TV-Poker um Olympiarechte "Vorstellungen sind völlig überzogen"

Die ARD will nicht jeden Preis für die Rechte an den Olympischen Spielen zahlen. Das erklärte Programmdirektor Volker Herres. Das IOC mache mit der dezentralen Rechtevergabe einen Fehler. Der Fernsehmann befürchtet schwerwiegende Konsequenzen für kleinere Sportarten.


Hamburg - Die ARD will nicht um jeden Preis die TV-Rechte an den Olympischen Spiele 2014 und 2016 erwerben. "Auf Seiten des Internationalen Olympischen Komitees gibt es Vorstellungen über den wirtschaftlichen Wert der Fernsehrechte, die völlig überzogen sind", sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres dem "Handelsblatt". Übertriebene Preisforderungen werde die ARD nicht mitmachen.

Übertragungswagen in Peking 2008: "Engagement überprüfen"
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Übertragungswagen in Peking 2008: "Engagement überprüfen"

Die Rechte an diesen Spielen nicht wie in den Jahrzehnten zuvor an die Rechte-Dachorganisation European Broadcasting Union (Ebu) zu vergeben, halte er für einen strategischen Fehler, sagte der für den Sportrechteeinkauf zuständige Herres.

Er befürchtet schwerwiegende Konsequenzen für kleinere Sportarten, sollten die Öffentlich-Rechtlichen leer ausgehen. "Sollte es zu einem Verlust der Fernsehrechte an den Olympischen Spielen kommen, würde dies zahlreiche vor allem kleinere Sportarten entwerten", sagte Herres. " Das IOC übersieht, dass wir als ARD zusammen mit dem ZDF kontinuierlich - auch zwischen den Sommer- und Winterspielen - über olympische Sportarten berichten. Sollten wir die Fernsehrechte an den Spielen 2014 und 2016 verlieren, würden wir unser Engagement zwischen den Spielen für jede Einzelsportart überprüfen", sagte Herres.

Gelder aus TV-Verträgen stellen für viele Verbände ein wichtiges finanzielles Standbein dar. Das IOC will im Hinblick auf die Spiele 2014 und 2016 keinen Rahmenvertrag mehr mit der Ebu, der Dachorganisation aller öffentlich-rechtlichen Sender in Europa, schließen, sondern die TV-Rechte im Gegensatz zur bisherigen Praxis an die einzelnen Sender in den jeweiligen Ländern vergeben. Dadurch verspricht es sich deutlich höhere Einnahmen.

Herres verwies auf die "attraktive und publikumswirksame" Berichterstattung von den Sommerspielen in Peking: "Die Qualität und Breite der Berichterstattung von ARD und ZDF geben Olympia hierzulande die Werthaltigkeit."

fpf/sid



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malbec freund 03.12.2008
1.
Zitat von sysopDas Internationale Olympische Komitee wird erstmals keinen Fernsehvertrag mit der European Broadcasting Union abschließen. Damit könnten ARD und ZDF ab 2014 auf Olympische Spiele verzichten müssen - zugunsten von Pay-TV- oder Privatsendern. Wie beurteilen Sie das Handeln des IOC: Handelt es sich um ganz normalen Wettbewerb oder schießen die olympischen Funktionäre über das Ziel hinaus?
Olympia ohne ARD und ZDF grundsätzlich begrüssenswert. Bei der letzten Olympiade wurde täglich das Doping Thema derart "breitgefaselt", gerade von diesem Kerner. Es war eigentlich nur "zum abschalten". Andererseits wissen wir ja wie klamm gerade der deutsche TV Seher ist wenn es um Pay-TV geht. Zu Hoffen wäre das das IOC mit der Idee ganz kräftig auf die Fresse fliegt. MfG
number12, 03.12.2008
2. Verhandlungen einstellen
Einfach kein Angebot mehr abgeben ... Soll das IOC doch mal sehen, was sie vom Pay-TV oder von den Privaten geboten bekommen. Die Einschaltquten in diesem Jahr sollen ja nicht so wirklich dolle gewesen sein ...
christiane006, 03.12.2008
3.
Zitat von sysopDas Internationale Olympische Komitee wird erstmals keinen Fernsehvertrag mit der European Broadcasting Union abschließen. Damit könnten ARD und ZDF ab 2014 auf Olympische Spiele verzichten müssen - zugunsten von Pay-TV- oder Privatsendern. Wie beurteilen Sie das Handeln des IOC: Handelt es sich um ganz normalen Wettbewerb oder schießen die olympischen Funktionäre über das Ziel hinaus?
das IOC hat bereits bei den Spielen in China sehr deutlich gemacht, dass nicht die Athleten im Vordergrund stehen, sondern ausschließlich das Geld, was sich mit dieser Veranstaltung verdienen lässt. Die Folge dieser Entscheidung war ein deutlicher Attraktivitätsverlust dieser Sportveranstaltung. Ich, für meinen Teil habe den Fernseher nicht angeschaltet. Diese Haltung kann man natürlich bei den nächsten Spielen wiederholen. Zusätzlich private Programme einkaufen kommt überhaupt nicht infrage. Es ist dann allerdings nur eine Frage der Zeit, dass die Olympischen Spiele als Idee vollends erledigt sind. Eine Massenbewegung, wie in München oder in Sydney kann man dann vergessen. Wenn dies das Ziel ist, lasst die Herren doch weiter Kohle scheffeln.
huesla 03.12.2008
4.
kann mir nicht vorstellen, dass premeire soviel zahlen würde wie die öffentlichen. ich geh schwer davon aus dass ard und zdf die spiele übertragen werden
Edgard 03.12.2008
5. Ja, bitte....
... keine stundenlangen nervtötenden Sportübertragungen mehr! Das eingesparte Geld könnte gut mit der GEZ-Erhöhung verrechnet werden... und es werden nicht mehr Millionen Zuschauer um ihre Lieblingssendungen gebracht.
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