Sieg in Paris Kittel macht die "Tour d'Allemagne" perfekt

Die Radprofis aus der Bundesrepublik haben bei der Tour de France einen 36 Jahre alten Rekord eingestellt: Mit seinem Abschluss-Triumph holte Sprinter Marcel Kittel den sechsten deutschen Etappensieg. Für einen heimischen Rennstall gibt es nach den Dopingskandalen aber keinen Sponsor.

AP/dpa

Aus Paris berichtet


Eigentlich, so denkt man, ist die Tour de France am Samstagabend schon vorbei, auf der letzten Etappe nach Paris wird nur noch Champagner getrunken, geplaudert und die Atmosphäre genossen. Für den Großteil der Fahrer trifft das sicherlich zu, allen voran den Träger des Gelben Trikots, in diesem Jahr der Brite Christopher Froome.

Doch es gibt einige Profis im Feld, die den Abschluss vor Hunderttausenden Zuschauern auf den Pariser Champs-Elysées, die "Tour d'Honneur", richtig ernst nehmen: die Sprinter. Schon bevor es zu Beginn der Woche in die Alpen gegangen war, hatte Marcel Kittel gesagt: "Wir wollen in Paris noch einmal angreifen, das Rennen ist für uns noch nicht gelaufen."

Kittel und sein Argos Team hielten Wort und gaben auf den letzten Kilometern zwischen Triumphbogen und Louvre ordentlich Gas, sauber aufgereiht arbeiteten sie ihren Top-Sprinter immer weiter an die Spitze vor. Neben Mark Cavendish und André Greipel, beide bei dieser Tour ebenfalls schon erfolgreich, trat Kittel wenige hundert Meter vor dem Ziel kraftvoll an - und fuhr sein Rad nur wenige Zentimeter vor Greipel über die Linie. Es genügte ein kleiner Blick zur Seite, um zu sehen, dass es gereicht hatte, Kittel ballte die Faust.

"Ich bin absolut sprachlos"

"Das ist einfach geil, es ist der Hammer. Ich bin absolut sprachlos. Das ist mein Traum, der wahr geworden ist", sagte Kittel nach dem Rennen. Und obwohl der 25-Jährige bei dieser Tour bereits drei Etappen im Sprint gewonnen hatte, war dieser Erfolg von Paris ein sehr spezieller. Nicht auf dem fahrbaren Truck der vergangenen Wochen durfte er Blumen und Küsschen entgegen nehmen - Kittel wurde die Ehre zuteil, das große Siegerpodest zu besteigen, im Rücken der angestrahlten Triumphbogen, vor sich die jubelnde Menge.

"Der Sprint lief perfekt. Meine Beine waren gut, ich konnte richtig durchziehen. Ich bin stolz darauf, was wir hier zusammen geschafft haben. Das waren harte Tage, aber dafür gab es eine große Belohnung", sagte Kittel und sprach damit die quälenden Bergetappen der vergangenen Woche an, bei denen es für ihn nur darum gegangen war, im Zeitlimit zu bleiben.

Auch wenn Kittel das Podest nach einem festen Händedruck des Pariser Bürgermeisters für Gesamtsieger Froome räumen musste: Das Bild von ihm auf der Pariser Prachtstraße bleibt. Es bildet einen Rahmen mit den Bildern von Kittels Auftaktsieg auf Korsika, sie rahmen eine Vielzahl von überraschend erfreulichen Moment für die deutschen Profis ein. Neben den Sprintern Kittel und Greipel war Tony Martin im Zeitfahren erfolgreich, Jens Voigt, Andreas Klöden und John Degenkolb verpassten einen Etappensieg nur knapp. Mit sechs deutschen Etappensiegen wurde sogar der Rekord aus dem Jahr 1977 eingestellt.

Deutschen fehlt ein Pro-Tour-Team im eigenen Land

"Die deutschen Fahrer haben bei dieser Tour de France eine phantastische Leistung gezeigt. Der Triumph von Marcel Kittel auf den Pariser Champs-Elysées ist das Ausrufezeichen einer neuen Generation. Es hat sich im Radsport etwas geändert", sagte Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Er forderte sogar die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF dazu auf, ihren Boykott in der Liveberichterstattung der Tour de France zu überdenken.

