Tour-de-France-Sieger Riis "Epo war ein Teil meines Alltags"

Die nächste Doping-Beichte, und der Name ist der bisher prominenteste: Der frühere Team-Telekom-Kapitän Bjarne Riis hat gestanden, Epo genommen zu haben. Lesen Sie im Minutenprotokoll von SPIEGEL ONLINE die Pressekonferenz des Tour-de-France-Siegers von 1996 nach.


CSC-Teammanager Riis: "Vielleicht bin ich nun kein Held mehr"
AP

CSC-Teammanager Riis: "Vielleicht bin ich nun kein Held mehr"

17:34 Uhr Die Pressekonferenz Riis' neigt sich dem Ende zu. Wieder hat ein ehemaliger Profi des Team Telekom aus den neunziger Jahren gestanden, Doping konsumiert zu haben. Und die Namen werden immer prominenter. Mit Riis outete sich nun sogar der Toursieger und Kapitän des Magenta-Rennstalls von 1996. Der Däne hat aber nach eigenen Aussagen nicht erst nach seinem Wechsel 1995 zu Telekom mit dem Doping begonnen, sondern schon 1993.

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17:32 Uhr "Vielleicht bin ich nun kein Held mehr. Und wenn ich Leute enttäuscht habe, dann tut mir das leid."

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17:31 Uhr Riis bestreitet nun sogar, jemals in der Nähe eines Hämatokrit-Wertes von 60 gewesen zu sein. "Ich war über 50, ja." Wenn man der Meinung sei, ihm den Toursieg von 1996 aberkennen zu müssen, "gut, dann soll es so sein. Das Trikot passt mir eh nicht mehr richtig. Damals hat es gut gepasst."

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17:25 Uhr "Das Ganze hängt mir heute so zum Hals heraus, dass ich nicht mal mehr Vitaminpillen nehme."

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17:21 Uhr Riis' Pressechef Bryan Nygaard sagt, er erwarte keine Reaktionen von den Teamsponsoren. "Nur die Auflagen der Zeitungen werden steigen."

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17:16 Uhr "Ich sitze hier, weil mein Team mich zu 100 Prozent braucht. Ich verschwende zu viel Zeit für Dinge, die nichts mit meinem Team zu tun haben. Deshalb musste ich das hinter mir lassen." Aber wie glaubhaft sind Sie denn? Wie können Sie sagen, dass Sie nicht wissen, ob Jan Ullrich gedopt war? "Ich habe keinen Beweis, dass Jan Ullrich gedopt hat. Fragen Sie ihn selbst. Er habe nicht mit den Ärzten diskutiert, ob Ullrich gedopt hat. Das ist eine private Angelegenheit."

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17:13 Uhr Nach der Tour 1998 (Festina-Skandal) habe Riis beschlossen, dass der Radsport sauber werden müsse.

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17:11 Uhr Wieviele Bekenntnisse erwarten Sie noch? "Ich weiß nicht, man kann doch nicht erwarten, dass sich jetzt alle bekennen. Wie soll das aufhören?", fragt Riis, der betont, dass vor allem das Anti-Doping-Programm in Gang komme. "Die Vergangenheit kann man nicht mehr ändern."

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17:09 Uhr "Manchmal vergisst man auch bestimmte Dinge, es ist ja eine lange Zeit vergangen. Das ist ja auch gar nicht so schlecht." Eins weiß Riis noch: Er habe neben Epo auch Wachstumshormon genommen.

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17:07 Uhr Nun bestreitet der ehemalige Telekom-Kapitän, anderen die Schuld für sein Doping geben zu wollen, "das ist falsch. Jeder ist für das verantwortlich, was er tut."

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17:04 Uhr In seiner Familie sei bekannt gewesen, dass er gedopt habe, sagt Riis. "Die wussten das, meine beiden kleinen Jungs haben das nicht verstanden, die älteren Söhne wussten es." Der Däne betont immer wieder, wie gut er sich gerade fühle und es auch nicht schwer gewesen sei, diesen Schritt zu gehen.

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17:02 Uhr Ob die Entwicklungen in Deutschland entscheidend für seinen Entschluss gewesen seien? "Es musste alles passen, der Zeitpunkt, die Umstände." Und wenn Aldag und Holm nicht gestanden hätten? Hätten Sie geschwiegen? "Dazu kann ich nichts sagen, es war meine ganz eigene Entscheidung."

