Tour entschieden Armstrongs siebter Streich

Lance Armstrong hat die Tour de France 2005 gewonnen. Jan Ullrich ist Dritter, T-Mobile-Fahrer Alexander Winokurow siegte auf der Schlussetappe. Das Gesamtendergebnis auf den ersten drei Plätzen stand bereits vor Ende des letzten Teilstücks fest.

Paris - Im Regen von Paris verabschiedete sich Armstrong von der Tour de France - sieben Gesamtsiege in Folge sind einmalig im Radsport. Platz zwei hinter dem 33-Jährigen belegte der Italiener Ivan Basso (CSC) mit 4:40 Minuten Rückstand vor Jan Ullrich (6:21), dessen Team T-Mobile sich wie 2004 die Mannschaftswertung sicherte. Die letzten 52 Kilometer auf der 144 Kilometer langen Fahrt von Corbeil-Essonnes nach Paris wurden neutralisiert zurückgelegt, weil die Sturzgefahr auf den regennassen Straßen zu groß geworden war. Nur die Bonus-Sekunden für die ersten Drei blieben im Reglement.

Für einen Paukenschlag sorgte zum Abschluss der T-Mobile-Fahrer Alexander Winokurow, der in Paris seinen zweiten Tageserfolg bei dieser Tour feierte. "Das war ein schöner Tag", freute sich Teamchef Walter Godefroot. Mit einer Attacke drei Kilometer vor dem Ziel düpierte der Kasache die Sprinter-Elite und triumphierte vor dem Australier Bradley McGee und dem Schweizer Fabian Cancellara. Als Siebter holte sich der Norweger Thor Hushovd erstmals das Grüne Trikot des Punktbesten vor den Australiern Stuart O'Grady und Robbie McEwen.

Bereits zuvor stand der Däne Michael Rasmussen (Rabobank) als "Berg-König" fest, das Weiße Trikot für den besten Nachwuchsfahrer ging an Discovery-Profi Jaroslaw Popowitsch aus der Ukraine.

"Mit Lance geht ein großer Sportler"

Dank der Zeitgutschrift für seinen zweiten Etappensieg bei der Tour 2005 verdrängte der 31-jährige Winokurow im Gesamtklassement noch Gerolsteiner-Kapitän Levi Leipheimer vom fünften Platz. Zum ersten Mal seit elf Jahren setzte sich damit im Finale kein Sprintspezialist durch. Seinen Coup hatte Winokurow durch einen gewonnenen Zwischensprint angekündigt, mit dem er zunächst seine zwei Sekunden Rückstand im Gesamtklassement auf Leipheimer wettmachte.

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Ullrich hatte viel Lob für Armstrong übrig: "Chapeau. Man muss zugestehen, dass ihm niemand das Wasser reichen konnte - auch ich nicht." Zur Abschiedsfete des Texaners, die an diesem Abend in Paris steigt, will auch Ullrich erscheinen: "Ich freue mich, dass er mich eingeladen hat und wünsche ihm alles Gute. Mit ihm geht ein großer Sportler." Und weiter: "Lance ist der Mann, der nie Schwächen gezeigt hat. Das verdient ein großes Kompliment. Aber ich habe gezeigt, dass ich es immer noch aufs Podium schaffen kann, und das macht mich wirklich happy", sagte der T-Mobile-Kapitän.

Zwischen Armstrong und Ullrich schob sich diesmal der Italiener Ivan Basso, der sich im vergangenen Jahr noch mit Rang drei hinter Andreas Klöden begnügen musste. Während der 27-jährige CSC-Kapitän mit 4:40 Minuten den geringsten Rückstand auf den großen Dominator außer Ullrich 2003 (1:01 Minuten) aufwies, hielt er am Ende den Deutschen mit 1:41 Minuten auf Distanz. "Ohne meine beiden Stürze wäre es enger geworden", meinte der Rostocker, der unmittelbar vor Tourbeginn und auf der 9. Etappe jeweils schwer gestürzt war.

Ullrich will die Tour wieder gewinnen

Das Ziel vom zweiten Toursieg hat der 31-Jährige noch immer nicht aufgegeben: "Ich will beim bedeutendsten Radrennen der Welt noch einmal ganz vorne sein. Ich fahre so lange, bis ich die Tour nochmal gewonnen habe." Für Armstrong ist dagegen Basso sein potentieller Nachfolger Nummer eins: "Ivan hat gezeigt, dass er ein überragender Kletterer ist. Vielleicht ist er die Zukunft dieses Rennens."

Grundsätzlich traut der scheidende Rekordsieger aber auch Ullrich einen erneuten Erfolg weiter zu: "Jan kann die Tour gewinnen, sogar noch mehrmals. Gegen Ende der drei Wochen war er meistens der Stärkste. Aber in der ersten Hälfte kann er sich noch verbessern. Dazu müsste er ein bis eineinhalb Kilo weniger an den Start bringen und sich etwas besser vorbereiten", so der 33 Jahre alte Texaner.

Discovery verdient das meiste Geld

Armstrongs Team verpasste zwar den Sieg in der Mannschaftswertung, dafür verdiente die Equipe so gut wie keine andere bei dieser Tour. Dank der 400.000-Euro-Prämie für das Gelbe Trikot seines Kapitäns hat der US-Rennstall über eine halbe Million Euro an Preisgeldern verdient. Insgesamt nahm Discovery 545.640 Euro mit. T-Mobile kann sich mit 258.730 Euro trösten. Dabei steuerte Ullrich 92.000 Euro für seinen dritten Platz im Gesamtklassement hinter dem Italiener Ivan Basso (170.000 Euro) bei.

Während Bassos CSC-Rennstall mit 237.520 Euro den dritten Rang der Geldrangliste belegt, kehrt das achtplatzierte Team Gerolsteiner mit 68.050 Euro in die Eifel zurück. Als Etappensieger hatte der Österreicher Georg Totschnig geglänzt, 23.000 Euro gab es für den fünften Gesamtrang von Levi Leipheimer (USA). Im Radsport werden alle Prämien unter sämtlichen Fahrern aufgeteilt, außerdem bekommen auch die Serviceleute ihre Anteile.

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