Trainingsfreigabe Verfrühte Freude im Pechstein-Lager

Jubel bei Claudia Pechstein: Die Eisschnellläuferin darf wieder mit der Verbandsmannschaft trainieren und glaubt an eine baldige Aufhebung ihrer Dopingsperre. Damit könnte die fünffache Olympiasiegerin falsch liegen - Sportrechtler mahnen zur Besonnenheit.
Eisschnellläuferin Pechstein: Zwischenschritt zum Freispruch?

Eisschnellläuferin Pechstein: Zwischenschritt zum Freispruch?

Foto: A2800 epa Sergei Ilnitsky/ dpa

Hamburg - Training ja - Wettkampf nein: Die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs (Cas) in Lausanne erlaubt Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, wieder am Mannschaftstraining der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) teilzunehmen. Die 37-Jährige sieht den Erfolg ihres Eilantrages als positives Indiz mit Blick auf die Hauptverhandlung vor dem Cas. "Die Entscheidung ist ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu meinem Freispruch", sagte die fünffache Olympiasiegerin nach der Entscheidung des Gerichts.

Zur selben Einschätzung kommt Simon Bergmann, einer der Pechstein-Anwälte. Die Entscheidung sei ein "nicht unwichtiger Fingerzeig" für das Hauptverfahren: "Wäre der Cas zu dem Ergebnis gekommen, dass die Berufung chancenlos ist, hätte er den Eilantrag schon aus diesem Grund zurückgewiesen."

Zur Besonnenheit mahnt dagegen Anwalt Michael Lehner, Vizepräsident der International Sports Lawyers Association: "Damit ist keine Entscheidung im Hauptverfahren gefallen. Nicht mal als Indiz taugt der aktuelle Cas-Spruch", sagte er SPIEGEL ONLINE. Trotzdem hält Lehner die Trainingserlaubnis für richtig. "Ein Verbot des Trainings wäre vor allem mit Blick auf das Recht auf Berufsausübung höchst bedenklich."

"Das ist ein ganz normaler Vorgang, der die Wettkampfsperre nicht berührt", sagt auch Rechtsanwalt Rainer Cherkeh über den stattgegebenen Eilantrag. Als Experte für Sportrecht vertritt Cherkeh unter anderem Spieler und Clubs aus der Fußball-Bundesliga in Rechtsfragen.

Auch der angekündigte Langzeittest, mit dem Pechstein ihre Unschuld unter der Aufsicht der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) beweisen wolle, sei schon in vergleichbaren Fällen ein normaler Teil der Verteidigungsstrategie gewesen, so Cherkeh gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Nächste Anhörung bereits im Oktober

In der Terminierung des Verfahrens kommt Bewegung: In der Presse-Erklärung des Cas teilten die drei Richter Massimo Coccia aus Italien sowie Stephan Netzle und Michele Bernasconi (beide Schweiz), die auch für das Hauptverfahren verantwortlich sein werden, am Freitag mit, dass sie Anfang Oktober nochmals zu einer Anhörung zusammenkommen. Offen blieb jedoch, ob es sich dabei bereits um das Hauptverfahren selbst handeln könnte.

Freude beim Deutschen Olympischen Sportbund

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat die Entscheidung unterdessen begrüßt: "Ich halte den Beschluss für ausgewogen", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. "Damit wird deutlich gemacht, dass Claudia Pechstein bis zur Hauptsachen-Entscheidung in der Lage sein muss, ihre Vorbereitung auf die Winterspiele in Vancouver fortzusetzen. Deshalb ist es konsequent, ihr das Training zu erlauben, Wettkämpfe jedoch nicht", so Vesper weiter.

Der Eislauf-Weltverband (Isu) hatte Pechstein wegen auffälliger Blutwerte anhand von Indizien und ohne positiven Befund für zwei Jahre gesperrt. In diesem Zusammenhang war auch ein Trainingsverbot verhängt worden, das vor allem verhindern sollte, dass Pechstein öffentliche Gelder in Anspruch nimmt. Die Wintersportlerin hatte deshalb zuletzt nur alleine trainiert.

jok/sid/dpa