Triathlon-Veranstalter Ironman Teure Show

Am Wochenende startet in Hamburg der größte Triathlon der Welt mit mehr als 10.000 Hobbysportlern. Das Geschäft mit ihnen steht längst über dem Sport. Möglich ist das, weil ein Unternehmen den Markt beherrscht.
Triathlon in Hamburg, 2016

Triathlon in Hamburg, 2016

Foto: Petko Beier/ Getty Images

Schwimmen durch die Alster, Radfahren am Hafen entlang, ins Ziel laufen vor Tausenden Zuschauern auf dem Rathausmarkt im Herzen der Stadt. Mit diesem Erlebnis lockt der Hamburger Triathlon mehr als 10.000 Hobbysportler. Nirgendwo starten mehr.

Egal, ob die Athleten die kürzere Sprintdistanz (500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen) oder die olympische Strecke (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, 10 Kilometer Laufen) absolvieren: Für diesen Wettkampf trainieren die meisten monatelang.

Der Sport fordert Hobbyathleten nicht nur durch die Trainingszeit, die in den Alltag integriert werden muss, er ist auch teuer. Das liegt zum einen an der Ausrüstung wie einem Neoprenanzug für das Schwimmen und einem teuren Rennrad; zum anderen sind auch die Startgebühren für die Rennen happig. In Hamburg zahlen die Hobbysportler bis zu 120 Euro für zwei bis drei Stunden schwitzen. Bei Wettkämpfen auf der Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42 Kilometer Laufen) sind es schon mal 600 Euro. Ein Start beim legendären Ironman auf Hawaii kostet die Sportler mehr als 800 Euro, bevor die Tortur überhaupt erst beginnt - Anreise und Unterkunft extra.

Illegale Geschäfte im Netz

Doch dieses Jahr sorgt eine neue Regel für Aufregung in der Triathlonszene: Verletzen sich die Hamburg-Teilnehmer kurz vor dem Wettkampf, werden krank oder können aus anderen Gründen nicht starten, bleiben sie auf ihren Kosten sitzen - eine Ummeldung auf einen Ersatzstarter war nur bis einen Monat vor Rennbeginn möglich. Man stelle sich vor: Jemand erwirbt eine Konzertkarte, kann aber nicht hingehen. Doch er darf sie weder verkaufen noch verschenken, sie verfällt einfach. Die Aufregung wäre sicher groß.

Betroffen sind möglicherweise Hunderte. Bei Ebay versuchen seit Wochen verhinderte Sportler ihre Startplätze doch noch loszuwerden - nach den Regeln des Veranstalters illegal. Doch geht ein anderer Sportler heimlich für denjenigen auf die Strecke, der eigentlich gemeldet ist, riskiert er viel. Bei einem Sturz wäre er nicht versichert. Zudem könnte er für weitere Wettkämpfe gesperrt werden, wenn der Schwindel herauskommt. Dennoch dürften etliche Jedermänner in Hamburg das Risiko eingehen, denn die Nachfrage nach Startplätzen ist groß.

"Aufgrund eines externen Softwareanbieters ist eine kurzfristige Ummeldung seit diesem Jahr nicht mehr möglich", sagt Oliver Schiek vom Veranstalter Ironman. Er verweist darauf, dass in den AGB auf die Frist aufmerksam gemacht werde. Ohnehin habe man Ummeldungen in den vergangenen Jahren nur aus Kulanz und in Einzelfällen gegen Gebühr durchgeführt. In dieser Zeit gab es jedes Jahr etliche Sportler, die nicht starten konnten und ihre Tickets privat weitergegeben haben. Offenbar will man das nun verhindern.