Doch die deutschen Profis haben in der Heimat ganz andere Probleme: Seit den großen Dopingskandalen um T-Mobile und Gerolsteiner gibt es kein deutsches Pro-Tour-Team mehr, die Fahrer müssen sich Rennställe im Ausland suchen. So fährt Martin für das belgische Quick-Step-Team, Kittel, John Degenkolb, Johannes Fröhlinger, Patrick Gretsch und Simon Geschke sind in die Niederlande zu Argos-Shimano ausgewichen. Für sie alle ist jedoch klar: Sollte es wieder einen deutschen Sponsor geben, der ein Profiteam unterstützt, sie wären sofort dabei. Einige Arbeitsproben haben sie ja nun abgeliefert.

insgesamt 31 Beiträge
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spiegel-kommentar 22.07.2013
1. Deutsches Rad-Doping Team?
Kein großer Verlust, wenn es kein deutsches Team gibt. Die Deutschen Radfahrer können im Ausland dopen, ich glaube keinem einzigen, dass er ohne Zusatzmittelchen fährt. Deshalb: komplett professionalisieren, von der Pharmaindustrie sponsorn lassen, kein Cent öffentliche Mittel, keine Leistungen der Krankenkassen bei Spätfolgen. Diese jämmerliche "Sportart" gehört einfach beendet.
teaki 22.07.2013
2. Sommer 2017
Tagesschau: Heute hat ehemaliger Tagessieger bei der Tour de France der Deutsche Kittel zugegeben systematisch gedopt zu haben....
Mannheimer011 22.07.2013
3. Es fast eine Radlänge
Kittel hatte fast eine Radlänge Vorsprung auf Greipel, der jedoch nur wenige Zentimeter Vorsprung auf Cavendish hatte. Es war übrigens der erste deutsche Sieg in Paris auf der letzten Etappe nach 21 Jahren. 1992 war es Olaf Ludwig!
Das Auge des Betrachters 22.07.2013
4. Wird es nie wieder geben
Zitat von sysopAP/dpaDie Radprofis aus der Bundesrepublik haben bei der Tour de France einen 36 Jahre alten Rekord eingestellt: Mit seinem Abschluss-Triumph holte Sprinter Marcel Kittel den sechsten deutschen Etappensieg. Für einen heimischen Rennstall gibt es nach den Dopingskandalen aber keinen Sponsor. Tour de France: Kittel macht die "Tour d'Allemange" perfekt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/tour-de-france-kittel-macht-die-tour-d-allemange-perfekt-a-912319.html)
Nach der medialen Hatz, konzentriert auf den Radsport, wird es nie wieder ein deutsches Team geben. Welcher Sponsor sollte sich die ewigen Verdächtigungen antun? 80% der Berichterstattung beschäftigen sich mit Doping. Wenn der Radsport die einzige Sportart wäre, in der gedopt würde, wäre das vielleicht auch gerechtfertigt, dass ist aber nicht so. Insbesondere der öffentlich rechtlichen liebstes Kind, der Fußball in den sie hunderte Millionen € GEZ Geld stecken, ist tief im Sumpf über den keiner redet. Der FC Bayern hat jetzt mit Guardiola sogar einen ausgewiesenen Doping Spezialisten als Trainer engagiert. Wenn die Journalie anfängt sich mit Schweinsteger so zu beschäftigen wie mit Ulrich, erst dann kann Glaubwürdigkeit der Medien beginnen. Bis dahin gilt, die Fans des Radsports und der Rest der Welt ist begeistert, während Michel und seine Medien gegen den Radsport pöbeln.
RainerCologne 22.07.2013
5.
Zitat von sysopAP/dpaDie Radprofis aus der Bundesrepublik haben bei der Tour de France einen 36 Jahre alten Rekord eingestellt: Mit seinem Abschluss-Triumph holte Sprinter Marcel Kittel den sechsten deutschen Etappensieg. Für einen heimischen Rennstall gibt es nach den Dopingskandalen aber keinen Sponsor. Tour de France: Kittel macht die "Tour d'Allemange" perfekt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/tour-de-france-kittel-macht-die-tour-d-allemange-perfekt-a-912319.html)
Ich kaufe denen trotzdem nicht ab, dass die sauber sind. Ebenso wenig wie den Sprintern oder Bodybuildern (ja, da ist Doping lt. Regelwerk verboten) dieser Welt.
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