Petkovic-Comeback bei US Open Sehnsucht nach dem Rampenlicht

Es ist ihr erster großer Auftritt nach langer Verletzungspause, doch richtig fit scheint Tennisspielerin Andrea Petkovic für die US Open nicht zu sein. Die Generalprobe für New York misslang. Jetzt ist sie schon zufrieden damit, wieder im Tennis-Zirkus mitmischen zu dürfen.

AP

Sie sei wieder zu Hause, schrieb die "New York Times" über Tennisprofi Andrea Petkovic. Ein Reporter traf die 24-Jährige in New Haven, rund 160 Kilometer nördlich von New York. Petkovic hatte sich mit dem dortigen WTA-Turnier auf das letzte Grand-Slam-Turnier dieses Jahres vorbereiten wollen: die US Open (27. August bis 9. September). In Flushing Meadows, wo sie es im vergangenen Jahr ins Viertelfinale schaffte, will die vormals beste deutsche Tennisspielerin nach rund vier Monaten ihr großes Comeback geben. Doch die Generalprobe misslang.

In New Haven scheiterte Petkovic bereits in der zweiten Runde an der Slowakin Dominika Cibulkova in zwei Sätzen. Sie sei lange "draußen" gewesen, sagte sie im Anschluss und versuchte, ihre Enttäuschung zu verbergen. "Die fehlende Konstanz in den Ballwechseln und den Matches ist der Preis, den ich zahlen muss."

Anfang des Jahres hatte die frühere Weltranglistenneunte wegen einer Stressfraktur im unteren Rücken pausieren müssen. Bei ihrem ersten Auftritt nach über drei Monaten Reha verletzte sie sich erneut: In Stuttgart knickte sie während des Matches gegen Wiktoria Asarenka um und riss sich die Bänder im Sprunggelenk. Wieder ging monatelang kaum etwas.

"I'm not dead. I'm still alive"

Eine Situation, mit der die im vergangenen Jahr so mit Erfolg und Aufmerksamkeit verwöhnte Petkovic nur schlecht umgehen konnte. "I'm not dead. I'm still alive and bitchin'!", vermeldete sie vor einigen Wochen via Twitter, kurz bevor in London die Olympischen Sommerspiele begannen. Ohne sie.

Petkovic graut es vor der sportlichen - und damit verbundenen medialen - Bedeutungslosigkeit. "Ich habe Angst, dass sich das Tennis so weiterentwickelt hat, dass ich in der Weltspitze nicht mehr mitkomme", sagte sie vor Beginn des Turniers in New Haven. Die Entwicklung einer Sportart hängt immer auch von der Entwicklung der Sportler ab. Und aus deutscher Sicht hat sich im Tennis während Petkovics Abwesenheit einiges getan.

Kerber ist derzeit Deutschlands beste Tennisspielerin

Bei Angelique Kerber zum Beispiel. Sie ist nach ihrem guten Abschneiden bei den French Open, in Wimbledon und bei den Olympischen Sommerspielen auf Platz sechs der Weltrangliste vorgerückt. So gut war weder Petkovic, noch eine andere deutsche Tennisspielerin, seitdem Steffi Graf 1999 als Nummer drei der Welt zurücktrat. Bereits bei den vergangenen US Open stand Kerber im Halbfinale, in der aktuellen Saison folgten vier Finalteilnahmen und Siege gegen Top-Fünf-Spielerinnen. Kerber ist die aktuell beste deutsche Tennisspielerin, sie gilt als eine der Favoritinnen für das Grand-Slam-Turnier von New York.

Kerber ist das neue Gesicht des deutschen Tennis: willensstark, erfolgreich, dabei bodenständig und freundlich. Starallüren hat sie, bislang, keine.

Petkovic ist ein ganz anderer Typ, nicht nur auf dem Court. Sie braucht die mediale Inszenierung, hat mit dem "Petko Dance" ein Markenzeichen kreiert. Sie nennt Sabine Lisicki ihre "Olle", mit "Rafa" - Rafael Nadal, der ebenfalls in London nicht dabei war - sei sie während der Olympischen Spiele in Urlaub gefahren, witzelte sie auf ihrem Twitter-Account.

Mittendrin, statt nur dabei: Anders kann Andrea Petkovic nicht. "Wenn du einmal in den Top Ten warst, willst du wieder in die Top Ten. Nicht nur unter die besten 30, das befriedigt dich nicht. Davor fürchte ich mich wirklich", sagte sie der "New York Times" in New Haven. Kurz darauf lernte sie jedoch ihre derzeitigen Grenzen kennen. Vor allem bei den Aufschlägen offenbarte Petkovic noch gravierende Mängel, sie konnte ihr Spiel nicht richtig kontrollieren. "Meine Schläge und die Art, wie ich mich bewege, sind gut. Aber du kannst im Training einfach keine Matches simulieren", sagte sie.

Für die US Open und die Auftaktbegegnung gegen die Schweizerin Romina Oprandi am Abend (Liveticker SPIEGEL ONLINE) hat Petkovic ihre Erwartungen zurückgeschraubt: "Mein einziges Ziel ist es, gesund zu bleiben, meinen Rhythmus zu finden", sagt sie. "Es wäre für mich schon ein Erfolg, ein Spiel zu gewinnen. Das wäre großartig." Und, ganz wichtig: Sie sei froh, zurück auf der Tour zu sein. Andrea Petkovic steht wieder auf dem Court - und damit im Rampenlicht. Dort, wo sie sich wohlfühlt.

insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
niska 27.08.2012
1.
Zitat von sysopGetty ImagesEs ist ihr erster großer Auftritt nach langer Verletzungspause, doch richtig fit scheint Tennisspielerin Andrea Petkovic für die US Open nicht zu sein. Die Generalprobe für New York misslang. Jetzt ist sie schon zufrieden damit, wieder im Tennis-Zirkus mitmischen zu dürfen. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,851662,00.html
Immer locker bleiben. Fleissig trainieren. Nix verzwingen. Dann kommt auch der Erfolg wieder. Talent ist ja genug vorhanden.
sagolek 27.08.2012
2. Locker bleiben?
Man schaue sich die Bilder an......
niska 27.08.2012
3.
Zitat von sagolekMan schaue sich die Bilder an......
Da scheint noch Platz nach oben... Ich stelle es mir nicht einfach vor, zu alter Coolness zurückzufinden. Wer schon mal verletzt war, weiss wie schwer und anfangs unmöglich es ist frei aufzutreten. Man vertraut anfangs schlicht dem eigenen Körper nicht mehr. Dadurch wird durch (unbewusstes, zaghaftes) falsches Auftreten auch die Technik gestört. Aber wenn es eine schaffen kann, dann La Petko.
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