Tour de France Medikamente im Müll mehrerer Teams gefunden

Positive Dopingtests wurden bei der diesjährigen Tour de France nicht vermeldet, dennoch gibt es Hinweise auf Betrug: So wurden während der Rundfahrt im Müll einiger Teams Präparate gefunden, die sich zur verbotenen Leistungssteigerung eignen.


Hamburg - Neuer Schatten über der Tour de France: Pierre Bordry, Chef der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD, sagte der Tageszeitung "Le Monde", dass in Mülleimern verschiedener Radteams während der Rundfahrt Medikamente entdeckt worden sind.

Pillen verschiedener Art: Während der Tour Medikamente im Müll gefunden
DDP

Pillen verschiedener Art: Während der Tour Medikamente im Müll gefunden

"Wir haben einige Präparate gefunden, beispielsweise eine Substanz, die Insulin produziert und normalerweise bei Diabetes eingesetzt wird", sagte Bordry.

Der Dopingfahnder zeigte sich insgesamt äußerst skeptisch: Er glaube nicht an eine saubere Tour, so Bordry. Vielmehr sei er davon überzeugt, dass während der Rundfahrt "wahrscheinlich Bluttransfusionen vorgenommen worden sind".

Zudem geht er davon aus, dass zwei neue Produkte eingesetzt wurden. Dabei soll es sich zum einen um Hematide handeln, ein Produkt, dass ähnlich wie Epo wirkt, jedoch anders aufgebaut ist. Zum anderen um Aicar, das die Kraftwerte steigert und Fett verbrennt. Verfahren zum Nachweis beider Substanzen könnten vielleicht schon im Herbst zur Verfügung stehen, sagte Bordry.

Die Dopingkontrollen bei der Tour lagen in diesem Jahr zwar in der Verantwortung des Weltverbandes UCI. Für mehr Wirbel sorgte jedoch die AFLD. Sie hatte unlängst angekündigt, Proben aus der Tour 2008 nochmals zu untersuchen. Das sorgte bei den Teams für Verstimmung: "Bordrys Ego ist etwas zu groß geworden. Man kommt mit Fakten oder ist zurückhaltend", sagte Milram-Teamchef Gerry van Gerwen.

Bereits während der Tour hatte Bordry der UCI vorgeworfen, zu nachlässig zu testen. Auslöser der Kritik war ein Zwischenfall, bei dem das Team Astana die Kontrolleure lange warten ließ.

Insgesamt waren bei der 96. Tour de France 520 Kontrollen geplant, positive Befunde gab es bislang nicht. Gesamtsieger wurde der Spanier Alberto Contador - auch er ist aufgrund seiner Vergangenheit nicht unverdächtig.

hut/sid/dpa



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