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Basketball-EM: Das Wunder ist ausgeblieben

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Umbruch nach EM-Aus Abschied von Dirk und Dirk

Er sollte die Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen führen, doch Nowitzkis Mission scheiterte. Der Superstar nahm die Schuld für das EM-Aus auf sich, er wird vielleicht nie mehr für Deutschland spielen. Auch Trainer Dirk Bauermann geht - vorerst jedenfalls.

Dirk Nowitzki hatte eine Mission. Noch einmal wollte er die Basketball-Nationalmannschaft zu einem großen Sieg führen und die Chancen auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 wahren. Mit mindestens elf Punkten Vorsprung hätte Deutschland dafür gegen Litauen gewinnen müssen. Ein nahezu aussichtsloses Unterfangen - das nicht gelang.

Nowitzki, der NBA-Champion, zeigte gegen Litauen zwar eine engagierte Leistung - doch führen konnte er das DBB-Team, wie im gesamten Turnier, nicht. "Es lag an mir. Ich war nicht in der Verfassung, ein gutes Turnier zu spielen", sagte Nowitzki nach seinem wahrscheinlich letztem Spiel für Deutschland.

So fokussiert, so einsatzfreudig wie bei der 75:84-Niederlage war der NBA-Champion in keiner Partie zuvor gewesen. Man konnte sehen: Nowitzki fühlte sich in der Pflicht. Etliche Male hatte er der Nationalmannschaft seit seinem Debüt im Februar 1997 im Alleingang zum Sieg verholfen: bei der WM 2002 in den USA etwa, als Deutschland Bronze holte; beim Silbermedaillen-Gewinn 2005 bei der EM in Serbien; oder bei der Qualifikation für Peking 2008. Doch bei dieser Europameisterschaft erreichte er nicht sein Top-Niveau, auch gegen Litauen kam er nur auf 16 Punkte.

Am mangelnden Willen lag es nicht, doch der Nowitzki war nach der harten NBA-Saison körperlich ausgelaugt. Nach 94 Partien, die vom Meistertitel mit den Dallas Mavericks gekrönt wurde, und einer nur vierwöchigen Pause entschied er sich trotzdem, für Deutschland bei der EM aufzulaufen. Er wollte etwas zurückgeben,den jungen Spielern die Teilnahme an Olympischen Sommerspielen ermöglichen.

Nowitzki verabschiedet sich - aber lässt sich eine Hintertür offen

Ob er noch einmal für die Nationalmannschaft auflaufen wird, ließ der sichtlich erschöpfte Nowitzki nach dem EM-Aus offen. Er müsse erst einmal Abstand gewinnen. Dass der 33-Jährige zunächst eine Pause einlegen wird, stand schon vor seinem 141. Länderspiel fest. Er bedankte sich bei Mitspielern, Trainern, Betreuern und dem Verband für die Jahre im Nationalteam. Es wirkte wie ein Abschied. Zumindest auf die EM 2013 in Slowenien wird Nowitzki voraussichtlich verzichten.

Bundestrainer Dirk Bauermann wollte ebenfalls noch nicht von einem endgültigen Abschied sprechen - weder von Nowitzki noch von sich selbst. Doch der 53-Jährige wird zunächst nur noch den Bundesliga-Aufsteiger FC Bayern München trainieren und sein Amt beim DBB aufgeben. "Wie bei Dirk habe auch ich nicht das Gefühl, dass es das letzte Mal mit dem Adler auf der Brust war. Nicht im nächsten, auch nicht im übernächsten Jahr, aber auch ich bin ja noch jung", sagte Bauermann, der nach der EM 2003 Bundestrainer geworden war. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Der zumindest vorläufige Abschied von Dirk und Dirk in der Nationalmannschaft ist ein gewaltiger Einschnitt. Zudem wird auch Chris Kaman vorerst nicht mehr für Deutschland spielen. Der 29-Jährige hatte sein Auflaufen in der Nationalmannschaft stets an die Teilnahme von Nowitzki geknüpft. Der NBA-Profi von den Los Angeles Clippers hatte eine starke EM gespielt. Auch gegen Litauen überzeugte der gebürtige Amerikaner mit 25 Punkten und zwölf Rebounds.

Umbruch in der Nationalmannschaft

Nun müssen andere Spieler übernehmen. Robin Benzing etwa empfahl sich auch dank seiner 18 Punkte gegen Litauen. Dem 22-Jährigen fehlt es zwar noch an der Beständigkeit, aber er hat einen großen Schritt in Richtung europäischer Klasse gemacht.

Auch der 27 Jahre alte Spielmacher Heiko Schaffartzik (13 Punkte) überzeugte bei der EM als drittbester deutscher Scorer hinter Nowitzki und Kaman. Philipp Schwethelm bewies bei seinem tollen Auftritt gegen die Türkei, dass er in Zukunft wertvoll sein kann. In Tibor Pleiß gibt es zudem noch einen Center, der großes Potential hat.

Damit Deutschland auch künftig in Europa ein ernstzunehmender Gegner ist, braucht es aber eine andere Spielweise. Mit dem aktuellen System wurden zwar große Erfolge gefeiert, die anderen Nationen haben sich jedoch weiterentwickelt, sind vielseitiger als die Deutschen. Bauermann verzichtete fast komplett auf schnelle Gegenangriffe und somit auf einfache Punkte zugunsten einer sicheren Verteidigung. So mussten die Würfe in fast jeder Partie schwer erarbeitet werden. Im Angriff war das Bauermann-Team zudem berechenbar, die Gegner bestens darauf eingestellt.

Ein neuer Coach hat somit neben der Entwicklung der Talente die schwierige Aufgabe, einen modernen Basketball zu etablieren. Falls das gelingt, könnte Nowitzki als 37-Jähriger in seinem Heimatland seinen Abschied aus der Nationalmannschaft feiern. Wenn der DBB den Zuschlag für die Ausrichtung der EM 2015 erhält. Und Nowitzki tatsächlich noch einmal zurückkommen sollte.

Deutschland - Litauen 75:84 (17:21, 16:16, 19:21, 23:26)
Deutschland:
Kaman 25 Punkte, Benzing 18, Nowitzki 16, Schaffartzik 13, Schwethelm 3
Litauen: Kaukenas 19 Punkte, Jasikevicius 17, Valanciunas 15, Kalnietis 9, Jasaitis 8, Javtokas 8, Songaila 4, Pocius 2, Jankunas 2
Zuschauer: 11.000

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