Tour de France Nass gemacht

33 Fahrer machten sich bei 35 Grad auf den Weg, um in Gap den Etappensieg zu erobern. Matteo Trentin setzte mit seinem Triumph eine Serie fort. Nils Politt machte unfreiwillig seine Vaterfreuden offiziell.

Schnell zur Abkühlung: Matteo Trentin
IAN LANGSDON/EPA-EFE/REX

Schnell zur Abkühlung: Matteo Trentin

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Szene der Etappe: Am Fuße des Col de la Sentinelle, 14 Kilometer vor dem Ziel, griff sich Europameister Matteo Trentin den Unterlenker und setzte sich von seinen neun verbliebenen Kollegen ab. Die hatten damit offenbar nicht gerechnet und konnten dem Italiener nicht folgen. Der Europameister stürmte den letzten Berg hinauf, ging in die Abfahrt, zog sein Trikot zu und fuhr als Erster über die Ziellinie in Gap.

Klassement der Etappe: Trentin gewann die 200 Kilometer lange 17. Etappe von Pont du Gard nach Gap vor Kasper Asgreen und Greg von Avermaet, der zeitgleich mit einigen anderen Ausreißern ins Ziel kam. Mit einem Abstand von 20:10 Minuten rollte das Peloton nach Gap, Auswirkungen auf den Kampf um das Gelbe Trikot hatte das aber nicht. Julian Alaphilippe wird das Maillot Jaune auch am Donnerstag tragen. Hier geht es zum Etappenbericht.

Serie der Europameister: Seit 2016 werden Europameisterschaften im Straßenradrennen ausgetragen. Der EM-Titel erweist sich als gutes Omen für Tour-Etappensiege. Peter Sagan und Alexander Kristoff gewannen 2017 und 2018 als amtierende Europameister eine Etappe der Frankreich-Rundfahrt, nun zog Trentin nach.

Antiker Start: Jahr für Jahr wird es für die Tourveranstalter schwerer, neue Start- und Zielorte für die Frankreich-Rundfahrt zu entdecken. Doch in diesem Jahr gelang den Streckenplanern ein kleiner Coup: Die 17. Etappe startete auf dem Pont du Gard, einem rund 2000 Jahre alten römischen Aquädukt. Das war auch für die Fahrer etwas Neues. Glücklicher wären sie aber gewesen, wenn dort tatsächlich noch Wasser fließen würde.

Blickfang: Der Pont du Gard
Christophe Ena / DPA

Blickfang: Der Pont du Gard

Ausgerissen: Kaum war der scharfe Start erfolgt, setzte sich eine 33 Fahrer starke Ausreißergruppe um Etappenjäger wie die Belgier Van Avermaet und Thomas de Gendt ab. Nachdem die Favoriten auf den Gesamtsieg abgecheckt hatten, dass ihnen keiner der Fahrer gefährlich werden könnte, ließen sie die Gruppe fahren. Der Abstand wuchs auf fünf, auf zehn und dann auf 20 Minuten.

Abkühlung gesucht: Dass die Nachführarbeit im Feld nicht mit großer Konsequenz verfolgt wurde, lag zum einen an den für das Gesamtklassement wenig gefährlichen Ausreißern. Zum anderen spielte aber auch das Wetter eine Rolle: Bei Temperaturen um die 35 Grad hatten die Profis schon alle Hände voll damit zu tun, sich dauernd Wasser über die Köpfe zu schütten. Dass dann zwischendurch ein Regenschauer über die Strecke zog, dürfte die Fahrer gefreut haben.

Kühlwesten liegen bei der Tour im Trend
Thibault Camus / AP

Kühlwesten liegen bei der Tour im Trend

Vaterfreuden: Der deutsche Ausreißer Nils Politt ließ sich kurz zum Teamfahrzeug zurückfallen, nahm eine Trinkflasche entgegen und musste dann lachen. Ein Betreuer hielt ihm auch noch einen Schnuller entgegen. Im Ziel rückte der 25-Jährige mit der Sprache heraus. Bereits in der vergangenen Woche sei er Vater einer Tochter geworden. "Jetzt ist es raus. Ich freue mich umso mehr, am Montag nach Hause zu kommen", sagte Politt: "Aber wo der Schnuller herkam, weiß ich nicht."

Leer ausgegangen: Noch keinen Etappensieg haben die Teams Cofidis und UAE bei dieser Tour eingefahren. Am Mittwoch wollten sie es erzwingen, beide Teams schickten jeweils vier Fahrer in die Ausreißergruppe. Doch die wurde 30 Kilometer vor dem Ziel auseinandergesprengt und Trentins Antritt konnte dann keiner folgen. Wieder gingen die beiden Teams leer aus.

Zwist im Feld: Lukas Rowe und Tony Martin fuhren wenige Kilometer vor dem Ziel gemeinsam an der Spitze. Dann kamen sich die beiden Fahrer aber ins Gehege. Martin wurde sauer und fuhr Rowe so in die Bahn, dass der Waliser fast in den Straßengraben gestürzt wäre. "Wir beide machen den gleichen Job, es war nichts Besonderes", sagte Rowe in Gap: "Ich bin mit ihm über die Zielline gerollt, es ist alles in Ordnung, wir haben uns die Hand gegeben."

Wie geht es weiter? Ab Donnerstag wird es richtig ernst. Welcher der drei Alpentage die Königsetappe sein soll, ist kaum zu sagen. Die 18. Etappe führt über 208 Kilometer von Embrun nach Valloire, dabei sind zwei Berge der höchsten Kategorie zu erklimmen: Der Col d'Izoard und der Col du Galibier. Hier sind die Favoriten auf den Gesamtsieg gefordert. Die ersten Attacken sind zu erwarten.



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jgnaneswaran95 24.07.2019
1.
Herzlichen Glückwunsch, Herr Trentin :)
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