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Foto: Mark J. Terrill/ AP

Triathlon wird immer beliebter, nicht nur in Hamburg, wo zuletzt ein großer Verein sogar zeitweilig einen Anmeldestopp verhängte, weil er den großen Andrang nicht mehr bewältigen konnte. Doch immer mehr Sportler bedeuten auch immer mehr Kommerz. Vor allem der Name Ironman ist es, der den Markt für Triathlon-Großveranstaltungen dominiert. Er steht nicht nur für den jährlichen Wettkampf auf Hawaii, er ist auch eine geschützte Marke, gut bewacht von einem millionenschweren Konzern, der World Triathlon Corporation mit Sitz im US-Bundesstaat Florida.

Seit die Amerikaner 2015 für eine Summe von 650 Millionen Dollar von der chinesischen Wanda-Gruppe um den Mulitmilliardär Wang Jianlin geschluckt wurden, haben sie Rennen um Rennen gekauft. Auch der Hamburg-Triathlon startet seit 2016 unter der Ironman-Germany-Flagge. Zudem wird es im August erstmals eine Langdistanz an der Alster geben. Auf Veranstaltungen dieser Länge besitzt die Marke Ironman nahezu ein Monopol. Nur noch wenige Anbieter können dagegenhalten. Gerüchten zufolge soll auch dem größten deutschen Konkurrenten, der Challenge-Serie, die den Triathlon in Roth veranstaltet, schon ein Kaufangebot gemacht worden sein.

Viele Sportler sehen diese Entwicklung kritisch. Monopole gelten nicht gerade als Motor von Weiterentwicklung und Vielfalt. Unter den Athleten ist Ironman dennoch beliebt, viele Rennen sind schnell ausverkauft. Die Marke vertreibt nicht nur Startplätze für durchweg reibungslos organisierte Rennen, sie vermittelt den Teilnehmern auch ein spezielles Lebensgefühl: Wer bei einem Ironman mitmacht, kann sicher sein, im Ziel von den Zuschauern wie ein Sieger bejubelt zu werden - egal, welchen Platz er gemacht hat. Berühmt geworden ist der Satz "You are an ironman", den Streckensprecher Mike Reilly bei vielen Rennen den Finishern zuruft.

Im Zweifel ein neues Hobby suchen

Zudem sorgen allein die hohen Starterzahlen auf der Langdistanz für Gesellschaft beim abschließenden Marathon - genau dann, wenn es richtig weh tut. Das kann gerade Rookies über Motivationstiefs hinweghelfen - bei der Extrembelastung fließen bei jedem früher oder später neben dem Schweiß die Tränen. Deshalb starten viele Neulinge lieber bei Ironman, auch wenn die Unternehmensphilosophie manchen zu sehr in Richtung Show geht.

Ironman rechtfertigt die hohen Kosten mit dem großen Organisationsaufwand, der hinter einem Rennen steckt. Dass es dennoch günstiger geht und die Sportler dabei nicht auf soliden Service verzichten müssen, zeigt sich bei etlichen anderen Veranstaltungen - und sogar bei einigen Langdistanzen wie dem Ostseeman bei Glücksburg oder dem Köln-Triathlon.

Die Langstrecke beim Wasserstadt-Triathlon in Hannover kostet die Teilnehmer gerade einmal um die 100 Euro. "Wir melden auch am Startmorgen noch kostenlos um", sagt Organisator Peter Augath. Gewinne ließen sich bei den niedrigen Teilnehmerzahlen und Kosten für die Sicherung der Radstrecke von bis zu 40.000 Euro nicht machen, sagt er. Doch das sei auch gar nicht das Ziel. Die Philosophie seines Rennens ist: Sport für Sportler von Sportlern. Dafür warten auf die Starter im Ziel keine markigen Sprüche und Cheerleader-Tänzchen.

Doch solche Rennen könnten mehr und mehr verschwinden, wenn Ironman weiter expandiert. Dann müssten die Sportler künftig überall tiefer in die Tasche greifen. Schließlich sei Triathlon eine exklusive Passion, bemerkte der deutsche Ironman-Chef Björn Steinmetz vergangenes Jahr in einem Interview. Im Zweifel, so sagte er, müsse man sich eben ein neues Hobby suchen.