Doping im Radsport Usada-Chef stellt Armstrong Ultimatum

Der Kampf zwischen den Doping-Gegnern und Lance Armstrong geht weiter: Der Chef der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur, Travis Tygart, bezichtigt den Ex-Radstar nach dessen Geständnis der Lüge. In einem Brief fordert Tygart Armstrong auf, bis Anfang Februar die komplette Wahrheit zu sagen.
Ex-Radstar Armstrong: Soll vollständig auspacken

Ex-Radstar Armstrong: Soll vollständig auspacken

Foto: REUTERS

Hamburg - Der Chef der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada, Travis Tygart, hat Lance Armstrong nach dessen Doping-Geständnis ein Ultimatum gestellt. Demnach habe Armstrong noch bis zum 6. Februar Gelegenheit, mit der Usada zu kooperieren, um seine lebenslange Sperre möglicherweise zu verkürzen, sagte Tygart in einem Interview mit dem US-Sender CBS. Das habe er Armstrong in einem Brief mitgeteilt.

In dem Gespräch, das am Sonntag in der Sendung "60 Minutes" ausgestrahlt wird, bezichtigt Tygart Armstrong zudem, im Interview mit Talkmasterin Oprah Winfrey nicht die volle Wahrheit gesagt habe. Armstrong hatte behauptet, nach seinem Comeback in den Jahren 2009 und 2010 nicht gedopt zu haben. Die Chance, dass die Blutwerte Armstrongs nicht auf Doping basierten, beziffere sich laut Tygart jedoch auf "eins zu einer Million".

Der Usada-Chef hält es außerdem für unglaubwürdig, dass Armstrong seine Teamkollegen nicht zur Einnahme verbotener Substanzen getrieben habe. "Er war der Boss", sagte er. Es sei eindeutig, dass Armstrong der Anführer einer Verschwörung gewesen sei, die Millionen an Steuergeldern verbraucht und Millionen an Sportfans betrogen habe.

Armstrong hatte bei Winfrey eingeräumt, seit Mitte der neunziger Jahre und auch bei seinen inzwischen aberkannten sieben Tour-de-France-Siegen zu verbotenen Substanzen gegriffen zu haben, darunter Epo, Testosteron und Bluttransfusionen. "Er hat sehr viel Epo genommen", sagte Tygart.

Ferrari stellt sich hinter Armstrong

Dass Armstrong auch ungedopt stärker als alle anderen Fahrer gewesen sei, behauptet indes der italienische Arzt Michele Ferrari: "Armstrong hätte auch ohne Doping dieselben Leistungen vollbracht, weil er ein Talent hatte, das deutlich über jenes der Rivalen war", schreibt der Mediziner und Armstrong-Betreuer auf seiner Webseite.

"Wenn Armstrong Testosteron in der Weise eingenommen hat, wie seine Teamkollegen berichtet haben, hätte dies lediglich einen Placebo-Effekt gehabt. Die eingenommenen Mengen sind nicht relevant und hätten bestimmt keine Auswirkungen auf Armstrongs Leistungen gehabt", sagt Ferrari weiter. Armstrongs Epo-Doping und die Transfusionen mit der von den Teamkollegen berichteten Dosis hätten die Leistungen des Texaners um maximal drei bis sechs Prozent gesteigert.

Der Arzt, der als eine der Schlüsselfiguren in Armstrongs Dopingsystem gilt, war 2004 wegen Sportbetrugs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zwei Jahre später belegte der italienische Radsportverband Ferrari mit einer lebenslangen Sperre und verbot allen italienischen Radprofis eine Zusammenarbeit mit dem Mediziner.

psk/sid

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