US-Basketballer Auf den Spuren des Dream Teams

Ihre artistischen Flugeinlagen werden von den Fans frenetisch bejubelt: Die US-Basketballer sind vielleicht die größte Attraktion in Peking. Zum Auftakt feierten LeBron James und Co. einen deutlichen Sieg gegen China, doch vom Ziel ihrer Mission sind sie noch weit entfernt.


Hamburg - Es dauerte nur 25 Sekunden, da durften die 18.000 Zuschauer in Peking die erste spektakuläre Aktion bestaunen. Nein, es war kein gewaltiger Slam-Dunk von LeBron James; kein brutaler Block von Center Dwight Howard; und auch Kobe Bryant hielt sich mit artistischen Alleingängen noch zurück. Die US-Superstars waren eigentlich für die besonderen Momente vorgesehen, doch der erste Höhepunkt war ein verwandelter Drei-Punkte-Wurf der Chinesen.

Das Ungewöhnliche daran: Der Schütze war Yao Ming. Der 27-Jährige ist ein Volksheld in China, er misst 2,29 Meter, spielt auf der Center-Position, sein Zuhause ist unter dem Korb. In seinen bislang sechs Spielzeiten bei den Houston Rockets hat Yao einen einzigen Wurf aus der Distanz verwandelt - und das in über 400 Spielen.

Doch als er nach 25 Sekunden den Ball an der Linie bekam, zögerte er nicht lange und versenkte ihn im Netz. Das Publikum tobte. China ist ein basketballverrücktes Land, die Leute lieben die NBA und vergöttern die Superstars der Liga. Entsprechend groß war die Vorfreude auf dieses Duell gegen die US-Amerikaner. Dabei lagen die Hoffnungen vor allem auf Yao, obwohl er erst kurz vor Beginn der Spiele von einem Bruch des linken Fußes genesen ist. Und nun dieser Auftakt gegen die USA!

Die einzigen in der Arena, die nicht sonderlich beeindruckt schienen, waren Bryant und Co. Zwar hatten sie in der Anfangsphase noch ein paar kleinere Schwierigkeiten, doch nach vier Minuten übernahmen sie erstmals die Führung (14:11) und gaben sie bis zum Ende nicht mehr ab.

Der 101:70-Sieg war somit nie wirklich gefährdet und sorgte für Zufriedenheit: "Wir können uns sicherlich noch verbessern, aber wir sind schon froh über die Art und Weise, wie wir heute Nacht hier gespielt haben", sagte Bryant. Von einer ersten Macht-Demonstration wollte Trainer Mike Krzyzewski allerdings nichts wissen: "Das war keine Demonstration. Ich weiß nicht was ihre Definition dieses Wortes ist. Das war hartes Basketball."

Tatsächlich spielten alle Akteure mit großem Einsatz, am erfolgreichsten war Guard Dwyane Wade. Der Profi der Miami Heat traf jeden seiner Würfe und kam insgesamt auf 19 Punkte. Einen Zähler weniger hatte James auf dem Konto, Bryant und Howard kamen auf 13 Punkte.

Es scheint, als hätten die Amerikaner nach Jahren der Enttäuschungen tatsächlich ein Team auf die Beine gestellt, dass den eigenen Ansprüchen gerecht werden kann. Denn daran waren die US-Boys bei den vergangenen Turnieren regelmäßig gescheitert. Bei Olympia 2004 in Athen und bei der WM 2006 in Japan reichte es jeweils nur zu Bronze. Bei der WM 2002 im eigenen Land erreichten sie sogar nur Platz sechs - eine Schmach für die NBA-Stars. Schließlich sind sie nach eigenem Verständnis die besten Spieler in der besten Liga der Welt.

In Peking haben die Amerikaner daher etwas gutzumachen, in der US-Presse werden sie als "Redeem-Team" (Wiedergutmachungs-Mannschaft) bezeichnet. Das ist auch eine Anspielung auf das legendäre "Dream-Team", das 1992 mit Michael Jordan, Magic Johnson und Larry Bird in Barcelona die Welt verzauberte.

Auf ähnlich spektakuläre Auftritte hoffen nun die Fans in Peking. Und beim ersten Auftritt der USA wurden sie gleich belohnt: "Ich hatte fünf Dunkings in diesem Spiel. Das liegt auch an der Energie dieses Publikums. Als ich zum letzten Mal fünf Dunks in einem Spiel hatte, war ich 17", sagte Bryant.

Der 29-Jährige und seine Teamkollegen wollen auch in den kommenden Gruppenspielen eine gute Show bieten, doch an erster Stelle steht der Erfolg. Vor allem gegen Griechenland, Deutschland und Weltmeister Spanien dürften die Favoriten stärker gefordert werden. Der Sieg gegen China war nur ein erster Schritt auf dem Weg zur Wiedergutmachung.

Auch Yao Ming konnte seine Liga-Kollegen auf ihrer Mission nicht stoppen, nach seinem Dreier zu Beginn gelang ihm nicht mehr viel. Er traf nur drei von zehn Würfen aus dem Feld, war aber mit 13 Punkten immerhin der beste Schütze seiner Mannschaft.

hut



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