TuS Holzhausen Porta Kreisliga-Klub meldet Mannschaft nach Naziparolen ab und stellt Trainer frei

Während der Aufstiegsfeier des TuS Holzhausen Porta in die Kreisliga A haben einige Personen "Sieg Heil"-Parolen skandiert. Das zeigt ein Video. Der Verein reagierte mit deutlichen Maßnahmen, die Staatsanwaltschaft ermittelt.


Der TuS Holzhausen Porta hat seine erste Fußballmannschaft vom Spielbetrieb aus der Kreisliga A abgemeldet, nachdem der Verein aus dem Kreis Minden-Lübbecke in Nordrhein-Westfalen Kenntnis über ein Video erhalten hat, das einige Personen beim Skandieren von "Sieg Heil"-Parolen zeigt. Der Trainer wurde von seinen Aufgaben im Verein freigestellt, auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Was war passiert? Am 5. September schrieb der Verein auf Facebook, er habe einen Tag zuvor von dem Video erfahren, das bei der Aufstiegsfeier der ersten Mannschaft im Mai 2019 aufgenommen wurde. Darin ist zu sehen, wie "mehrfach im Chor verbal der Hitlergruß gerufen und die Geste des Grußes angedeutet wurde". Der Vorstand habe deshalb in seiner Sitzung am 4. September beschlossen, die betreffenden Personen nach Prüfung des Sachverhalts aus dem Verein auszuschließen und mit einem Sportplatzverbot zu belegen.

Drei Tage später veröffentlichte der Klub ein weiteres Statement. Nachdem Team und Trainer zu den Vorkommnissen hätten Stellung beziehen können, seien die weiteren Maßnahmen erfolgt. Die Mannschaft habe ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht und sich zu demokratischen Werten bekannt. Der Klub bewertete die Vorfälle als "nicht zu tolerierendes Fehlverhalten Einzelner".

"Ein unseren ethischen Werten widersprechendes und zudem strafrechtliches Verhalten kann im TuS Holzhausen nicht toleriert werden. Hier muss intern und öffentlich ein klares Signal gesetzt und im Weiteren auch die Auseinandersetzung darüber geführt werden", schrieb Vorstandsvorsitzender Matthias Adamkowitsch.

Warum das Video zum jetzigen Zeitpunkt auftauchte, ist noch unklar

Nach Abschluss des laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens, in dem die persönliche Verantwortung Einzelner geklärt wird, behalte sich der Vorstand personelle Konsequenzen vor.

Warum sich das Video rund vier Monate nach der Aufnahme verbreitete, ist zunächst noch unklar, schreibt das "Mindener Tageblatt". Das Video sei offenbar direkt in der Kabine aufgenommen worden, nachdem der Klub durch ein 6:0 gegen den TuS Bad Oeynhausen II in die Kreisliga A aufgestiegen war. Zu sehen und zu hören ist, wie der Pokal in die Höhe gehalten und von mehreren Personen "Sieg Heil" gerufen wird.

Nachdem die Stadt Porta Westfalica von dem Video erfuhr, wandte sie sich an die Staatsanwaltschaft und den Verfassungsschutz. "Ein solches Verhalten kann und darf nicht toleriert werden", wird Bürgermeister Bernd Hedtmann in einer Mitteilung zitiert. "Gerade vor dem Hintergrund, dass hier an der Porta Westfalica 3000 Menschen unter dem nationalsozialistischen Regime in drei Lagern schwer gelitten haben und seit einigen Jahren intensive Aufklärungsarbeit hierzu geleistet wird, trifft mich ein solches Verhalten persönlich und auch als Bürgermeister, der den Ruf dieser Stadt zu schützen hat."

ngo

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.