Tour de France Er hat noch nicht genug

Gerade erst hatte Thibaut Pinot am Tourmalet gewonnen, da attackierte er auch bei der zweiten Bergankunft in Folge. Der Führende Julian Alaphilippe freut sich über den Verfolger.

Thibaut Pinot: "Falls ich auseinanderbreche, hoffe ich, dass er die französische Fahne hochhalten wird."
Thibault Camus / AP

Thibaut Pinot: "Falls ich auseinanderbreche, hoffe ich, dass er die französische Fahne hochhalten wird."

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Szene der Etappe: Am letzten Anstieg wagte Thibaut Pinot den Angriff. Nach seinem Etappensieg am Tourmalet am Samstag hatte der Franzose noch nicht genug. Pinot fuhr dem Gesamtführenden Julian Alaphilippe genauso davon wie dem Vorjahressieger Geraint Thomas. Einen Verfolger nach dem anderen ließ er hinter sich und gewann dann auch noch den Sprint um den zweiten Platz gegen Mikel Landa.

Ergebnis der Etappe: Nur um den zweiten Platz? Richtig, denn mit 33 Sekunden Vorsprung siegte der Brite Simon Yates auf der 185,5 Kilometer langen 15. Etappe von Limoux nach Foix Prat d'Albis. Sein Ausreißversuch aus einer Spitzengruppe heraus war gelungen. Der Gesamtführende Alaphilippe büßte an Vorsprung ein, am Schlussanstieg machte Geraint Thomas mit einer Attacke 27 Sekunden auf den Franzosen gut. Hier geht es zum Etappenbericht.

Am Ende der Kräfte : "Ich habe erwartet, dass es schwierig wird, ich bin nicht enttäuscht, sondern einfach völlig erschöpft", sagte Alaphilippe im Ziel: "Thibaut Pinot ist schön gefahren. Falls ich auseinanderbreche, hoffe ich, dass er die französische Fahne hochhalten wird." Pinot hat sich mit starken Leistungen auf den vierten Platz des Klassements vorgearbeitet, ihn trennen nur noch 15 Sekunden vom zweiten Platz und 2:12 Minuten vom Gelben Trikot. Er ist der zweite Hoffnungsträger der Franzosen.

Dutzende Attacken: Viele Angriffe bestimmten die erste Rennstunde. Rund 50 Kilometer dauerte es, bis sich eine Ausreißergruppe formiert hatte. Dazu gehörten ausgewiesene Bergfahrer wie Vincenzo Nibali, Dan Martin und Nairo Quintana. Mit dem Etappensieg hatten sie aber nichts zu tun. Allesamt brachen sie ein.

Bitte hier unterschreiben: Über drei Berge der ersten Kategorie mussten sich die Fahrer auf den letzten 80 Kilometern quälen. Während manche Profis dann nur mit sich und ihren Leiden beschäftigt sind, hatte Peter Sagan noch Zeit, sein Buch zu signieren.

Moviestar, Moviestar: Auf den bisherigen 14 Etappen hatte sich das Topteam Movistar nicht gerade mit Ruhm bekleckert, zum Beispiel als die Mannschaft am Tourmalet Tempo machte, dann aber Kapitän Nairo Quintana verlorenging. Diesmal ging die Taktik auf: Quintana fuhr in der Ausreißergruppe mit seinen Helfern Marc Soler und Andrey Amador, die sich beide fallen ließen, um auch den zweiten Kapitän Mikel Landa nach vorne zu fahren. Während Quintana im Finale nicht mithalten konnte, wurde Landa Dritter und schob sich im Gesamtklassement auf den siebten Platz vor.

Geplatzter Traum: 2015 hatte Simon Geschke bereits eine Bergankunft bei der Tour de France gewonnen, am Sonntag träumte er an der Mur de Péguère von seinem zweiten Triumph. Alleine attackierte der 33-Jährige in der Ausreißergruppe und gewann die Bergwertung. Doch Simon Yates holte den Deutschen ein, gemeinsam fuhren sie die Prat d'Albis an. Doch dort attackierte Yates und ließ Geschke stehen. Der freute sich nach der Etappe, wenigstens ein bisschen "Rambazamba" gemacht zu haben.

