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Umstrittene Weltmeisterin: Semenyas Leidensgeschichte

Foto: OLIVIER MORIN/ AFP

Umstrittene Athletin Semenya darf wieder starten

Die lange Leidenszeit von Caster Semenya ist beendet: Nach einjähriger Sperre darf die südafrikanische Leichtathletin wieder bei den Frauen starten. Das hat der Weltverband IAAF entschieden - nach Abschluss der medizinischen Untersuchung und einer entsprechenden Empfehlung der Ärzte.

Hamburg - Fast ein Jahr lang musste sie zuschauen, nun darf Caster Semenya wieder an den Start gehen. Der Weltverband IAAF erteilte der 19-jährigen Leichtathletin aus Südafrika am Dienstag die uneingeschränkte internationale Wettkampferlaubnis. "Ich bin unglaublich erleichtert und begeistert, dass ich jetzt wieder laufen darf", sagte Semenya.

Nach ihrem Sieg über 800 Meter bei der WM in Berlin 2009 waren Zweifel am Geschlecht Semenyas aufgekommen. Die IAAF hatte daraufhin Untersuchungen angeordnet, die sich über Monate hinzogen. Erst jetzt wurden sie abgeschlossen. "Die IAAF folgt dem abschließenden Urteil verschiedener medizinischer Experten, die jetzt zu dem Schluss gekommen sind, dass Semenya mit sofortiger Wirkung als Frau starten darf", hieß es in der Mitteilung des Weltverbands. Die medizinischen Details seien allerdings vertraulich und würden nicht weiter kommentiert werden.

Bereits im September des vergangenen Jahres waren angebliche erste Ergebnisse bekanntgeworden, denen zufolge Semenya intersexuell sei - also sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale besitzen könnte.

Die Mittelstreckenläuferin durfte seit ihrem WM-Sieg nicht mehr starten. Wann Semenya nun auf die Laufbahn zurückkehrt, ist noch ungewiss. Ende März war die Südafrikanerin an einem Start beim Meeting in Stellenbosch bei Kapstadt gehindert worden. Die Veranstalter hatten diesen Schritt mit den noch laufenden Untersuchungen der IAAF begründet.

Eine unrühmliche Rolle in dem Fall spielte die Führung des südafrikanischen Leichtathletik-Verbandes Asa. Der inzwischen abgesetzte Verbandspräsident Leonard Chuene hatte zugegeben, Semenya bereits vor der WM in Berlin ohne ihr Wissen einem Geschlechtstest unterzogen zu haben. Außerdem setzte er sich über eine Empfehlung seines Teamarztes hinweg, der für eine Nichtteilnahme der Mittelstreckenläuferin bei der WM plädiert hatte.

So wurde Semenya zur großen Leidtragenden des Falles, der immer wieder von schrillen Tönen und Vorwürfen begleitet war. Südafrikas Sportminister Makhenkesi Stofile hatte sogar mit einem "dritten Weltkrieg" gedroht, falls die Athletin nicht wieder bei den Frauen starten dürfe.

In der Vergangenheit gab es ähnliche Fälle

Im Spitzensport gab es wiederholt Fälle, bei denen vermutlich intersexuelle Menschen bei den Frauen gestartet sind. Die Polin Stella Walsh, die später die US-Staatsbürgerschaft annahm, holte im Jahr 1932 in Los Angeles über 100 Meter Olympiagold und vier Jahre später in Berlin Silber. Als sie 1980 bei einem Überfall erschossen wurde, stellte sich heraus, dass Walsh männliche Geschlechtsorgane hatte.

Bei den Asienspielen 2006 in Doha musste die indische Leichtathletin Santhi Soundarajan ihre 800-Meter-Silbermedaille wieder abgeben, nachdem bei einem Geschlechtstest herausgekommen war, dass sie von der Chromosomen-Konstellation her männlich ist. Anschließend versuchte Soundarajan, sich das Leben zu nehmen.

hut/sid/dpa
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