabe des Rundrennens das Gelbe Trikot des Gesamtführenden tragen. "Es ist unglaublich, gleich die erste Etappe gewonnen zu haben und gleich zu Beginn in Gelb zu fahren. Aber mein Ziel ist es, dieses Trikot am Ende in Paris zu tragen", so der 28-Jährige.

Valverde setzte sich im Schlussspurt nach 4:36:07 Stunden vor dem Belgier Philippe Gilbert (Francaise des Jeux) sowie dem Franzosen Jerome Pinot (Bouygues) und dem Luxemburger Kim Kirchen vom Team Columbia durch. Kein deutscher Fahrer kam unter die ersten Zehn.

Tagessieger Valverde ist einer der Profis, die mit dem spanischen Arzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebracht werden. Bei Fuentes wurden Blutbeutel mit der Aufschrift "Valv.Piti" gefunden. Valverdes Hund hört auf den Namen "Piti". In Italien ermittelt das Nationale Olympische Komitee in Sachen Doping hartnäckig gegen mutmaßliche Kunden von Fuentes, was Valverde auf der 15. Etappe große Probleme bereiten könnte, denn der Tagesabschnitt endet im italienischen Prato Nevoso. Nachdem das Verfahren gegen Valverde in Spanien eingestellt worden war, hatten die Behörden ihre Akten an italienische Dopingermittler herausgegeben. Die könnten den umstrittenen Profi zumindest theoretisch in Prato Nevoso aus dem Rennen nehmen.

Unmittelbar nach dem Start in Brest hatte sich die erste Ausreißergruppe mit acht Fahrern gebildet, unter denen auch Björn Schröder vom Team Milram war. Der 27-Jährige zeigte sich vor allem bei den vier Bergwertungen des Tages und lieferte sich mit dem Franzosen Thomas Voeckler (Bouygues) einen harten Kampf um das rot gepunktete Bergtrikot. Mit je acht Zählern lagen beide Fahrer am Ende der Etappe gleichauf, wobei Voeckler dank der besseren Platzierung im Ziel das Trikot tragen wird. "Es war wahnsinnig anstrengend. Es ist bitter, nach so langer Flucht so nah am gepunkteten Trikot zu sein und es dann doch nicht zu bekommen", sagte Schröder.

Die Jagd nach dem Etappensieg war für die Ausreißer 26 Kilometer vor dem Ziel beendet. Auf ihrem knapp 170 Kilometer langen Alleingang hatte die Gruppe einen maximalen Vorsprung von acht Minuten herausgefahren, war dann aber der Aufholjagd des Feldes vor allem unter der Führung von Valverdes Teams Caisse d'Epargne zum Opfer gefallen. Als letzte hatten sich der Franzose Lilian Jegou und der Spanier David de la Fuente aus der Spitzengruppe abgesetzt - doch auch ihre Flucht wurde kurze Zeit später vom Peloton gestoppt.

Einen Kilometer vor dem Ziel setzte sich dann Gerolsteiner-Profi Stefan Schumacher vom Feld ab, wurde aber nach 500 Metern Alleinfahrt wieder eingefangen. "Ich musste es früh probieren, es hat nicht gereicht, aber die Form ist da", sagte der 26-Jährige. Sein Teamkollege Fabian Wegmann bilanzierte: "Schumi hat an der 1000-Meter-Marke attackiert, aber es hat nicht gereicht. Wir kannten diesen Berg nicht und haben ihn falsch eingeschätzt. Bei 500 Metern ging es dann plötzlich nochmal ganz steil rauf, damit haben wir nicht gerechnet. Auf der Strecken-Skizze sah das flacher aus."

Der Deutsche Meister Wegmann selbst stürzte 52 Kilometer vor dem Ziel, konnte aber offensichtlich unverletzt weiter fahren. Den ersten Ausfall der Tour hatte es bereits nach rund 100 gefahrenen Kilometern gegeben. Der Franzosen Hervé Duclos-Lasalle verletzte sich bei einem Sturz an der Hand. Zunächst fuhr er mit geschienter Hand weiter, musste dann aber als erster der 180 gestarteten Fahrer aufgeben.

Das zweite Teilstück führt am Sonntag in den Norden der Bretagne. Auf den 164,5 Kilometern zwischen Auray und dem Ziel in Saint-Brieuc sind vier Bergprüfungen der dritten und vierten Kategorie zu bewältigen. Zudem stehen drei Zwischensprints auf dem Programm.

Rudy Pevenage, der frühere Berater von Jan Ullrich, hat unterdessen angekündigt, nach der laufenden Tour de France über Dopingpraktiken im Radsport auszupacken. Der Belgier bestätigte dem sid einen entsprechenden Bericht der französischen Zeitung "L'Equipe". Gleichzeitig betonte Pevenage, dass er während der Frankreich-Rundfahrt keinerlei Veröffentlichungen plane.

Der 54-Jährige wollte sich zum Inhalt seiner Enthüllungen nicht äußern. Nach Angaben der "L'Equipe" wolle er jedoch über die Dopingpraktiken beim früheren Team Telekom/T-Mobile berichten. Pevenage war lange Jahre Ullrichs engster Vertrauter und galt als Ziehvater des einzigen deutschen Tour-Siegers.

fsc/sid



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