Tour de France Kurvendiskussion in den Pyrenäen

Bei der Tour de France flüchtete eine riesige Ausreißergruppe in den Pyrenäen vor dem Peloton. Simon Yates gewann dank einer taktischen Meisterleistung - ein anderer Fahrer stieg unter mysteriösen Umständen aus.

Simon Yates jubelte nach einem spannenden Zielsprint
GUILLAUME HORCAJUELO/EPA-EFE/REX

Simon Yates jubelte nach einem spannenden Zielsprint

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Szene der Etappe: Zu dritt fuhren Simon Yates, Georg Mühlberger und Pello Bilbao die letzten hundert Meter. Dabei hielt sich Yates clever an den Hinterrädern seiner Konkurrenten und setzte geschickt in der letzten Linkskurve zum Sprint an. Mühlberger und Bilbao konnten nicht mithalten. Yates schlug sich vor Freude über den Etappensieg wie ein Gorilla auf die Brust.

Kurvendiskussion: "Ich wusste nicht, wie schnell die beiden anderen sind", sagte der Brite: "Mein Sportdirektor hat mir gesagt, ich solle die letzte Kurve als Erster nehmen. Ich bin froh, dass es so gut gelaufen ist." Yates hat durch seinen Erfolg in Bagnères-de-Bigorre nun Etappensiege bei allen drei Grand Tours, also auch der Vuelta und dem Giro d'Italia, eingefahren.

Klassement der Etappe: Yates gewann die 209,5 Kilometer lange erste Pyrenäen-Etappe von Toulouse nach Bagnères-de-Bigorre vor Bilbao und Mühlberger. Die drei kamen fast zehn Minuten vor dem Peloton ins Ziel, das hatte aber keine Auswirkungen auf das Gelbe Trikot. Julian Alaphilippe trägt das Maillot Jaune auch beim Einzelzeitfahren am Freitag. Hier geht's zum Rennbericht.

Rasanter Start: Christian Prudhomme winkte mit der Startfahne, und sogleich attackierten etliche Fahrer. Dutzende Profis probierten es mit einer Flucht, aber das Peloton entließ keine der kleinen Gruppen als Vorhut in die Pyrenäen. Die Angriffe sorgten für ein rasantes Starttempo, in der ersten Stunde lang der Schnitt bei über 50 km/h. Da bekam der eine oder andere Fahrer am Ende des Feld schon Probleme.

Froome gewinnt Vuelta: Schon vor dem Start der zwölften Etappe hat das Team Ineos wieder eine Grand Tour gewonnen: Chris Froome, der verletzungsbedingt in Frankreich nicht fährt, wurde offiziell der Sieg bei der Vuelta a España 2011 zugesprochen. Wie am Donnerstag bekannt wurde, verzichtete der ursprüngliche Gewinner Juan Jose Cobo auf einen Einspruch gegen die Aberkennung seines Gesamtsieges. Der Spanier war vom Radsportweltverband UCI wegen Anomalien in seinem Blutpass nachträglich disqualifiziert worden. Damit gilt Froomes Vuelta-Sieg als erster Grand-Tour-Sieg eines Briten.

Die große Flucht: Nach vielen kleinen Attacken entkam nach knapp 60 Kilometern eine riesige Gruppe von rund 40 Fahrern aus dem Peloton in Richtung Gebirge, darunter starke Fahrer wie Greg van Avermaet, der deutsche Meister Maximilian Schachmann oder Topsprinter Peter Sagan. Dem ging es aber tatsächlich nur um den Sieg im Zwischensprint - und eine kleine Zirkusnummer.

Mysteriöse Kapitulation: 80 Kilometer vor dem Ziel stieg der Australier Rohan Dennis vom Rad und gab die Tour de France auf. Normalerweise ist in so einem Fall schnell klar, warum ein Fahrer das Rennen abbricht: Vielleicht weil er gestürzt oder erkrankt ist. Doch Dennis' Team Bahrain-Merida teilte nur mit, selbst umgehend eine Untersuchung einzuleiten. Die Mannschaft schien selbst nicht zu wissen, was los ist. Bis zum Abend gab es keine neuen Informationen. Dennis' Aufgabe ist umso mysteriöser, da am Freitag das Einzelzeitfahren ansteht, bei dem er als Weltmeister Mitfavorit gewesen wäre.

Schlacht der Pyrenäen: Mit dem Col de Peyresourde und dem Hourquette d'Ancizan standen schwere Berge der ersten Kategorie auf dem Programm, die ersten der Pyrenäen. Auf dem Weg über die Pässe lieferten sich die Ausreißer einen Kampf um die Bergpunkte. Bitter wurde es für den Franzosen Lilian Calmejane, der als einsamer Ausreißer wenige Meter vor dem Gipfel des Peyresourde von Tim Wellens gestellt wurde. Der Belgier behielt das Bergtrikot.

Tim Wellens kämpfte sich ins Bergtrikot
Christophe Ena / AP

Tim Wellens kämpfte sich ins Bergtrikot

Ausgefranst: Die Ausreißergruppe löste sich an den Bergen nach und nach auf, Fahrer für Fahrer ging verloren. Das war dem Tempo an der Spitze geschuldet. Geburtstagskind Simon Clarke drückte mit einer halsbrecherischen Abfahrt auf das Tempo und leitete den Kampf um den Etappensieg ein. Am Ende überholten Yates, Mühlberger und Bilbao den Australier am letzten Berg und machten den Sieg unter sich aus. "Das war Harakiri. Die sind gefahren, als wäre es ein Massensprint", sagte Ausreißer Maximilian Schachmann. Im Peloton blieb dagegen alles ruhig, es gab keine Angriffe der Favoriten.

Wie geht es weiter? Die 13. Etappe ist ein Einzelzeitfahren durch und rund um Pau. Das Gesamtklassement wird dann wieder in Bewegung kommen. Denn der Gesamtführende Alaphilippe ist nicht der stärkste Zeitfahrer. Vorjahressieger Geraint Thomas wird versuchen, ihm einige Sekunden abzunehmen. Mitfavoriten wie Jakob Fuglsang und Thibaut Pinot kämpfen in Pau um den Anschluss an die Spitze.



insgesamt 2 Beiträge
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schrammmartin@web.de 18.07.2019
1. wie ein Gorilla??
Simon Yates schlug sich wie ein Gorilla auf die Brust?? Ist das nicht eher als Team-Spirit zu verstehen, wie es Fußballer auch machen. Wer käme darauf, das mit einem beidhändig trommelnden Gorilla zu vergleichen!
Lankoron 18.07.2019
2. Das Zeitfahren ist nur
27km lang und relativ flach. Sehr grosse Zeitabstände wirds wohl nicht geben...und es stehen ja noch einige Bergankünfte auf dem Plan.
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