Tour de France Leipheimer bestreitet Kontakt zu Doping-Arzt

Das Team Gerolsteiner ist vor dem Start zur fünften Etappe erneut in die Doping-Diskussion geraten. Anlass ist das Zusammentreffen von Teamkapitän Levi Leipheimer mit dem umstrittenen Arzt aus Italien in einem Hotel auf Teneriffa.


Caen - Leipheimer hatte sich im vergangenen Jahr in der selben Unterkunft aufgehalten wie der Mediziner und Trainingsanalytiker. Der Italiener, der auch den siebenmaligen Tour-Sieger Lance Armstrong betreut hatte, war in mehreren Verfahren des Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz in seiner Heimat angeklagt und wurde 2004 wegen Sportbetruges zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt, dann aber in einem Berufungsverfahren freigesprochen.

Gerolsteiner-Kapitän: "Keine Zusammenarbeit mit Ferrari"
AFP

Gerolsteiner-Kapitän: "Keine Zusammenarbeit mit Ferrari"

Gerolsteiner Teamchef Hans-Michael Holczer erklärte vor der fünften Etappe, Leipheimer habe ihm versichert, trotz des Aufenthaltes im selben Hotel auf der Kanaren-Insel nicht mit dem Mediziner zusammen zu arbeiten und nannte die derzeitge Doping-Debatte " teilweise hysterisch". Jeder im Radsport müsse daran interessiert sein, diese Dinge aufzuklären, aber niemandem sei damit gedient, wenn Geschichten konstruiert werden, erklärte er. Zum Zusammentreffen des US-Amerikaners mit dem Arzt sagte er: "Ferrari saß auf der Terrasse des Hotels, in dem unsere Fahrer untergebracht waren. Das ist alles." Kontakt zwischen den Gerolsteiner-Profis und "Dottore Epo" habe es nicht gegeben.

Teneriffa gilt unter den Radprofis als beliebtes Trainingsquartier. So haben sich auf der Insel auch Alexander Winokurow (Astana), Andreas Klöden, Matthias Kessler (beide T-Mobile) oder Markus Fothen (Gerolsteiner) in einer Höhe von bis zu 3700 Meter auf die Saison vorbereitet. T-Mobile hatte seine Fahrer Patrik Sinkewitz (Fulda), Michael Rogers (Australien) und Eddy Mazzoleni (Italien) nach Bekanntwerden ihrer Kontakte zu Ferrari aufgefordert, die Zusammenarbeit zu stoppen. Im Bonner Team, das vor der Tour Jan Ullrich und Oscar Sevilla wegen Doping- Verdachts suspendierte, steht mittlerweile das gesamte Betreuer-Umfeld auf dem Prüfstand.

Holczer erklärte derweil, er habe vor dieser Tour alle Gerolsteiner-Fahrer noch ein Mal eindringlich nach Kontakten zu Medizinern oder Trainings-Analytikern befragt. "Alle haben mir versichert, weder mit Ferrari, Cecchini oder ähnlichen zusammen zu arbeiten." Zu Berichten über weitere Doping-Zentren wie dem in Madrid entdeckten sagte er: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ähnliche Einrichtungen existieren. Warum sind denn viele große Fahrer offensichtlich dort hin gegangen?"

Patrick Lefévère (Belgien), Vorsitzender der Vereinigung der Profirennställe, erklärte in der heutigen Ausgabe der "L'Équipe" unterdessen: "Ich denke, dass noch fünf bis sieben Prozent der Fahrer betrügen. Falls noch Betrüger im Peleton sind, hoffe ich, dass sie so schnell wie möglich entfernt werden." Der spanische Gynäkologe Eufemiano Fuentes, gegen den die spanische Justiz in der aktuellen Doping-Affäre ermittelt, sagte im spanischen Radiosender "Cadena Ser" seinerseits: "Andere Namen, die noch nicht aussortiert wurden, sind bestimmt noch bei der Tour oder anderen sportlichen Wettkämpfen."

mt/sid/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.