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16:58 Uhr "Ich hatte genug von dem, was geschehen war. Als ich meine Karriere beendet hatte, hing mir das Ganze schon zum Hals heraus." Riis erklärt, er habe aber nicht loslassen können. Das, was er heute mache, sei "der einzige Weg, den man gehen kann". Die Testsysteme seien heute fast nicht mehr zu bezwingen. Der Däne versteigt sich zu der Aussage, wenn das Testsystem zu seiner Zeit schon so gut gewesen wäre, "dann wäre das Problem nicht so bedeutend geworden". Die Radprofis seien doch gerade zum Dopen "verführt" worden.

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Riis: "Ich mache das für mein Team"
AFP

Riis: "Ich mache das für mein Team"

16:55 Uhr Zu den Beweggründen für seine Entscheidung, sich zu outen, sagt Riis, er habe das "für seine Mannschaft getan". er könne der Mannschaft und dem Radsport so viel geben, "aber ich konnte das nicht mehr. Ich hatte zwei Möglichkeiten: aus dem Radsport zu verschwinden - oder zu bleiben, und das zu tun, was nötig ist."

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16:50 Uhr "Man kann soviel dopen, wie man will. Wenn man nicht richtig trainiert, kann man auch nicht gewinnen." Riis wird gefragt, ob sein ehemaliger CSC-Fahrer Ivan Basso gedopt gewesen sei? "Mir ist nichts aufgefallen", sagt Riis. Er bestreitet jedoch, jemals einen "Hämatokrit-Wert von 64 Prozent" gehabt zu haben, wie von D'hont behauptet. Immerhin habe der Belgier ihm die erste Spritze gesetzt, "unser Verhältnis ist nicht mehr so, wie es sein sollte. Wahrscheinlich stehe ich deshalb auf seiner Schwarzen Liste."

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16:48 Uhr Zur Frage, ob auch der damalige Sportliche Leiter Walter Godefroot von der Dopingpraxis gewusst habe: Godefroot hat "ein blindes Auge gehabt", ob er was gewusst hat, weiß ich nicht. Wissen Sie, ob Jan Ullrich gedopt war? "Nein, ich weiß es nicht."

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16:45 Uhr Riis habe mit elf Jahren Lügen leben können, erklärt er. Ob man ihm nun trauen könne? "Weiß ich nicht." Es sei ihm nun wichtig, die Wahrheit zu sagen. "Das ist etwas, was sich entwickelt hat. Und die Fans, die ihm jahrelang zugejubelt haben? "Bei denen muss ich mich entschuldigen, aber ich hoffe trotzdem, dass es ein schönes Erlebnis war."

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16:44 Uhr Der Däne beichtet, von 1993 bis 1998 gedopt zu haben. Details über Dosierungen will er nicht nennen. "4000 Einheiten alle zwei Tage bei der Tour 1996 - wen interessiert das?" Riis bestätigt damit jedoch direkt die Angaben des ehemaligen Telekom-Masseurs Jef D'hont.

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16:43 Uhr Riis sagt, "so war die Zeit eben damals." Auf die Frage eines Journalisten, der ihn 1998 interviewt hatte, was er denn jetzt denke, erklärt Riis: "Was hätte ich denn sagen sollen?"

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16:42 Uhr Riis sagt, er sei stolz auf seine Ergebnisse, selbst wenn sie mit unerlaubten Mitteln zustande gekommen seien. "Ich habe dafür gekämpft." Die Erinnerungen und die Erlebnisse von damals habe er "für immer". Er sei auch zufrieden mit dem, was er heute tue.

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16:41 Uhr Riis sagt, er wolle Mittel bereitstellen zu beweisen, dass die Fahrer seines CSC-Teams sauber seien. "ich bitte aber auch um Kredit von den wichtigsten Sponsoren", so der Däne, der erklärt, die Sponsoren schon informiert zu haben.

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16:40 Uhr Riis behauptet, die "Dinge im Radsport" hätten sich zum Glück radikal gewandelt.

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16:37 Uhr "Damals konnte man es nicht nachweisen, heute geht es zum Glück", sagt Riis, der aber ausdrücklich erklärt, nicht für andere sprechen zu können. Sein Arzt Luigi Cecchini habe keine Ahnung gehabt, Cecchini habe ihn sogar gewarnt.

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16:33 Uhr "Ich war Radfahrer zu den Bedingungen, die damals Radfahrer hatten", sagt Riis. Er habe Doping genommen, Epo, so Riis, "ich habe es gekauft und selbst verabreicht. Ich möchte mich an dieser Stelle entschuldigen. Ich habe Fehler gemacht, ich habe Dinge getan, die verboten waren und verboten sind." Er sei Teil eines Sports gewesen, "der sich zum Glück entwickelt habe".

