Tour de France Sponsoren steigen aus, fragwürdiges Angebot von spanischem Labor

Sponsoren-Exodus: Der Barloworld-Rennstall steht nach der Tour de France ohne Sponsor da. Das gleiche Schicksal droht Saunier Duval, wenn die B-Probe Ricardo Riccòs positiv ausfällt. Der kündigt derweil sein Comeback an. Ein spanisches Labor bietet Teams seine Hilfe an.


Hamburg - Der Barloworld-Rennstall muss sich nach der Tour de France einen neuen Hauptsponsor suchen. Wegen der Dopingvorfälle bei der 95. Frankreich-Rundfahrt wird der südafrikanische Geld- und Namensgeber vorzeitig aus dem bis zum Saisonende 2009 datierten Vertrag aussteigen. Der spanische Barloworld-Profi Moises Dueñas Nevado war nach der vierten Etappe positiv auf Epo getestet und anschließend beim Team entlassen worden.

Dopingfall Ricardo Riccò: Der Generaldirektor von Sponsor Saunier-Duval droht mit dem Ende des Sponsorings
AFP

Dopingfall Ricardo Riccò: Der Generaldirektor von Sponsor Saunier-Duval droht mit dem Ende des Sponsorings

"Barloworld wird sich nach reiflichen Überlegungen in Übereinstimmung mit der Firmenpolitik im Anti-Dopingkampf als Sponsor nach der Tour de France 2008 zurückziehen", hieß es in einem Statement der südafrikanischen Industriegruppe. Marketingchef Chris Fisher betonte, dass der Dopingfall negative Auswirkungen auf das Image des Unternehmens habe, "entsprechend müssen wir handeln".

Auch bei Saunier Duval, dem Team des positiv auf Epo getesteten Ricardo Riccò, steht offenbar der Rückzug des Sponsors unmittelbar bevor. Thierry Duval, Generaldirektor von Saunier Duval, der nach eigener Aussage "zwischen Enttäuschung und Wut schwankt", sagte dem französischen Medienkonzern RTL, man werde zunächst die B-Probe von Ricardo Riccò abwarten. Sollte auch die positiv ausfallen, werde sich sein Unternehmen komplett aus dem Radsport zurückziehen: "Das ist sehr wahrscheinlich." Sollte sich des weiteren herausstellen, dass im Team systematisch gedopt worden sei, werde er die Gerichte anrufen. Der Italiener Riccò, der nach eintägiger Untersuchungshaft in seine Heimat zurückgekehrt ist, kündigte dort sein Comeback an. Außerdem werde er rechtliche Schritte einleiten.

Spanisches Labor bietet Teams Kontrollen an

Einigen Radsport-Profiteams soll ein Angebot für interne Doping-Kontrollen von einem spanischen Doping-Labor unterbreitet worden sein. "In einer E-Mail, die an mehr als zehn Profi-Radsportteams adressiert wurde und der ARD vorliegt, bietet die Universidad de Extremadura in Cáceres an, durch Urin-Analysen ein komplettes Steroid-Profil der Radfahrer der Profiteams durchzuführen", gab der Westdeutsche Rundfunk Köln in einer Pressemitteilung bekannt. Solche Steroid-Profil-Analysen könnten dazu dienen, dass sich Sportler an Grenzwerte herandopen und positiv getestete Fahrer vor einer offiziellen Doping-Kontrolle aus dem Rennen genommen werden.

Als Absender wurde in der ARD-Livesendung am Samstag Prof. Dr. Marcos Maynar Marino genannt. Er habe in der E-Mail explizit darauf hingewiesen, dass sein Labor die gleiche Untersuchungsmethode wie der Weltradsportverband UCI verwende. Dazu sagte Dr. Hans Geyer vom Zentrum für präventive Doping-Forschung in Köln der ARD: "Das haben wir schon länger vermutet, dass es irgendwo in Europa noch Laboratorien gibt, die Proben vorchecken. Laboratorien, die außerhalb des Kontrollsystems sind, und die dann Urin-Anteile von Athleten untersuchen, so dass die genau wissen, wann sie ihre Doping- Substanzen absetzen müssen, um nicht bei Kontrollen aufzufallen."

David Howmann, Generalsekretär der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, wird mit den Worten zitiert: "Die von Ihnen beschriebenen mutmaßlichen Praktiken sind besorgniserregend." Die Wada werde die Informationen an die spanischen Behörden weitergeben.

Auch in Deutschland sorgen die jüngsten Dopingfälle für Diskussionsstoff. Im September entscheiden die Intendanten von ARD und ZDF, ob sie in Zukunft weiter von der Tour de France berichten werden. "Im Moment ist die Tendenz, dass wir es wohl tun werden", sagte Roman Bonnaire, der Tour-Teamchef der öffentlich-rechtlichen Sender, im Ziel der 14. Tour-Etappe in Digne-les-Bains. Im Vorjahr hatten ARD und ZDF nach Bekanntwerden des Dopingfalles Patrik Sinkewitz die Live-Berichterstattung gestoppt.

ruf/jar/sid/dpa



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