Trotz Schlaganfalls Leipold träumt weiter von Olympia

Vor kurzem noch lag Alexander Leipold infolge zweier Schlaganfälle auf der Intensivstation. In diesen Tagen befindet sich der Weltklasse-Ringer auf dem Weg der Besserung und hat wieder große Ziele. Sorgen machen sich allerdings die Ärzte, die immer noch nicht die Ursache der Krankheit lokalisieren konnten.


Alexander Leipold: "Ich dachte, mich kann nichts umbringen"
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Alexander Leipold: "Ich dachte, mich kann nichts umbringen"

Frankfurt am Main - Alexander Leipold, 34, hat trotz seiner in der vergangenen Woche erlittenen Schlaganfälle die Hoffnung auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen noch nicht aufgegeben. "Olympia 2004 habe ich noch nicht aus den Augen verloren", sagte Leipold in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung.

Auch Chefarzt Wilfried Kindermann vom deutschen Olympiateam hält eine vollständige und rasche Genesung für möglich. "Ich habe bisher einen Fall eines Spitzenathleten mit einem Schlaganfall erlebt. Die Ursache konnte zwar letztlich nicht geklärt werden, aber der Sportler betreibt heute wieder Leistungssport", hatte Kindermann erklärt.

Ein Beispiel, das Leipold Mut machen könnte, ist der Fall von Fußball-Nationalspieler Didi Hamann. Im März 1997 erlitt der damalige Bayern-Spieler als 23-Jähriger einen leichten Schlaganfall, der aber der späteren Karriere Hamanns keinen Abbruch tat. Hamann spielt seit 1998 erfolgreich in der englischen Premier League, zunächst bei Newcastle United, später beim FC Liverpool.

Trotz aller Zuversicht plagen Leipold dennoch große Ängste. "Wenn du so dastehst und kriegst alles mit, kannst aber nicht mehr sprechen, nichts mehr zeigen, dann ist das ein ungeheuer großes Gefühl der Hilflosigkeit", beschreibt der frühere Welt- und Europameister die schlimmen Momente nach dem Zusammenbruch.

Mittlerweile hat Leipold die Intensivstation der Spezialklinik in Würzburg verlassen, kann wieder laufen und normal sprechen. Doch die Ärzte rätseln immer noch über die Ursache der Apoplexie. Leipold: "Die Ungewissheit quält mich. Auch die Ärzte wissen nicht, warum ich die Schlaganfälle bekam."

Der Schifferstädter hatte beim Trainingsaufenthalt in Usbekistan vor anderthalb Wochen ein Taubheitsgefühl und Kribbeln "von der Lippe bis zum kleinen Zeh" verspürt. "Trotzdem ging ich auf die Matte und besiegte irgendeinen Usbeken 5:0", erinnert sich Leipold an die beinahe fatalen Momente: "Ich dachte, mich kann nichts umbringen, nichts schocken. Gesünder als ich kann kein Mensch leben."

Glücklicherweise ordnete Freistil-Bundestrainer Wolfgang Nitschke nach den Beschwerden Leipolds den sofortigen Rückflug nach Deutschland an. In der Klinik in Frankfurt erlitt der Hochleistungssportler seinen ersten schweren Schlaganfall, am vergangenen Freitag folgte der zweite, der zudem das Sprachzentrum lähmte.



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