Tränen im Pool Deutsche Schwimmer noch ohne Medaille

Enttäuschende Zeiten, geplatzte Medaillenträume, Tränen vor laufenden Kameras. Die deutschen Schwimmer schicken sich an, in Athen das Debakel von Sydney zu wiederholen. Nach dem ersten Schock hat Cheftrainer Ralf Beckmann jetzt Gründe für das Scheitern gefunden.


Schwimmerin Buschschulte: Geplatzte Medaillenträume
DDP

Schwimmerin Buschschulte: Geplatzte Medaillenträume

Athen - Die Liste der Enttäuschungen wird bei den deutschen Schwimmern in Athen immer länger. Nach der Frauen-Staffel über 4 x 100 Meter Freistil und Hannah Stockbauer, die als Weltmeisterin über 400 Meter Freistil als Vorlauf-Zwölfte gescheitert war, war gestern auch Mitfavoritin Antje Buschschulte als Sechste über 100 Meter Rücken an den Medaillen vorbei geschwommen. Buschschulte war danach selbst vor laufenden Kameras untröstlich.

Auch bei den Männern sieht es nicht viel besser aus: Der deutsche Rekordhalter Stephan Kunzelmann verabschiedete sich heute über 100 Meter Freistil auf dem enttäuschenden 36. Platz, der deutsche Meister Jens Kruppa als 18. über 200 Meter Brust.

Schwimm-Cheftrainer Ralf Beckmann muss nun nach Gründen für das schlechte Abschneiden suchen. Erstmal aber stellt er sich schützend vor seine Mannschaft: "Es macht keinen Sinn, den Stab über diese Mannschaft zu brechen. Wir steuern durch schweres Gewässer, ganz klar", sagte Beckmann. "Ich rede die Ergebnisse nicht schön. Das ist eine Enttäuschung." Über grundsätzliche methodische Fragen wolle er nicht in Athen entscheiden, sagte Beckmann im ZDF. "Ich werde den Teufel tun, hier in die Tiefe zu gehen."

Zu einer ersten, vorläufigen Analyse war der Schwimmtrainer aber trotzdem bereit. So räumte er ein, dass man vielleicht zu wenig die Bedingungen des Freiluft-Schwimmens berücksichtigt habe. Nationen wie Australien oder die USA seien da im Vorteil, weil man dort ganzjährig im Freien trainieren und Wettkämpfe betreiben könne. "Fakt ist", so Beckmann, "in dieser Situation sind unsere Konkurrenten im Vorteil."

Gleichzeitig wollte der Cheftrainer die Hoffnung für die zweite Hälfte der olympischen Schwimm-Wettbewerbe nicht aufgeben: "Uns ist nicht bange vor dem, was auf uns zukommt. Das sehen alle so in der Mannschaft." Medaillenchancen sieht Beckmann vor allem noch für Franziska van Almsick heute Abend über 200 Meter Freistil sowie für die Frauen-Staffeln über 4 x 200 Meter Freistil und 4 x 100 Meter Lagen.



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