"Rambazamba": Simon Geschke vor Simon Yates
Christian Hartmann / REUTERS

"Rambazamba": Simon Geschke vor Simon Yates

Immer wieder Buchmann: Bester Deutscher wurde auch in Foix wieder Emanuel Buchmann. Zwar konnte er Pinot und kurzzeitig auch Egan Bernal nicht folgen. Stoisch fuhr der 26-Jährige aber sein Tempo, zog sogar noch Lennard Kämna mit und arbeitete sich an den Hinterreifen von Bernal zurück. Buchmann wurde Vierter und verkürzte den Abstand auf den dritten Platz. "Es lief auch wieder sehr gut, so wie gestern", sagte er in der ARD. "Pinot war doch ein bisschen zu stark für alle anderen, würde ich behaupten. Aber mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden."

Der doppelte Hinault: Bernard Hinault ist eine französische Radsportlegende. In Foix eiferten ihm gleich zwei Fahrer nach. Etappensieger Yates ist der erste Fahrer seit Hinault 1979, der zwei Pyrenäenetappen bei einer Tour gewinnen konnte. Bereits auf der zwölften Etappe in Bagnères-de-Bigorre hatte der Brite triumphiert. Und Publikumsliebling Alaphilippe ist der erste Franzose seit Hinault 1985, der das Gelbe Trikot an elf Tagen einer Tour tragen konnte.

Wie geht es weiter? Erst einmal Beine hochlegen und entspannen. Am Montag wartet der zweite Ruhetag der diesjährigen Tour auf die noch 164 Fahrer. Dann geht es am Dienstag mit einer 177 Kilometer langen Flachetappe rund um Nîmes weiter. Die Sprinter werden sich die letzte Chance vor Paris auf ein Spurtfinale nicht nehmen lassen. Die Klassementfahrer können ruhiger in die letzte Woche der Rundfahrt starten.



insgesamt 3 Beiträge
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Prussia Culé 21.07.2019
1. Hinault et Pinot
Ich hoffe doch sehr, dass die Grande Nacion nach 34 Jahren endlich einen französischen Toursieger feiern können. Ich würde es sowohl Pinot als auch Alaphilippe gönnen - bzw. bei besserer Form auch Bardet, wahrscheinlicher wäre aber ein Sieg von Pinot. Seine letzten Starts bei der TdF 2015 & 2016 musste er wegen einer Bronchitis bzw. Formschwäche aufgeben. Beim Giro letztes Jahr musste er kurz vor Schluss wegen einer Lungenentzündung aufgeben. Auf der anderen Seite hat er über die Jahre seine Phobie gegen Abfahrten und seine Zeitfahrschwäche sehr gut in den Griff bekommen. Auch mental scheint er um einiges stärker zu sein als noch vor einigen Jahren. ----- Noch länger, nämlich 39 Jahre, ist es her, dass ein Niederländer die Tour gewann. Ich wünsche Kruijswijk vor allem wegen seines bitteren Endes beim Giros 2016 zumindest einen Platz auf dem Podium und einen Etappensieg. ----- Bei Buchmann ist seine jetzige Platzierung schon grandios. Wer weiß, vielleicht kratzt auch er noch am Podium.
kloppononstoppo 21.07.2019
2. Quintana raus?
Mich würde es nicht verwundern, wenn es bei Movistar gewaltig unter dem Kessel rumort. Nach der öffentlich von Teamleitung und (teilweise) von Teamkollegen geäußerten Kritik an seinem gestrigen Verhalten, hat Nairo Quintana heute noch einen draufgesetzt! Erst ließ er Soler und Amador für sich arbeiten, verweigerte dann aber gleiches erst für Landa, später dann auch für Valverde. Quintana zog es vor in einem gleichmäßigen Tempo ins Nirgendwo des Klassements zu fahren, als mal in den roten Bereich zu drehen, um seinen beiden Kapitänen (das waren sie zu diesem Zeitpunkt schon!) ML und AV noch ein bisschen zu helfen. Wie so etwas richtig geht haben Gaudu, Bennett oder de Plus heute (und gestern) beispielhaft gezeigt. Mich würde es nicht wundern, wenn Quintana nach dem Ruhetag nicht mehr antritt bzw. vom Team aus dem Rennen genommen wird...
inge.kotowski 22.07.2019
3. Emu Buchmann
stünde bereits jetzt auf einem Podestplatz, wenn er starke Helfer am Berg hätte. Ohne Wout Poels hätte Thomas heute noch deutlich mehr Zeit verloren. Da zeigt sich, dass BOP von einer Spitzenmannschaft noch ein ganzes Stück entfernt ist.
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