Tour de France Sastre fährt im Gelben Trikot nach Paris

Der Tour-Sieg 2008 wird an Carlos Sastre gehen. Mit einer tollen Leistung im Zeitfahren verteidigte der Spanier seinen Vorsprung im Gesamtklassement vor Cadel Evans. Den Etappensieg holte sich Stefan Schumacher vom Team Gerolsteiner.


Hamburg - Mit dem zweiten Zeitfahrsieg von Stefan Schumacher und dem voraussichtlichen Gewinn des Gelben Trikots durch Carlos Sastre gab es auf der vorletzten Tour-Etappe zwei unerwartete Erfolge. Während der Gesamtspitzenreiter aus Spanien im 53 Kilometer langen Kampf gegen die Uhr einen Vorsprung von 1:05 Minuten auf seinen australischen Rivalen Cadel Evans behauptete und damit am Sonntag im Gelben Trikot nach Paris fährt, wiederholte Schumacher überraschend seinen Erfolg vom ersten Zeitfahren vor 18 Tagen.

Das glänzende Ergebnis für das Team Gerolsteiner komplettierte der Österreicher Bernhard Kohl, der als Dritter seinen Podiumsplatz erfolgreich verteidigte. Schumacher wies mit 1:03:50 Stunden im Ziel in St. Amand-Montrond 21 Sekunden Vorsprung auf den zweimaligen Zeitfahrweltmeister Fabian Cancellara (CSC) auf. "Unser Team hat einfach eine Welle erwischt, die Tour ist für uns super gelaufen", erklärte Schumacher nach dem Rennen.

Sein eigener Erfolg kam für den 27-Jährigen nicht so überraschend: "Ich wusste, dass ich noch gute Beine hatte und habe schnell meinen Rhythmus gefunden. Ich habe das erste Mal über drei Wochen eine konstante Form gehalten." Auch Kohl, der bereits als Gewinner des Bergtrikots feststand, fuhr ein starkes Zeitfahren. "Das hätte ich absolut nicht erwartet. Auf das Podium zu fahren bei der Tour ist einfach Wahnsinn. Ich kann es noch gar nicht fassen", sagte der Kletterspezialist.

Auch Sastre im Gelben Trikot war in blendender Verfassung. Gegenüber dem favorisierten Evans verlor der 33-Jährige als Tageszwölfter nur wenige Sekunden und steht unmittelbar vor dem größten Erfolg seiner Karriere. Die Führung in der Gesamtwertung hatte der Tour-Dritte von 2006 mit seinem Etappensieg in L'Alpe d'Huez am Mittwoch erkämpft.

Dagegen verlief das entscheidende Zeitfahren für Evans enttäuschend. Der Silence-Lotto-Kapitän, der Etappensiebter wurde, fand nie zu seinem Rhythmus und lag schon bei der ersten Zwischenzeit klar hinter Schumacher zurück. Auch gegenüber Sastre konnte der 31-Jährige seine üblichen Qualitäten im Kampf gegen die Uhr nie ausspielen, so dass er wohl wie im vergangenen Jahr mit dem zweiten Gesamtplatz vorliebnehmen muss.

Noch bei der ersten Zwischenzeit, bei der Schumacher gleichauf mit Cancellara lag, hatte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer die Erwartungen gedämpft. "Das ist sensationell. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er das bis zum Schluss durchhält." Im Ziel war der 54-Jährige dann völlig überwältigt: "Eine überragende Leistung. Das hätte ich nicht erwartet." Holczers Glück machte Kohl perfekt, der als Neunter der Tageswertung seinen dritten Platz im Gesamtklassement behauptete.

Ein gutes Ergebnis erzielte auch Schumachers Teamkollege Sebastian Lang als Achter (1:06:09 Stunden). "Der Kurs war schwerer als erwartet, aber ich bin zufrieden, wie es für mich gelaufen ist. Nachdem ich in dieser Tour sehr viel für Bernhard Kohl gearbeitet habe, hielten sich meine eigenen Ambitionen jedoch in Grenzen", erklärte der 28-Jährige.

Für Jens Voigt, der zur Unterstützung seines Kapitäns Sastre auf zahlreichen Etappen viel Tempoarbeit hatte leisten müssen, reichte es diesmal nur zum 14. Rang (1:06:49 Stunden) - sieben Plätze schlechter als bei seinem glänzenden siebten Rang von Cholet. "Nach den schweren drei Wochen, in denen ich viel arbeiten musste, bin ich ganz zufrieden", sagte der 36-Jährige. Das letzte Zeitfahren brachte in der Tour-Geschichte schon häufiger die Entscheidung im Gesamtklassement.

Erst im vergangenen Jahr rettete der Spanier Alberto Contador 23 Sekunden seines Vorsprungs von 1:50 Minuten auf den zweitplatzierten Evans und holte sich damit den Tour-Sieg. Ein Jahr zuvor überflügelte Floyd Landis im entscheidenden Zeitfahren den Spanier Oscar Pereiro, wobei dem Amerikaner das Gelbe Trikot wegen Testosterondopings nachträglich wieder aberkannt wurde. Das knappste Duell lieferten sich Greg LeMond aus den USA und der Franzose Laurent Fignon 1989, als LeMond den abschließenden Kampf gegen die Uhr in Paris gewann und damit Fignon im Gesamtklassement noch um 8 Sekunden distanzierte.

Wenn die Tour de France am Sonntag traditionell mit der Schlussetappe auf den Champs-Elysées zu Ende geht, wird es indes keinen Angriff auf den Spitzenreiter mehr geben. Mit dem 143 Kilometer langen 21. Teilstück, das in Etampes vor den Toren der französischen Hauptstadt gestartet wird, komplettiert die Tour ihre diesjährige Gesamtlänge von 3559,5 Kilometer. Wie üblich werden die Mannschaften der besten Sprinter alles dafür tun, im Finale einen Massenspurt herbeizuführen.

jar/sid

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