Ullrich-Wechsel "Das war ja wie in der DDR"


Wolfgang Strohband (Ullrich-Manager):

"Bei Coast hat Jan Mitspracherecht, zum Beispiel in der Materialfrage oder auch bei der Zusammenstellung der Mannschaft für einzelne Rennen. Das war bei seiner Entscheidung alles nicht ganz unwichtig. Natürlich ging es auch um die Finanzen, Jan ist schließlich Profi. Aber in erster Linie war der sportliche Aspekt ausschlaggebend. CSC ist auch gut, aber eben nicht so gut. Coast ist besser."

Wolfram Lindner (Coast-Teamchef): "Jans Gewicht ist völlig in Ordnung, er kann ja noch nicht hart trainieren. Neue Probleme mit seinem Knie schließe ich aus. Wir bauen ihn in enger Abstimmung mit unseren Ärzten auf, und Jan ist heute soweit, dass er sich an die Absprachen genau hält. Ich habe ihn als Cheftrainer in der DDR nur aus der Distanz betrachtet, aber ich hatte schon ein Auge auf ihn geworfen. Hier bei Coast ist alles eine Nummer kleiner, nicht so pompös wie bei Telekom, aber dafür familiärer. Wir haben keine Gelddruckmaschine. Jan hat deutliche Abstriche machen müssen - und sie auch bereitwillig gemacht."

Peter Becker (Ullrichs persönlicher Trainer): "Ich werde sicher nicht zu Jan in die Schweiz ziehen und auch nicht jede Woche zu ihm fahren. Ich habe ihm gesagt: Jan, du musst deine Geschicke jetzt endlich selber in deine Hände nehmen, du musst dir vorher Gedanken machen und nicht immer nur alles spontan und aus dem Bauch heraus entscheiden. Wenn Jan in Topform zurückgekommen ist, werden sich einige sehr warm anziehen müssen. Ich glaube, das weiß auch Lance Armstrong, deshalb redet er im Moment ein bisschen viel. Der Druck, den Telekom auf Jan ausgeübt hat, war einfach nicht in Ordnung. Ständige Kontrolle ist für einen mit Jans Charakter genau der falsche Weg, dann bricht er zwangsläufig aus. Das war ja wie in der DDR, da mussten wir an jedem Wochenende Rechenschaft über die während der Woche gefahrenen Kilometer ablegen."

Olaf Ludwig (Telekom-Teamsprecher): "Wir fahren 2003 nicht gegen Coast oder Jan Ullrich, sondern für uns. Wir wollen zurück unter die Top-Drei der Weltrangliste und natürlich in Deutschland an die Spitze. Das Potenzial an Fahrern haben wir und mit Erik Zabel den richtigen Kapitän. Telekom hat zehn Jahre lang Aufbauarbeit im deutschen Radsport geleistet. Nun gibt es 2003 mit Coast, Gerolsteiner und uns drei Topteams bei der Tour. Darauf können auch wir stolz sein."



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