Tour de France Die Luft wird dünner

Nairo Quintana liebt die Berge - und hat die Königsetappe der Tour de France gewonnen. Die Konkurrenz hofft nun auf den Einbruch des Gesamtführenden Julian Alaphilippe.
"Jeder weiß, dass ich in der Höhe lebe": Nairo Quintana

"Jeder weiß, dass ich in der Höhe lebe": Nairo Quintana

Foto: Gonzalo Fuentes / REUTERS

Szene der Etappe: Es wurde gerade steil am Col du Galibier, da stieg Nairo Quintana aus dem Sattel und setzte sich mit zwei, drei Tritten einige Meter von der Fluchtgruppe ab. Romain Bardet und Alexey Lutsenko schauten sich an, aber keiner verfolgte Quintana. Als sie es dann doch taten, war es schon zu spät. Quintana fuhr den Galibier alleine hinauf und war in der Abfahrt nicht mehr einzuholen.

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Ergebnis der Etappe: Quintana gewann die 208 Kilometer lange Königsetappe der Tour de France von Embrun nach Valloire mit zwei Bergen der höchsten Kategorie vor Bardet und Lutsenko. Im Rennen um das Gelbe Trikot tat sich wenig. Toptalent Egan Bernal holte knapp 30 Sekunden auf und schob sich vor seinem Teamkollegen Geraint Thomas auf den zweiten Platz. Aber Julian Alaphilippe hat immer noch 1:30 Minuten Vorsprung. Hier geht es zum Etappenbericht.

Über den Wolken: "Jeder weiß, dass ich in der Höhe lebe und dass das die Art von Pass ist, die ich gut kenne", sagte der Kolumbianer im Ziel. Sein Klettertalent stellte er eindrucksvoll auf über 2000 Metern unter Beweis, dort, wo die Luft dünn wird. Quintana verbesserte Fränk Schlecks Rekordzeit von 2011 auf diesem Weg zum Gipfel des Galibier um rund eine Minute auf 22:08 Minuten. In Valloire klärte Quintana auch auf, welcher Fleck sich auf seinem Trikot befand: "Es ist kein Blut, es ist Gel, das ich auf dem Trikot verrieben habe."

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Rauswurf des Panzerwagens: Tony Martin, Spitzname "Panzerwagen", und sein Kontrahent Luke Rowe waren nach ihrer Rangelei auf der 17. Etappe noch am Abend disqualifizert worden. Ihre Teams Jumbo-Visma und Ineos legten Einspruch ein. Bis wenige Minuten vor dem Etappenstart am Donnerstag hatten die beiden Fahrer noch auf die Nachsicht der Organisatoren gehofft. Am Ende durften Martin und Rowe aber nicht starten. Im Interview mit dem SPIEGEL kritisierte der Deutsche die Entscheidung.

Die Flucht der 34: Viele Fahrer setzten nach dem scharfen Start Attacken, aber das Peloton ließ lange keine Fluchtgruppe weg. Erst nach dem Zwischensprint nach rund 50 Kilometern löste sich eine Gruppe von 34 Fahrern und entkam dem Hauptfeld. Darunter Bergspezialisten wie Quintana und Bardet, aber auch Etappenjäger wie Greg van Avermaet oder Simon Geschke. Die Punktwertung hatte derweil keine große Auswirkung auf den Gesamtstand im Rennen um das Grüne Trikot. Peter Sagan wird das Maillot Vert wohl nach Paris tragen.

Topspeed: Schon auf der ersten längeren Abfahrt den Col de Vars hinab stellte der Deutsche Nils Politt einen neuen Geschwindigkeitsrekord der 106. Tour de France auf. Mit 101,5 km/h jagte er die Straße hinab.

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Der Kletterer: In den Pyrenäen hatte Lennard Kämna immer wieder attackiert und sich dort schon über einen sechsten Etappenplatz gefreut. Das Ergebnis toppte der 22-Jährige auf der Königsetappe, als starker Vierter fuhr er ins Ziel. "Ich bin superhappy damit. Der Galibier war der Hammer. Das ist das, worauf ich immer gehofft habe", sagte Kämna, für den es die erste Tour de France seiner Karriere ist.

Wellens geschlagen: Seit der dritten Etappe trug der Belgier Tim Wellens das Trikot des besten Bergfahrers. Trotz großen Einsatzes konnte er es auf der ersten Alpenetappe aber nicht verteidigen. Der Franzose Bardet wurde bei drei Bergwertungen Zweiter und sammelte damit genug Punkte, um Wellens das Dress wegzunehmen. "Das Gepunktete Trikot zu verteidigen, ist mein einziges Ziel für die restliche Tour", sagte Bardet.

"Einziges Ziel": Romain Bardet schlüpfte ins Bergtrikot

"Einziges Ziel": Romain Bardet schlüpfte ins Bergtrikot

Foto: Marco Bertorello / AFP

Abgefahren: Am Galibier attackierten gleich beide Ineos-Kapitäne den Gesamtführenden Alaphilippe. Erst fuhr Bernal davon, dann auch noch Thomas. Doch der Mann in Gelb holte in einer waghalsigen Abfahrt zur Gruppe der Mitfavoriten auf. Bis zu Bernal schaffte es Alaphilippe allerdings nicht mehr.

Wie geht es weiter? Wer auf Alaphilippes Einbruch in den Alpen wartete, wurde am Donnerstag enttäuscht. Für die Mitfavoriten wird die Luft dünner. Bernal, Thomas, Pinot und Co. müssen auf zwei weiteren Alpenetappen am Freitag und Samstag Alaphilippe anderthalb bis zwei Minuten abnehmen. Aber auch für Alaphilippe könnte die Luft dünner werden, sagt zumindest die Konkurrenz. "Ich denke schon, dass wir ihn jetzt über das Limit hinausbringen können, und er dann irgendwann einbricht", sagte der Gesamtsechste Emanuel Buchmann. Vielleicht schon am Freitag auf dem Dach der Tour, dem 2770 Meter hohen Col de l'Iseran.