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16:30 Uh r Riis sagt, er erkläre sich als Privatperson. Er wolle nicht, dass die heutige Arbeit seines Teams beschädigt werde. "Ich hatte niemals das Gefühl etwas bekennen zu müssen. Aber jetzt ist die Zeit, die Karten auf den Tisch zu legen."

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Riis hat seit 1999 mit Dopinggerüchten zu kämpfen. In der Szene wurde er in der Folge als "Mister 60 Prozent" bekannt. Sein Hämatokritwert soll die erlaubten 50 Prozent bei Saisonhöhepunkten regelmäßig weit überschritten haben. Bislang wehrte sich der Däne jedoch energisch gegen jede Art von Anschuldigung.

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Herzlich Willkommen zum Liveticker von SPIEGEL ONLINE. Bjarne Riis will sich ab 16.30 Uhr in Kopenhagen den Pressevertretern stellen. Nach den Geständnissen von bereits sieben Teamkollegen, darunter Rolf Aldag und Erik Zabel, erwartet die Öffentlichkeit ein weiteres Geständnis. Dieses Mal vom Kapitän höchstpersönlich. Die Meldung von der Pressekonferenz Riis' ging direkt nach der Beichte der Kollegen Aldag und Zabel über die Agenturen.

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Seite 1
shokaku 24.05.2007
1.
Natürlich beides.
inci 24.05.2007
2.
Zitat von sysopRadsport-Beichten - sind Radfahrer Täter oder Opfer?
lieber sysop, sie sind teil eines systems, so wie sie und ich auch. lediglich die höhe des schmerzensgeldes dürfte in den individuellen fällen stark differieren. und, sind wir nicht alle ein bißchen dedopt.....?
Newspeak, 24.05.2007
3.
Beides. Opfer, weil sie in Kauf nehmen ihren Körper für ihren Sport massiv zu schädigen und weil das Vertrauensverhältnis zwischen Trainer, Arzt und Athlet häufig von ersteren missbraucht wird, ohne daß es dem einzelnen Sportler immer bewusst wäre. Andererseits ist es zu billig, den Sportler von jeder Schuld freizusprechen, ich denke, die allermeisten Sportler, die dopen, wissen ganz genau, was sie tun und haben auch ein gutes Gespür dafür, daß sie betrügen. Und dopen trotzdem. Insofern sollten sie auch die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen, sie verschaffen sich ja auch bei erfolgreichem Doping, d.h. durch Betrug, ansehnliche Summen durch Sponsorenverträge, Werbung etc., warum also sollten sie als Begünstigte bei einer Bestrafung leer ausgehen? Oder man ist konsequent und gibt jede Form von Doping frei, dann hat man halt einen Wettkampf, weniger um die Lesitungen des Sportlers, als um die beste Chemiefirma...wer das dann sehen möchte...
console 24.05.2007
4. Ich sehe sie eher als Opfer.
Da es bei der Tour kein Trikot für den ersten ungedopten Fahrer gibt, bleibt einem Leistungssportler über kurz oder lang nur der griff zu Unerlaubtem. Wenn man dies auch noch vom eigenen Teamarzt bekommt, um so leichter... Ganz nebenbei: Das Leistungsgefälle unter den Fahrern ist für mich schon immer sehr auffällig gewesen. Wenn eine Gruppe zeitgleich das Ziel erreicht, und auch nur einer aus dieser Gruppe gedopt ist, was ist dann mit den anderen?
Pinarello, 24.05.2007
5.
Zitat von sysopRadsport-Beichten - sind Radfahrer Täter oder Opfer?
Siehe Udo Bölts Geständnis: "Mit EPO angefangen zu dopen weil die Zukunft des Telekomengagment auf der Kippe stand, in den Anfangsjahren des Telekomteams ist man immer hinterher gefahren und mit EPO-Doping konnte man mit allen anderen mithalten". Stellt sich jetzt die Frage, erst Opfer und dann Täter oder umgekehrt. Zum damaligen Zeitpunkt, wir reden ja von Anfang bis Mitte der 90er Jahre, gab es für einen Profiradrennfahrer gar keine andere Möglichkeit, außer auf seinen Beruf Rennradfahrer gleich zu verzichten. Anzumerken bleibt auch, daß der Radsportverband UCI unter seinem Präsidenten Hein Verbruggen die Dopingsproblematik ebenfalls unter den Keller kehrte und nur nach solchen Substanzen wie Anabolika fahndete, weil man wußte daß die eh nicht mehr genommen werden.
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