Umstrittenes T-Shirt Ex-Profispieler unter Neonazi-Verdacht

Als "Fußballgott" wurde Daniel Bärwolf in Lübeck verehrt. Jetzt stürmt der Mann für Gotha und sieht sich ernsthaften Neonazi-Vorwürfen ausgesetzt - weil er Klamotten trägt, die bei Rechtsradikalen beliebt sind.

Locker, selbstbewusst, zufrieden - so wirkt Torjäger Daniel Bärwolf auf dem Foto. Gerade hat sein Verein, der VfB Lübeck, fulminant gewonnen. Mit 6:0 haben die Lübecker den Tabellenletzten der Regionalliga weggeputzt. An diesem Tag, dem 2. Juni 2007, steht fest: Bärwolf wird zum thüringischen Landesligisten FSV Wacker Gotha 03 wechseln.

Mittlerweile ist der gebürtige Erfurter in Gotha angekommen - und steckt in ernsthaften Schwierigkeiten. Ihm werden Sympathien für rechtsradikales Gedankengut nachgesagt - den Grund dafür offenbart genau jenes Foto: Nach dem Spiel gegen den SV Wilhelmshaven schlüpfte der Kicker in ein T-Shirt, das in Neonazi-Kreisen Gefallen findet. Auf der Brust prangt das Emblem der "Schwarzen Sonne".

Das Symbol setzt sich zusammen aus drei miteinander verschlungenen Hakenkreuzen. Zu finden ist das Zeichen als Mosaik im "Obergruppenführersaal" der Wewelsburg, die Heinrich Himmler zur Ordensburg der SS umfunktionieren wollte. Laut Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit in Nordrhein-Westfalen (IDA-NRW) ist das steinerne Abbild im Fußboden Ziel rechtsextremer Wallfahrten.

In Bärwolfs neuem Verein kursiert eine Erklärung für den seltsamen Vorfall. Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE sagt Wacker-Vize Holger Gabe, Bärwolf habe erklärt, er habe das T-Shirt von einem Fan überreicht bekommen und auf dessen Wunsch für das Foto angezogen. Dabei erzählt Bärwolf selbst eine andere Version: "Ich habe das T-Shirt vor mehr als drei Jahren im Internet erworben und bei zahlreichen Gelegenheiten getragen", sagte der Spieler auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Allerdings sei ihm die Bedeutung des Symbols "in keinster Weise bewusst" gewesen. Diese Aussage gibt Rätsel auf, ein zufälliger Erwerb ist schwer vorstellbar, denn Klamotten mit diesem Symbolen sind vor allem auf einschlägig rechtsextremen und neonazistischen Seiten zu erwerben.

Merkwürdig auch, dass der Spieler, wie auf dem Foto zu sehen ist, eine Jacke der Marke "Thor Steinar" trägt: ein Label, das bevorzugt von Rechtsextremen getragen wird. Den Inhabern und Mitarbeitern des herstellenden Unternehmens Mediatex GmbH wurde wiederholt vorgeworfen, aktiv in der Neonaziszene tätig zu sein. Mediatex hat diese Vorwürfe stets zurückgewiesen. Im Jahre 2004 ordnete das Amtsgericht Königs Wusterhausen die bundesweite Beschlagnahmung von Kleidung mit dem alten Logo der Marke an. In einigen Bundesländern gab es ein Verbot, das aber 2005 etwa in Brandenburg wieder aufgehoben wurde. Das umstrittene, mittlerweile vom Markt genommene Logo setzte sich zusammen aus der altgermanischen Tyr-Rune und der Gibor-Rune oder "Wolfsangel". Erstere war in der NS-Zeit Abzeichen der SA-Reichsführerschulen, letztere das Symbol für die SS-Division "Das Reich". In einigen Fußballstadien der Republik wird Zuschauern mit "Thor Steinar"-Kleidung der Zutritt ins Stadion verwehrt: beim FC St. Pauli, Werder Bremen und Hertha BSC.

Bärwolf sagt, die Jacke gehöre ihm nicht, man habe sie ihm wegen der frischen Temperaturen nach dem Spiel überreicht. Mit der rechten Szene habe er nichts zu tun, wisse auch nicht, "wer sich da einen Dummejungenstreich erlaubt" habe.

In der Vergangenheit gab es schon einmal Rassismusvorwürfe gegen den Spieler, der seine Profikarriere 1994 beim damaligen Zweitligisten VfB Leipzig begann. Der Senegalese Adama Niang von der Braunschweiger Eintracht sagt, damals habe ihn Bärwolf als "Scheißneger" bezeichnet. Bestätigt hat das damals Braunschweigs Mittelfeldspieler Janosch Dziwior.

Bärwolf will davon nichts wissen. Er habe weder diesen, noch andere Spieler rassistisch beschimpft - und verstehe die ganze Aufregung nicht, sagte er SPIEGEL ONLINE.

Dem zuständigen Fußball-Landesverband Thüringen ist der T-Shirt-Vorfall bekannt. Nach Angaben von Hauptgeschäftsführer Hans-Günter Hänsel fanden erste Gespräche mit dem Verein statt. Auch eine Befragung des Spielers sei anberaumt. "Bezüglich potentieller Sanktionen sind dem Verband allerdings die Hände gebunden, da es sich nicht um verbotene Symbole handelt und eine Sperrung keinen Bestand vor Gericht hätte." Nichtsdestotrotz sei dem Landesverband an der Aufklärung des Sachverhalts gelegen.

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