Tyson - Golota Verlierer mit Bier übergossen

Das Duell der " Bad Boys" Mike Tyson und Andrew Golota ist mit dem von vielen erwarteten Skandal zu Ende gegangen. Doch diesmal konnte Tyson nichts dafür - und Golota eigentlich auch nicht.


Mike Tyson in Siegerpose
AP

Mike Tyson in Siegerpose

Detroit - Der in Polen geborene Golota gab ohne zunächst ersichtlichen Grund den Schwergewichts-Fight nach der zweiten Runde auf und hinterließ 16.228 wütende Zuschauer in Auburn Hills bei Detroit und einen verärgerten Tyson. Auf dem Weg in seine Kabine wurde Golota mit Bier, Popcorn und Abfall überschüttet. "Es war nicht mein Tag heute", sagte der 32-Jährige: "Es tut mir leid für meine Fans."

Dabei stellte sich erst mit rund 24-stündiger Verspätung heraus, dass Golata äußerst schwer angeschlagen war. Zunächst waren unmittelbar nach dem Kampf im US-Bundesstaat Michigan die äußerlichen Wunden von Golota im Krankenhaus von Detroit mit mehreren Stichen genäht worden, danach reiste der Boxer unverzüglich in seine Heimatstadt Chicago. Erst einen Tag später klagte der 32-Jährige über Kopfweh, Übelkeit und Schwindelgefühl und ging auf Drängen seine Ehefrau Mariola erneut ins Krankenhaus. Dort wurden ein Bruch des Backenknochens und eine Gehirnerschütterung festgestellt.

Dennoch dürfte die bizarre Veranstaltung, bei der es um keinen Titel ging, das endgültige Karriereende Golotas bedeuten. Und es könnte der unwürdige letzte Auftritt von Tyson gewesen sein, der voller Frust im Ring seinen Gegner aufforderte: "Mach weiter." Doch Golota hatte kein Ohr für Tyson, der anschließend ärgerlich das Weite suchte. "Mike bleibt dabei, das war sein letzter Kampf", sagte Tyson-Berater Shelley Finkelstein: "Bis jetzt."

Rund zehn Millionen Dollar hat Tyson für den Kurzauftritt kassiert, den er offiziell durch Technischen K.o. in der dritten Runde gewann. Golotas Börse lag bei 2,2 Millionen Dollar.

Golota, der nach einem Niederschlag in der zehnten Runde am 20. November 1999, deutlich nach Punkten führend, einen Kampf gegen Michael Grant aufgegeben hatte, musste gegen Tyson nach einer Rechten am Ende der ersten Runde kurz zu Boden und angezählt werden. Er erlitt außerdem nach einem unabsichtlichen Kopfstoß einen Cut am rechten Auge. Axel Schulz meinte als Co-Kommentator von Premiere World am Ring: "Seine Ära ist endgültig zu Ende, wer will den noch sehen?"

Ob es tatsächlich der letzte Kampf von Tyson war, ist dagegen unsicher. Der mittlerweile 34 Jahre alte Ex-Weltmeister wirkte nach der Einnahme eines neuen Anti-Depressivums konzentriert und ruhig wie lange nicht. Sein Distanzgefühl war allerdings noch nicht richtig da. "Dieser Kampf nutzt ihm gar nichts", sagte Schulz: "Das Einzige, was ihm hilft, ist Matchpraxis, und die kann er nur durch längere Fights erhalten."

Ein dritter Kampf gegen Evander Holyfield oder ein WM-Duell mit Lennox Lewis ist immer noch das Ziel der Promotor in den USA. "Mike wird ein paar Wochen Urlaub machen und über alles nachdenken", sagte Finkel: "Wenn er doch weiter kämpfen möchte, gehört ihm die Welt."



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