Tour de France 19. Etappe wegen Hagel abgebrochen - Bernal erobert Gelb

Egan Bernal ist der neue Gesamtführende der Tour de France. Der Kolumbianer war als Erster auf dem Col de l'Iseran - und profitierte auf der Fahrt zum nächsten Berg vom wetterbedingten Rennabbruch.

Egan Bernal beim Aufstieg auf den Col de l'Iseran
Thibault Camus AP

Egan Bernal beim Aufstieg auf den Col de l'Iseran


Ein massiver Hagelsturm hat die 19. Etappe vorzeitig beendet. Die Organisatoren der Tour de France informierten die Fahrer auf der Abfahrt vom Col de l'Iseran, dem Dach der diesjährigen Tour auf 2764 Meter. Etwa 30 Kilometer vor dem Ziel, kurz bevor der letzte Berg des Tages anstand, waren die Straßen nicht passierbar und die Etappe wurde aus Sicherheitsgründen neutralisiert, was einem Rennabbruch gleichkommt.

Wenig später wurde bekannt gegeben, das Ergebnis vom Gipfel des Col de l'Iseran werde als Ergebnis der 19. Etappe gewertet. Der Kolumbianer Egan Bernal, als Gesamtzweiter in den Tagesabschnitt gegangen, hatte den Berg als Erster gemeistert - als offizieller Etappensieger gilt er trotzdem nicht. Ohnehin viel wichtiger für Bernal: Er hatte dem Führenden Julian Alaphilippe genug Zeit abgenommen, um das Gelbe Trikot zu übernehmen. Bernal geht mit eine Vorsprung von 45 Sekunden vor Alaphilippe in die vorletzte Etappe.

Der Abbruch des Rennens kam plötzlich. Auf der Abfahrt brachen Alaphilippe, Bernal und die weiteren Favoriten um den Deutschen Emanuel Buchmann plötzlich ihr hohes Tempo ab, als ihnen per Funk mitgeteilt wurde, dass das Teilstück vorzeitig ende. Eine Weiterfahrt nach Tignes erwies sich als unmöglich, große Bagger mussten den Berg von Wassermassen und Hagel befreien. "Es wäre zu gefährlich gewesen. Man hat eine gute Lösung gefunden, die Zeit oben am Iseran zu nehmen", sagte Bora-hansgrohe-Teamchef Ralph Denk in der ARD.

Buchmann fuhr zeitgleich mit Vorjahressieger Geraint Thomas und dem in der Gesamtwertung knapp vor ihm liegenden Steven Kruijswijk über den Pass und wahrte damit seine Chancen auf einen Podestplatz in Paris. Thomas liegt in der Gesamtwertung mit einem Rückstand von 1:03 Minuten auf dem dritten Platz vor Kruijswijk (1:15) und Buchmann (1:42).

Julian Alaphilippe musste wie alle anderen vorzeitig ins Auto steigen
Thibault Camus DPA

Julian Alaphilippe musste wie alle anderen vorzeitig ins Auto steigen

Der 22 Jahre junge Bernal ist nun neuer Topfavorit auf den Triumph bei der 106. Tour de France. Er wird in Gelb die 20. Etappe nach Val Thorens, bei der es am Ende zu einem 33,4 Kilometer langen Schlussanstieg kommt, bestreiten. Sein Co-Kapitän Thomas, Kruijswijk, Alaphilippe und Buchmann blieben aber in Lauerstellung.

Aus französischer Sicht war die 19. Etappe ein sehr schlechter Tag. Alaphilippe büßte die Gesamtführung ein und zuvor musste mit Thibaut Pinot ein weiterer Mitfavorit verletzt aussteigen. Der Pechvogel der vergangenen Tour-Jahre stieg unter Tränen vom Rad.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, dass Schneefälle zum Abbruch der Tour geführt hätten - so berichten es auch mehrere Nachrichten- und Fotoagenturen, die vor Ort sind. Laut Wetterexperten war es in der betroffenen Region aber zu warm für Schneefälle, es müsse sich demnach um Hagel handeln. Bislang herrscht keine eindeutige Klarheit.

krä/dpa



insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
.patou 26.07.2019
1.
Das war ja mal ein ziemlich gebrauchter Tag für die Franzosen. Erst das Drama um Pinot und dann wird Alaphilippe um den Etappenabschnitt gebracht, der ihm noch eine Chance gelassen hätte. Im Hinblick auf Spannung allerdings die interessanteste Tour seit Jahren. Wobei ich nicht glaube, dass Bernal sich den Gesamtsieg noch nehmen lässt, obwohl Florian Naß sich ja alle Mühe gibt, Buchmann auf's Podium zu quatschen.
ulaij 26.07.2019
2. glücklicher Bernal
Das war wohl der toursieg für Bernal. Ich glaube nicht, dass er seinen Vorsprung die restlichen 30km alleine gehalten hätte. Das wäre ein sehr weiter Weg bis ins Ziel gewesen. Der Verlierer dürfte klar Thomas sein. Denn Teamstrategie war wohl in erster Linie Alaphilppe platzen zu lassen. Leider wirklich die absolut richtige Entscheidung.
Alter Haase 26.07.2019
3. Chemische Hilfe?
So, so, uns wollen alle weismachen, daß das alles ohne Chemie möglich ist. Träumt weiter vom sauberen Sport. Wer Sieger werden will, muß zur chemischen Keule greifen. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Grüße aus Peine
wenndannjetzt 26.07.2019
4. Gute Rennleitung
Das hat die Rennleitung gut und schnell entschieden, bevor einer der Fahrer zu Schaden kommen konnte. Trotzdem ist verständlich, dass mancher Fahrer enttäuscht ist. Für Alaphilippe tut es mir leid. Ich hoffe, dass er zumindestens noch einen Podestplatz erreicht.
Prussia Culé 26.07.2019
5. Chaos et le drame du Pinot
Da stehen die Chance so gut wie selten, dass nach 34 Jahren endlich wieder ein Franzose die Tour gewinnen kann und dann zerplatzen die Träume unter bitteren Tränen. Da kann man nicht anders als mit Pinot mitfühlen, das ist mehr als schade. ----- Die Etappe war in den ersten 1-2 Rennstundenvon Kilometer 0 an sehr chaotisch und hektisch; also ein Auftakt, bei der dir Spannung sofort da war. Und als ob das noch nicht genug wäre, kommt ein Hagelschauer, bei dem die Franzosen auf France2 schon von einer "dramaturgie épique" sprachen. Letztlich blieb nichts anderes übrig als der Abbruch. Da wälzte sich derart viel Schlamm und Eis auf die Strecke, selbst Peter Sagan hätte da mit seinen Bunnyhops keine Chance gehabt ;-) Alaphilippe hätte in der Abfahrt Zeit auf Bernal gut machen können. Ob aber auf dem kurzen Flachstück alles wieder zusammengelaufen wäre? Auch Alaphilippe war ja isoliert. Auf den Schlussanstieg - wenn auch nicht sehr schwer und lang - hätte er wahrscheinlich wieder Zeit verloren. Aber: hätte, hätte...
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