Tourhistorie Ein Amerikaner in Verdun


Vierte Etappe

- Obwohl Verdun - als Schauplatz der größten Schlacht des Ersten Weltkriegs - jedem Kind in Frankreich ein Begriff ist, wird die Stadt im Nordosten des Landes erst 1993 in die Tour-Route aufgenommen. Im dem Jahr, da die Frankreich-Rundfahrt 80 Jahre alt wird, besinnen sich die Verantwortlichen und zollen dem geschichtsträchtigen Ort Tribut: Die achten Etappe führt über 185 Kilometer von Chablon-sur-Marn nach Verdun.

Allerdings rollt 1993 kein Franzose als Erster über die Ziellinie. Ein Amerikaner lässt es sich nicht nehmen, in Verdun die erste Tour-Etappe seiner Radsport-Karriere zu gewinnen: Lance Armstrong vom Team Motorola, der spätere Gesamtsieger in den Jahren 1999 und 2000.

Trauriges Jubiläum aus französischer Sicht

Die 80. Tour steht im Jubiläumsjahr 1993 für die Franzosen ohnehin unter keinem guten Stern. Mit Pascal Lino gelingt nur einem Fahrer der stolzen Radsportnation ein Etappensieg, und unter die besten Zehn der Gesamtwertung - Sieger wird Miguel Indurain - schafft es am Ende kein französischer Teilnehmer.

Für Lance Amstrong ist der Sieg in Verdun der Start einer beispiellosen Karriere, in der er auch eine Krebserkrankung erfolgreich durchsteht. Auf dem Siegertreppchen wird er erst zwei Jahre später wieder stehen, 1995, am Ende der 18. Etappe von Montpon-Menesterol nach Limoges.

Der antrittsstarke Amerikaner kann sich aber nicht wirklich freuen - drei Tage zuvor verunglückte sein Teamgefährte Fabio Casartelli bei einer Bergabfahrt am Portet d'Aspet tödlich. Auf der Zielgeraden in Limoges deutet Armstrong gen Himmel - er widmet seinen Sieg dem toten Freund und Kollegen.



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