Tour de Suisse Ullrich fährt auf Platz zwei

Obwohl ihn in den Schweizer Alpen eine Erkältung ereilt hat, beweist Jan Ullrich seine ansteigende Form. Auf der schweren Bergetappe von und nach Silvaplana radelte der Bianchi-Kapitän anscheinend problemlos auf den zweiten Platz.


 Jan Ullrich: Gute Form trotz Erkältung
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Jan Ullrich: Gute Form trotz Erkältung

Silvaplana - Der Spanier Oscar Pereiro gewann die letzte Bergetappe der 67. Schweiz-Rundfahrt in den Hochalpen. Der Phonak-Fahrer setzte sich auf dem 135 Kilometer langen Teilstück mit Start und Ziel in Silvaplana nach 3:39:40 Stunden durch. Mit 74 Sekunden Rückstand überquerte Ullrich als Zweitplatzierter den Zielstrich, dicht gefolgt von der Verfolgergruppe um Telekom-Kapitän Alexander Winokurow. Das Goldtrikot des Spitzenreiters im Gesamtklassement verteidigte der Italiener Francesco Casagrande erfolgreich, der weiterhin 37 Sekunden vor Winokurow liegt. Die Entscheidung um den Sieg fällt am Dienstag beim Einzelzeitfahren.

"Ich habe seit einigen Tagen Halsschmerzen und bekomme durch die Nase schwer Luft. Ich nehme Antibiotika und werde mich jetzt hier etwas schonen, obwohl es heute schon wieder etwas besser geht", hatte der leicht verschnupfte Ullrich am Sonntag vor dem Start der Etappe gesagt, die wieder auf 2300 Meter Höhe führte. Beim entscheidenden Anstieg hinterließ der Bianchi-Kapitän aber wie schon am Vortag einen starken Eindruck.

"Keine Dramatik, keine Panik." Bianchi-Teamchef Rudy Pevenage bleibt angesichts des mit Spannung erwarteten Tour-de-France-Starts (ab 5. Juli) seines Schützlings optimistisch und verwies auf das Jahr 1996: "Bjarne Riis hatte die Tour de Suisse mit einer fiebrigen Bronchitis aufgegeben und anschließend die Tour de France gewonnen." Das solle, so Pevenage nicht heißen, dass Ullrich in diesem Jahr die Tour gewinnen kann.

"Normalerweise ist Ullrichs Erkältung zum jetzigen Zeitpunkt kein großes Thema, obwohl die Gabe von Antibiotika immer problematisch ist. Aber die knapp zwei Wochen noch bis zur Tour müssten zur Erholung reichen. Ich erwarte Jan auch auf dem Podium", erklärte Lothar Heinrich, als Telekom-Teamarzt Ullrichs früherer medizinischer Betreuer.

Ullrichs Hauptproblem in Frankreich dürfte eher die fehlende Unterstützung durch sein Team sein. Daran ändert auch die kurzfristige Verpflichtung des Spaniers Felix Garcia Casas nichts. "Ab und zu wird Jan in den Bergen alleine sein", befürchtet Pevenage. Bei der Tour de Suisse konnten seine spanischen Mannschaftskollegen um den Vuelta-Sieger Angel Casero Ullrich im Hochgebirge nicht folgen. Mit Blick auf die übermächtig scheinende Armstrong-Mannschaft bedauert Pevenage: "Wir haben eben keinen Heras, Rubiera oder Beltran." Der Spanier Manuel Beltran hatte sich erst vor kurzem dem US-Postal-Team angeschlossen, als Bianchi das Coast-Team übernahm.

Am Montag gastiert die Tour de Suisse in Deutschland. Die siebte Etappe beginnt in Savognin und endet als längstes der insgesamt neun Teilstücke nach 231,3 Kilometer in Oberstaufen im Allgäu. Dabei stehen nur zwei Bergwertungen der dritten und vierten Kategorie auf den Programm, wobei allerdings die letzten 90 Kilometer über hügeliges Terrain führen.



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